latentverkorkst 30.01.2012, 23:06 Uhr 5 0

„Sex on the Beach“ (2011) von Ben Palmer: Mut zur Häßlichkeit

Sneak Preview Cineplex Passau, 23.01.2012: Sex hat hier zwar kaum einer, aber dafür wird bei „Sex on the Beach“ mal so richtig auf die...

Exkremente gehauen! Und das sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

Ben Palmer hat 13 Jahre nach dem Erfolg von „American Pie“ die Collegekomödie neu aufgerollt und ein ziemlich britisches und nicht unwesentlich widerlicheres Pendant geschaffen.

Die Fäkalien sind sichtbarer, der Sex um einiges schlechter und die Protagonisten häßlicher. Anspruchsvoll ist das zwar nicht, aber man müsste schon sehr naiv sein, um überhaupt Ansprüche an dieses Genre zu erheben. Collegekomödien bestechen nun einmal durch ihre flachen, geschmacklosen Gags. Besser noch: Sie leben davon, da das vermutlich der einzige Grund ist, warum sie existieren; was vermutlich keine besonders dreiste Behauptung ist.

Die vier nerdigen Freunde Will (Simon Bird), Jay (James Buckley), Neil (Blake Harrison) und Simon (Joe Thomas) wollen ihren bestandenen Schulabschluss gebührend feiern. Also ab in den Flieger gen Süden und mal dreckig die Sau rauslassen! Dass dieses Unterfangen natürlich nicht ohne Komplikationen von statten geht, ist keine Überraschung – die überraschende Ehrlichkeit des Films allerdings schon. Hier wird ganz und garnicht gespart an Flachgeistigkeit; per se unnötigen Nahaufnahmen von diversen -sagen wir- Würsten; und vor allem Handlungen, die NICHT der allgemeinen Filmlogik unterworfen sind. Die Protagonisten lernen einfach mal konsequent bis zum Ende nicht aus ihren Fehlern, und handeln grundsätzlich falsch. Hier wird zwar sicher keiner mit einer wertvollen, lebensverändernden Erkenntnis aus dem Kinosaal schreiten und ein erfüllteres Leben führen; aber es ist tatsächlich furchtbar erfrischend, mal einen nicht bis zum Erbrechen durchgestylten Plot vorzufinden, der der Realität wahrscheinlich gerade dadurch nahe kommt, dass logische Konsequenzen ausbleiben. Denn sind wir doch mal ehrlich, im Grunde ist nichts unlogischer als das Leben selbst.

Da ist das allgegenwärtige Problem der Jungs nun mal, wie sie denn zur Krönung ihres Urlaubs am besten auf das hyperwichtige Partyboot gelangen. Da will man halt einfach auf Biegen und Brechen seine strohdumme, nicht besonders freundliche Ex zurück, weil sie irgendwie ganz heiß ist, auch wenn man sich selbst dafür verbiegt. Da kackt man eben mal kurzerhand ins Bidet und darf sich überlegen wie man die Suppe wieder auslöffelt. Oder man eskaliert einfach mal übel und pennt in einem Ameisenhaufen ein, um seiner umwerfenden Unattraktivität noch den letzten Schliff zu geben.

Mit „Sex on the Beach“ hat Palmer das Rad wahrlich nicht neu erfunden, allerdings auf brilliante, authentische und achselzuckende Weise ein verstaubtes Genre neu aufpoliert. Genial ist auch, wie der Film sich und ebendies Genre direkt von Beginn an selbst auf die Schippe nimmt, ohne einem diese Sachlage mit dem Zaunpfahl direkt ins Gesicht zu hauen. Das hat den Effekt, dass der Film erstaunlich symphatisch und bescheiden ankommt. Palmer gebührt außerdem ein großer Batzen Respekt dafür, dass er Mut zur Häßlichkeit beweist und damit dem Retortenhollywood ordentlich eins auswischt, da nahezu alle Darsteller erstaunlich „normal“ aussehen.

Was den deutschen Zuschauern vermutlich fehlen wird, ist der Bezug zur britischen Sitcom „The Inbetweeners“ die seit 2008 große Erfolge feiert, denn der Film basiert auf ihr. Die Frage nach der Daseinsberechtigung des Werks stellt sich leider zu schnell, wenn die Hintergründe nicht bekannt sind.


Tags: Filme
5 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Hat wohl etwas vom Expressionismus:
    Ästhetik des Hässlichen.

    Nette Filmkritik, auch wenn ich mir den Film aller Voraussicht nach nicht ansehen werde. ;)

    19.02.2012, 17:37 von MiguelStinson
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  • 1

    Fekalien? Fekalio! Fekaler Feler. Fail.

    30.01.2012, 23:39 von EliasRafael
    • 0

      na wenn das das einzige ist, was dich stört ;) merci für den hinweis ;)

      30.01.2012, 23:43 von latentverkorkst
    • 0

      der ganze Film würde mich vermutlich stören...

      30.01.2012, 23:45 von EliasRafael
    • 0

      war auch bei mir keine absicht, muss man halt das beste draus machen ;)

      30.01.2012, 23:47 von latentverkorkst
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