Pumakus 28.01.2012, 14:53 Uhr 0 0

Wir bekommen einen neuen Privatsender

Die Zukunft der ARD?

Ich hatte mich ja sowieso gefragt, warum der Gottschalk sich das antut, eine Talkshow ausgerechnet in der Todeszone der ARD zu machen. 
Die Todeszone ist der Zeitraum von 18-20 Uhr. Da schaut keine Sau ARD. 
Nicht mal die Einführung von Doppelfolgen der früher beliebten Soaps konnte daran was ändern. Die wenigen jungen Leute, die ARD schauten, sind inzwischen erwachsen. Und die neuen jungen Leute schauen lieber gefakte X-Diaries aus Ibiza oder gefakte Lebensgeschichten aus Berlin. 

Das Problem ist...die Todeszone ist so ziemlich die einzige relevante Zeitspanne, wo die ARD Werbung machen darf. Aber wer wirbt bei denen, wenn niemand zuguckt?
Die ARD ging in die Offensive. Das Personal sollte nun Quote bringen. Gottschalk war der Abschluß, der größte Coup. Der Papst der deutschen Showmaster. 

Was man davon erwarten konnte, wußte ich bereits vorher.
Denn vor Gottschalk wurde schon ein anderer Liebling der Massen bemüht. Kai Pflaume.
Der bekam ein Quiz in der Todeszone. "Drei für Kai".
Ich blieb da mal hängen, beim Zappen. Und da ein Quiz durchaus seinen Reiz hat und ja sonst nichts läuft, schaute ich zu.
Die Sendung geht ungefähr so: Drei Teams. Schnellraterunde, welches Team in der Sendung mitspielen darf. Dann gehts los. Quizfrage. Werbung. Quizfrage. "Wir wissen die Antwort nach nur einem Werbespot." Quizfrage. Werbung.
Sprich...eine Werbesendung, zwischendurch mal unterbrochen von einer Quizfrage.
Erinnerte mich stark an den schlimmsten Sender überhaupt...sport1, ehemals DSF...was ich (als großer Sportfan) seit Jahren nicht mehr schaue, weil es keinen Sport zu sehen gibt, sondern nur Werbesendungen, mit Sport drin. Die blenden ja sogar während eines Live-Spiels Werbung ein!

Nun hat man die erste Woche Gottschalk hinter sich. Ergebnis: eine Werbesendung, die zwischendurch mal unterbrochen wird, indem Gottschalk völlig substanzloses Bla Bla labert. Nun ja, immerhin...da bleibt er sich treu. Von einem Gast erfährt man von Gottschalk eh nie was. Da werden immer nur neue Projekte promotet.

Dieses Konzept hat übrigens durchaus Erfolg in der ARD. In der Todeszone! Und zwar am Samstag. Die Sendung nennt sich "Sportschau".
Erinnern sich noch Fußballfans mit mir? Die gute alte Sportschau. Wo wir mit Opa am Samstagnachmittag vor dem Fernseher saßen und Bundesliga guckten? Das war eine Stunde Sendung, in der nur Fußball gezeigt wurde.
Dann durfte Bundesliga nur noch bei SAT1 gezeigt werden. Die Sendung hieß "RAN". Nach wenigen Jahren flehte man, die Sportschau möge zurück kommen. Weil RAN in 2 Stunden etwa anderthalb Stunden Werbung zeigte. Kurzer Spielbericht...Werbung...kurzer Spielbericht...Werbung...
Was haben wir aufgeatmet, als endlich wieder die Sportschau Bundesliga zeigen durfte. Endlich wieder ARD, statt SAT1.
Hat mal jemand die letzten Jahre Sportschau geguckt?
2 Stunden Sendung...drei ellenlange Werbepausen. Aber die Leute gucken. Weil es keine Alternative gibt. Außer später..."Bundesliga Pur"...bei sport1...genauso viel Werbung...und dann auch noch gestückelt.

Alternativlos...so klappt das vielleicht.
Nein, weil sich das nicht auf "Drei mit Kai" oder "Gottschalk" übertragen lässt.

Und man fragt sich, wie bescheuert die Marketing-Fuzzies bei der ARD eigentlich sind. Der Proteststurm ist groß. Das Zielpublikum guckt nämlich auch gerade deshalb ARD, weil sie eben KEINE Werbung wie im Privatfernsehen haben möchten.
Eure Todeszone wird erhalten bleiben, liebe ARD.

Wie soll dann Geld mit Werbung verdient werden?
Da gibt es nur eine Lösung...Privatisierung! Wenn man das mit Wasserwerken oder der Bahn machen kann, geht das doch auch mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen.
Und dann gibts Werbung rund um die Uhr.
Ganz neue Werbemärkte öffnen sich dort.
Nehmen wir nur den "Musikantenstadl". Ich seh die Werbespots schon vor mir. Schweizer Alphorn-Fabrikanten, Dirndl-Designer aus Bad Tölz, Kaiserschmarrn-Fertiggerichte aus der Steiermark.

Dann wird ein Slogan endgültig zur Wahrheit: "Mit dem Zweiten, da sieht man besser."

 


Tags: medienkritik, ard
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