Und heute: "The Help" (2011)
Nachdem ich jüngst 2 1/2 Stunden gelacht & geweint habe, habe ich mich dazu entschlossen, mich hinzusetzen und ein paar Zeilen darüber zu schreiben.
Nein, keine Sorge – es handelte sich nicht um ein kleines Gefühlswirrwarr. Denn während diesen Stunden saß ich einem kleinem Kino und blickte auf die Leinwand, auf welcher der Spielfilm „The Help“ von Tate Taylor zu sehen war. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt diese Extreme der Gefühle nahezu tänzelnd und in perfektioniertem Wechsel erlebt habe – eigentlich fällt mir auf Anhieb kein Beispiel ein. „The Help“ ist ein Drama, ja, aber es gab auch Momente, viele Momente, in denen das Kino in schallendes Gelächter ausgebrochen ist oder sogar freudig und zustimmend applaudiert hat. Trotz alledem haben wir geweint. Manchmal lachten wir lauthals und in der nächsten Minute versteckten wir Tränen in den Ärmeln unserer Pullover, während das schniefende Geräusch im Hintergrund vorhanden blieb. Aber worum geht es eigentlich in dem heimlichen Oscarfavoriten „The Help“ und lohnt sich ein Kinobesuch?
Als the Help werden die schwarzen Dienstmädchen bezeichnet, die im Haushalt weißer Frauen arbeiten. Der Film – basierend auf den Roman von Kathryn Stockett – spielt in Jackson in den 60ern statt und konzentriert sich dabei vor allem auf drei jener schwarzen Hilfen, die weiße Kinder erziehen und das Haus auf Vordermann bringen: Aibileen (Viola Davis), Minny (Octavia Spencer) und in Rückblicken betrachtet Constantine (Cicely Tyson). Während die weißen Mütter und Arbeitgeberinnen sich ihren Freizeitbeschäftigungen und Klatsch & Tratsch hingeben, putzen, kochen und schuften Frauen wie Aibileen und Minny für miserablen Lohn und ohne die Möglichkeit, das Heranwachsen der eigenen Kinder aktiv mitzuerleben.
Eugenia „Skeeter“ Phelan (Emma Stone) ist eines dieser ehemaligen weißen Kinder, das ebenfalls von einer afroamerikanischen Hilfe – Constantine – erzogen wurde. Durch das innige und liebevolle Verhältnis zu Constantine sieht Skeeter die Welt um sich herum mit anderen Augen, als ihre jungen Freundinnen, die bereits Mütter sind und die anfallende Arbeit auf schwarze Dienstmädchen abwälzen. Die selbstbewusste Skeeter erkennt die Diskriminierung, als sie von ihrem Studium zurück in die Heimatstadt kehrt und will ihr schriftstellerisches Talent dazu nutzen, um etwas zu ändern. Dies will sie mit einem Buch bewirken, das über die Missstände der Hilfen und von deren Erfahrungen berichten soll.
Doch nicht nur, dass dies gesetzlich verboten ist, nein, die Hilfen fürchten um ihre Arbeit und der damit verbundenen Geldquelle, weswegen Skeeter auf taube Ohren stößt und nur eingeschüchterte Frauen antrifft, die sich nicht trauen, ihr Elend und die Wahrheit auszusprechen. Schließlich kann sie Aibileen für sich gewinnen und deren Geschichte zu Papier bringen. Alles scheint gut und dem Gelingen des Buches nichts im Wege zu stehen, bis Skeeter erfährt, dass sie mehr schwarze Dienstmädchen dazu bewegen muss, die Seiten mit ihren Geschichten zu füllen. Nur wie soll sie Menschen zum Reden bringen, die von Diskriminierung, den Arbeitgeberinnen und dem rassistischen Denken des Landes unterdrückt werden?
