gerdah 14.02.2016, 17:44 Uhr 2 0

Die Gesichter des Terrors „Edmund Clark: TERROR INCOGNITUS„

Eindrücke von einer aktuellen Fotoausstellung in Mannheim. Sie zeigt die Folgen des Kampfes gegen den “War on Terror“ seit dem 11. 09. 2009.

Ich bin etwas früher bei der Ausstellungseröffnung „Edmund Clark: TERROR INCOGNITUS„ im Mannheimer ZEPHYR, denn ich möchte mich in Ruhe umsehen. Die vielen Bilder an den Wänden wirken ästhetisch und ich überlege mir, was sie mit Terror zu tun hat. Plötzlich fällt mein Blick auf ein Bild mit einem modernen Stuhl und mir ist sofort klar, das ist ein Folterstuhl. Er ist groß mit Bandagen, kein Blut, keine Wunden, kein Gefolterter und doch weiß ich sofort, worum es geht. Gefolterte werden in den Fotografien nicht gezeigt, aber Orte an denen es geschah. Man sieht den Bildern das Grauen zunächst nicht an, aber als ich einige Dokumente lese, die von Inhaftierten stammen, will ich nicht weiterlesen. Es ist deprimierend und erschreckend, was sich da unter der Decke abspielt.

Der 11. September 2001: Terror erzeugt Terror

Mit der Ausstellung „TERROR INCOGNITUS“ zeigt der Brite in vielen Bildern Machtsysteme und dokumentiert die Folgen des Kampfes gegen den „War on Terror“ seit dem 11. September 2001. Rund 70 Arbeiten kann der Besucher auf mehr als 400 Quadratmetern betrachten und sich damit auseinandersetzen. Ein Handbuch, das kostenlos an der Kasse erhältlich ist, erleichtert den Zugang zu den ausgestellten Werken und vermittelt dem Besucher Hintergrundinformationen, die für das Verständnis der ausgestellten Stücke wichtig sind. Dazu zählen Fotografien, Dokumente, Videos und Rauminstallationen.

Die Ausstellung ist in sieben Kapitel unterteilt. sie beginnt mit „Body Politic“ und endet mit „Section 4 Part 20: One Day on a Saturday“. Hier zeigt ein Film Aufnahmen aus dem Gefangenenlager in Guatanamo Bay. Der Besucher sieht Einzelheiten von Bildern aus der Serie „Letters to Omar“. Es handelt sich um Schriftstücke, die aus aller Welt an einen Mann während seiner Haft gesendet wurden. Sie dauerte sechs Jahre.  

Edmund Clark erhielt zahlreiche Preise

Die neueste Fotoserie „Negative Publicity. Artefacts of Extraordinary Renditon“ von dem Fotografen und Historiker Clark wird zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Clark gelingt es sehr gut Geschichte, Politik und Repräsentation zu verknüpfen. Er zeigt in Fotografien, Filmen und Dokumenten verborgene Machtsysteme in unserer Umgebung, macht sie sichtbar und greifbar für jedermann. Er gewann zahlreiche Preise, darunter 2011 die „Medal Hood“ der Royal Photographic Society und 2014 den „Grand Award“ der Magnum Foundation. Seine Fotografien werden rund um den Globus in Einzel- oder Grupenausstellungen gezeigt und befinden sich u.a. in den Sammlungen des Imperial War Museum in London.

„The Mountains of Majeed“

Edmund Clark war der erste Künstler, der sich mit dem Thema des Gefangenenlagers von Guantánamo vor Ort beschäftigte. Er berichtet von den sogenannten „Control Order Houses„ im Vereinigten Königreich und dokumentiert etwa den Alltag eines Terrorverdächtigen, der in Arrest gehalten wird, mit rund 500 Einzelfotos. Die Welt eines Militärcamps in Afghanistan fasst er unter dem Titel „The Mountains of Majeed“ zusammen.

„Negative Publicity: Artefacts of Extraordinary Rendition“

Die neuste Arbeit von Edmund Clark mit dem Titel „Negative Publicity: Artefacts of Extraordinary Rendition“ ist  zu sehen. Hier geht es um ein düsteres Kapitel der jüngsten Vergangenheit. Clark untersucht das System der illegalen Entführung von Einzelpersonen, die unter Terrorverdacht stehen. Sie wurden vom amerikanischen Geheimdienst entführt und in geheime illegale Folter Camps gebracht, in sog. „Black Sites“, die sich in Rumänien, Litauen, Syrien Libyen oder Guantánamo befanden und bis Mitte der 2000er Jahre aktiv waren. Zentrale Verteilstation für die erforderlichen Flüge war Frankfurt am Main.

Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Mai 2016 zu sehen im ZEPHYR – Raum für Fotografie, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Museum Bassermannhaus C4,9. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. 


Tags: Fotoausstellung
2 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    "War on Terror"

    14.02.2016, 18:56 von mirror87
    • 0

      Vielen Dank


      14.02.2016, 21:01 von gerdah
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare