supermoritz 24.05.2008, 17:52 Uhr 6 1

Zeitgeist

Die Banken haben den zweiten Weltkrieg angefangen. Und wenn uns Michael Moore nicht rettet, wird Idiocracy bald Wirklichkeit.

Gestern habe ich einen coolen Film gesehen. Bisher dachte ich immer, gut, die Amis sind blöd, aber das ist ja auch irgendwie das Bild, das uns von der Presse vermittelt wird. Dumme Amis bedeuten ja schließlich, dass nicht wir die Dümmsten sind, und das ist ja schon mal was. Zweifel kommen mir immer nur, wenn ich sehe, wie Politik oder auch nur politische Willensbildung in den USA ablaufen. Fahrenheit 9/11 und Bowling for Columbine haben da die Richtung schon vorgezeigt: Scheinkorrelierende Statistiken, aus dem Zusammenhang gerissene Statements, das Lächerlichmachen politischer Gegner, Effekthascherei und vor allem als zentrales, über allem stehendes Mittel zur Überzeugung Angstmacherei. Während Michael Moore da noch ziemlich harmlos vorgegangen ist, und bis auf die scheinbar notwendigen effekthascherischen Moves („haha, los wir fragen einen Kongressabgeordneten, der für den Irakkrieg gestimmt hat, ob er seinen Sohn dort hin schicken würde und filmen wie ihm keine gute Antwort einfällt – und wenn er eine hat zeigen wir wie kalt er ist. Seinen eigenen Sohn! In den Krieg! Und IHR Sohn wird der nächste sein!“) als „seriös“ bezeichnet werden kann, und auch Supersize Me verhältnismäßig harmlos war, habe ich nun die Krone der Schöpfung im Dokumentarfilm-Olymp gesehen: ZEITGEIST.
Zeitgeist heißt der Film, und sein Anliegen ist es, uns den korrupten Zeitgeist der amerikanischen politischen und gesellschaftlichen Eliten deutlich zu machen. Dieses Anliegen ist grandios gescheitert, in Wirklichkeit zeigt Zeitgeist lediglich den oben beschriebenen vorherrschenden Stil der Meinungsbildung. Aber beginnen wir am Anfang, da wo’s wehtut: Zeitgeist ist grob in drei Teile zu zerlegen (diese Einteilung stammt nicht von mir, sondern bereits vom Regisseur): Teil eins entlarvt die Lügen hinter der christlichen Religion, Teil zwei zeigt an ausgewählten Beispielen die Skrupellosigkeit der amerikanischen Eliten, Gewalt, Terror und Kriege zum eigenen Vorteil auszunutzen bzw. zu inszenieren, und der dritte Teil schließlich deckt die Weltverschwörung hinter allem auf.

Teil 1: Jesus, der Sonnengott

Ein Anliegen, das den Zeitgeistmachern offenbare wirklich am Herzen liegt, ist die Entmystisierung des Christentums. Empirisch weisen die Autoren nach, dass es bereits vor Jesus Mythen wie die unbefleckte Empfängnis, den 25.12., Ostern, die Auferstehung und vieles mehr gab. Auch die von Jesus vollbrachten Wunder gab es alle schon vorher, da ist es nur konsequent, dass auch der Verräter Judas keine Erfindung der Bibel ist. Gut, man könnte jetzt einwenden, dass in der Geschichte viel geschrieben und noch mehr erzählt worden ist, und dass es infolgedessen nicht schwer sein dürfte, quasi alles bisher dagewesene mehr oder weniger eindeutig in der Literatur zu finden bzw. hineinzuinterpretieren, aber diesen Gedanken zu fassen lässt Zeitgeist dem Zuseher keine Zeit. Astrologie lautet das Zauberwort: Jesus ist die Sonne („The sun of god“ wird zu „The son of god“), am 25.12. beginnt die Sonne wieder zu steigen, an Ostern besiegt der Tag die Nacht und die Tage sind länger als die Nacht. Die drei Könige sind drei Sterne, die am 25.12. auf einer Linie stehen, und so weiter. Munter mischen die Autoren hier Fiktion und Wirklichkeit, Sagen mit tatsächlichen Ereignissen und die Sprachen untereinander – der amerikanische Zuseher kann den Zusammenhang zwischen „sun“ und „son“ phonetisch noch heraushören, der deutsche tut sich schon schwerer mit „Sonne“ und „Sohn“, und der Italiener langt sich bei diesem Vergleich an den Kopf: „sole“ und „figlio“ haben nun wohl nichts Verwechslungswürdiges mehr gemeinsam. Das ist aber auch nicht wirklich wichtig, wir sollten nur im Hinterkopf behalten, dass das Christentum misstrauisch stimmen sollte.

Teil 2: Die Illuminaten?

Wer einen anständigen Film über Verschwörungstheorien machen will, darf natürlich die Klassiker nicht außer Acht lassen: 9/11, die Ermordung John F. Kennedys, Pearl Harbor. Bei Zeitgeist gefällt mir vor allem der Teil über 9/11: Nach einem ca. einminütigen Trommelfeuer aus Bildern der Flugzeugeinschläge , das auf den Zuseher einprasselt, erscheint ein Text, der die Wahrheit über 9/11 wie „Sie“ sie uns verkaufen darstellt. Schrittweise werden nun einzelne Wörter (Terror, Flugzeug, Bin Laden,…) herausgegriffen, und der Beweis erbracht, dass diese nicht der Wahrheit entsprechen. Interessant ist, dass die Autoren bei ihrer Suche nach dem Betrug, der offensichtlich ist, teilweise die eigenen Beweise in gegensächliche Positionen setzen, so zum Beispiel bei Bin Laden: Auf der einen Seite ist er unschuldig, weil die Regierung hinter 9/11 steckt, auf der anderen Seite hat sich ein Mitglied der Bush-Familie wenige Monate vorher zeitgleich in der gleichen Stadt wie ein Mitglied der Bin Laden Familie aufgehalten. Zufall? Der Vergleich zu Pearl Harbor und Kennedy erfolgt dann recht schnell, der Film nähert sich dem Zentrum des Bösen:

Teil 3: Zentralbanken und andere Schurken.