Zumal sich Skeeters ehemalige gute Freundin Hilly (Bryce Dallas Howard) relativ schnell als einer dieser Tyrannen herausstellt und ihr Dienstmädchen Minny in jeder Art und Weise erniedrigt; Hilly setzt sich für die strikte Rassentrennung ein und zeigt keinerlei Empathie gegenüber ihren schwarzen Mitbürgern. Ein weiterer Gefahrenrisiko für die Entstehung von Skeeters Buch! Immerhin will sie keines der Dienstmädchen in Gefahr oder um ihren Job bringen – doch Hilly scheint vor nichts zurückzuschrecken.
Wenn ich an „The Help“ denke, denke ich an ein Wort: perfekt. Jede einzelne Rolle ist perfekt und überzeugend besetzt worden. Vom stimmigen und sehr schönen Soundtrack von Thomas Newman trennt man sich auch nach dem Kinobesuch nur ungern und auch die restliche Inszenierung weist keinerlei Makel auf. Kameraführung, Synchronisation, Einstellungen, alles – top! Ich wüsste nichts, woran ich meckern könnte. In einer anderen Kritik las ich, dass der Film wirklich gut, aber doch auch „sehr langweilig“ wäre. Ich persönlich kann diese Meinung nicht teilen – ich kann mich nicht erinnern, auch nur eine Sekunde mit einem angedeuteten Gähnen im Kinosaal gesessen und dem Ende entgegengefiebert zu haben. Nein, im Gegenteil: Das heikle Thema der Rassentrennung in den 60ern wurde durch die Sicht der Dienstmädchen interessant und auch schockierend dargeboten. Denn es geht nicht nur um den Haushalt und die Kindererziehung – „The Help“ verwebt auch politische Nachrichten der damaligen Zeit ein, was alles noch fassbarer, noch realistischer und dadurch schmerzhafter erscheinen lässt.
Ich habe in „The Help“ wirklich 2 1/2 Stunden gelacht und geweint. Ich habe Charaktere lieb gewonnen und manchmal brach mir bei deren Schicksal oder Vergangenheit das Herz. Manchmal wollte ich aufstehen und „Ha!“ schreien oder für die rare Zivilcourage applaudieren. Auch bei den restlichen Zuschauern kam der Film sehr gut an: das Kino hat gelacht, geschnieft, geklatscht (bei der Sache mit Minnys Kuchen, aber ich will ja nicht groß spoilern!) und blieb den ganzen Abspann über ruhig und mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck sitzen. Erst als die Leinwand dunkel wurde, rissen wir uns von Jackson in den 60ern, von Skeeter, Aibi und Minny los und kehrten zurück in die Gegenwart.
„The Help“ hat mich ganz und gar verzaubert. Am liebsten möchte ich herumlaufen und „All the Awards!“ brüllen. Nein, ernsthaft: dieser Film ist mein Oscar-Favorit und ich werde für jede Nominierung die Daumen drücken und mitfiebern. Verdient hätte es ein jeder – egal, ob es Script, Nebendarstellerin oder Hauptdarstellerin betrifft. All the Awards!
Ich kann den Film, der seit dem 08. Dezember in den deutschen Kinos läuft, wärmstens empfehlen. Ein Kinobesuch lohnt sich! Und man sollte sich auch auf das ein oder andere Tränchen einstellen. „Wer bei ,The Help‘ nicht auch nur ein einziges Mal weint, hat eindeutig keine Seele!“, las ich irgendwo im Internet – und ein bisschen stimmt das. Denn „The Help“ ist ein sehr berührender Film, der dazu einlädt, zu lachen und gleichzeitig zu weinen. Der unterhält, lehrt und einen beschäftigt.
10 von 10 frittierten Hühnchen und liebe Grüße an Minny!
Tags: The Help, Rezension, Fazit, Dienstmädchen, Diskriminierung, Emma Stone, Oscars



Kommentare
100 Mal "JAA!" zu The Help! Intensiv in jeder Hinsicht, nach dem Kinobesuch ist man so außer Atem vor lauter Lachen, Heulen und dem schnellen Wechsel zwischen beidem. Unglaublich gut! :)
09.02.2012, 18:56 von feechen_Beware of the Schokokuchen ;)
31.01.2012, 12:35 von independentdreamer