Das Zentrum des Bösen ist leicht zu finden: Da, wo das große Geld gemacht wird, sitzen die Übeltäter. In den USA haben sich die Schurken ein nahezu geniales System einfallen lassen: Zentralbanken. Die Zentralbanken produzieren das Geld und verleihen es gegen Zinsen an die anderen Banken. So entsteht eine Abhängigkeit von den Zentralbanken, die den Banken zur Zinstilgung weiteres Geld leihen müssen – ein Teufelskreis. Wer nun die Zentralbanken kontrolliert, kontrolliert das Land. Der schwarze Freitag war nur eine Idee, wie die Macht der Banken auszunützen wäre. Die eine Schurkenwaffe wäre also gezeigt (und die Bankiers wie Rockefeller als Schurken identifiziert), die andere ist noch schlimmer: Kriege und bewaffnete Auseinandersetzungen auf dem Erdball werden von den Großbankiers geschürt und am Leben gehalten, in dem beide Parteien unterstützt werden. Irak, Vietnam, ja selbst der erste und der zweite Weltkrieg sind auf die Skrupellosigkeit der International Bankers zurückzuführen. All diese schockierenden Dinge genügen aber noch nicht, der Film enthüllt den wahren, unglaublichen Teufelsplan: Jeder Erdbürger soll einen Chip implantiert bekommen, auf dem all seine Daten und auch seine Finanzen gespeichert sind – die totale Kontrolle und unbesiegbare Macht der Großbankiers und ihrer Freunde steht also praktisch vor unserer Tür. Angesichts dieser Gefahr endet der Film dann auch mit einem leidenschaftlichen Appell: Denkt, lest, liebe Mitbürger, informiert euch. (Aber bitte nicht mit diesem Film! Anm. d. Aut.)

Der Film prangert die Verarschung der Massen durch die Medien an – und verarscht sie selbst. Ist das genial? Oder ein Beweis dafür, dass Amis blöd sind? Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass dieser Text das Gleiche tut? Halbwissen passend interpretiert, an den passenden Stellen den Feind lächerlich gemacht und alles auf der Basis von totaler Unwissenheit. Um ehrlich zu sein könnte ich mehr über den Film nicht erzählen. Ich habe ihn nämlich nur einmal gesehen, und kann mich auch nicht mehr an alles erinnern. Sehen Sie ihn sich an! Und denken Sie, lieber Mitbürger. Lassen Sie sich nicht verarschen von ein paar schönen Bildern oder nett geschrieben Sätzchen. Denken Sie, nur so können Sie den Chip im Arm verhindern!

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6 Antworten

Kommentare

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    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeitgeist_Bewegung
    http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Joseph

    Um deine Basis von Unwissenheit etwas zu nähren - und hey wie wärs mit einem Kant: dem "Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit"

    15.04.2013, 17:06 von Ceci.de.la.Provence
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    Also es ist ja nicht so, dass im Film keine Quellen angegeben wären, die dazu dienen den Stoff tiefer am Schopf zu packen. Zeitgeist ist meiner Meinung mehr als nur eine Doku. Es ist mehr eine Bewegung die nach Klarheit und einem differenzierterem, aufgeklärterem Denken und Handeln strebt.
    Wird am Ende nicht sogar auf mögliche Lösungen hingewiesen?! Vielleicht war das aber auch nur eine der Fortsetzungen.
    Dein Text gefällt mir als eine Zusammenfassung des Films ganz gut. Nur das Ende hat mich ein bisschen Enttäuscht "Denken Sie, nur so können Sie den Chip im Arm verhindern!" - so dramatisch.
    Jaja, vom letzten Teil könnte ich mich geradezu provozieren lassen.

    15.04.2013, 16:48 von Ceci.de.la.Provence
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      "Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass dieser Text das Gleiche tut?"

      15.04.2013, 19:47 von supermoritz
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    ..ach ja:

    http://infokrieg.tv/Dokufilme_Index_030507.html

    29.07.2008, 18:02 von Der-Steppenwolf
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    ...also zeitgeist is schon echt dick gemacht - aber wenn du den input mochtest denke ich wirst du terrorstorm auch mögen.
    ...aber über geschmack lässt sich ja bekanntlich...

    29.07.2008, 17:59 von Der-Steppenwolf
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      @Der-Steppenwolf Bei diesen Filmen geht's doch nicht um "gut gemacht", sondern um die Information darin.
      Weitere Filme, die Dich interessieren dürften, sind "Endgame", "False Flag", "Bilderberger"...

      15.04.2009, 19:04 von pacozaq
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    ...schau auf jedenfall auch "terrorstorm".

    28.07.2008, 20:30 von Der-Steppenwolf
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      @Der-Steppenwolf ist der wohl auch so nett gemacht?

      29.07.2008, 10:38 von supermoritz
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