„Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“
Der Robinson Crusoe der deutschen TV-Landschaft ist auf die Bildfläche zurückgekehrt. Seinen Freitag hat er mitgebracht.
Freunde, es lohnt wieder, GEZ zu zahlen! Nach seiner Kreativen Pause wendet sich Harald Schmidt vom „Unterschichtenfernsehen“ ab und kehrt ab dem 19. Januar 2005 wieder in unsere Stuben ein – auf seinem alten Haussender, der öffentlich-rechtlichen ARD.
Einen Tag vor Heiligabend, auf den Tag genau nach seinem einjährigen TV-Sabbat, meldete sich der 47-jährige Moderator zurück und gab in einer 45-minütigen vorweihnachtlichen Sonderausgabe erste Einblicke in sein künftiges Wirken.
Getreu dem Biermann-Zitat „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“ präsentierte sich der TV-Wieder-Einsteiger Schmidt als Aussteiger mit Vollbart und schulterlangem offenen Haupthaar und gab eine skurrile Mischung aus Erlöser und ergrautem Helge Schneider, verbunden mit der Pfeife und dem professoralen Habitus eines Soziologie-Dozenten.
Schmidt wirkt älter, aber keinesfalls leiser. Von Anfang ist er scharf und bissig, wie gewohnt, könnte man sagen. Und von Anfang hat er sein Publikum fest im Griff, beinahe routiniert, so könnte man hinzufügen.
Ansonsten aber blieb es sehr im Hintergrund, diente vor allem als akustische Pointenkontrolle, das persönliche Gespräch mit dem Saalpublikum fehlte ganz. Auch die Studio-Band mit vielen altbekannten Gesichtern blieb eher unauffällig und blaß. Ein weitere Neuerung ist der Wegfall der Gäste, auf die, wenn man Schmidts zahlreichen Kommentaren in der alten HSS Glauben schenken möchte, er schon manches Mal in der Vergangenheit gern verzichtet hätte.
Keine Frage, Schmidt ist, mehr noch als früher, Dreh- und Angelpunkt seines gleichnamigen neuen Formats. Und so bleibt von der engeren Schmidt-Familie nur noch sein „Chefdramaturg“ Manuel Andrack, der ihm weiter zur Seite sitzt. Der Robinson der deutschen TV-Landschaft ist wieder aufgetaucht. Und seinen Freitag hat er mitgebracht.
Nach einem kurzen Stand Up-Teil setzt Schmidt sich an den Schreibtisch seines etwas modernisierten Studios, und dort bleibt er bis ans Ende der Sendung sitzen. Wer mehr Action erwartet hat, wird enttäuscht.
Schmidt macht nicht viel mehr als Reden. Viel mehr muß er auch nicht machen. Vermutlich würde noch weniger reichen. Schmidt war und ist ein Phänomen.
Und ab dem 19. Januar ist er wieder regelmäßig mit uns, mittwochs und donnerstags um 23:00 in der ARD – für alle, die GEZ gezahlt haben!
Ob auch Wolf Biermann einschaltet, ist nicht bekannt.





Kommentare
Harald Schmidt, ach Leute, kommt. Sich über Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, zu amüsieren und sich somit über diese erheben, Wahnsinnsleistung. Und dabei seinen Zuschauern dieses Gefühl so gut vermitteln, dass deren Selbstwertgefühl gleich ein bisschen mitwächst.
07.05.2006, 22:23 von spielplatztesterinich liebe harald schmidt, seit er, noch bei sat1 nen kinderspielplatz mit allen zugehöhrigen müttern und kindern gespielt hat. gesehen? genial!
02.05.2006, 18:10 von lejlaIchmuss sagen, dass ich am gestrigen Abend eine geniale Harald Schmidt-Sendung gesehen habe! Sie gefiel mir um längen besser, als die Einführungssendung! Und ich freue mich schon auf die Sendung von heute, besonders auf Adam Green! Und natürlich auf 30 Minuten Harald Schmidt!!!
20.01.2005, 12:55 von LebkuchenMann@LebkuchenMann Adam Green kommt? Wenn das niemand für mich aufnimmt, dann.... [insert threat here]!
20.01.2005, 15:32 von veit@[Benutzer gelöscht] Wer auch immer die sendung aufnehmen sollte, ic möchte bitte auch ne kopie haben;)auch wenn ichs mir angucke!;)
20.01.2005, 22:00 von LebkuchenMannBei der nächsten Sendung ist der Bart sicher ab.
03.01.2005, 20:28 von HorgeEs fehlt die bei Harald Schmidt so wichtige Mimik.
Ganz einfach.
@Horge Kann es sein, dass er sich den Bart für den Film den er gerade gedreht hat, hat wachsen lassen?
03.01.2005, 20:38 von Jalta@Jalta Den Titel deines Textes gibt es übrigens auch als Buchtitel, hab ich heute zufällig gesehen.
04.01.2005, 18:18 von Pashmina@Pashmina Also, erstmal Respekt vor deinem Artikel, der ist nett geschrieben und ich will dir auch deine Begeisterung nicht kaputt machen. Meine Meinung ist aber, dass die 5000€(!), die Harald Schmidt sowas von überzogen sind. So toll kann einfach niemand sein. Gerade in den Zeiten, wo so viele an Geldnot leiden, ist das einfach kacke, soviel Kohle einzuschieben. Aus dem Grund werde ich, als ehemaliger Schmidt-Anhänger, die Show kein einziges Mal schauen.
18.01.2005, 15:57 von Dubliner@Dubliner Bei wer wird Millionär wird viel mehr Geld pro Sendung rausgejubelt. Was bekommen eigentlich Jauch und Gottschalk für Gagen?
18.01.2005, 17:45 von ulf@ulf Also, Harald Schmidt kriegt die 5000€ in der Minute. Das kriegen Jauch und Gottschalk sicher nicht.
18.01.2005, 21:12 von Dubliner@Dubliner Ach, da wäre ich mir nicht so sicher.
18.01.2005, 23:47 von veit"Wer wird Millionär" ist allerdings definitiv was anderes - die finanzieren sich ganz gut durch gute Prime-Time-Einschaltquoten und damit zusammenhängende Werbeeinnahmen.
Allerdings @ Dubliner, bezweifle ich sehr, dass Dein HS-Boykott irgendeinen Zweck hat - außer, dass er pro Zuschauer noch mehr kostet und Du lustige Sendungen verpasst. :-)
@veit Ganz meiner Meinung! Ach ich freu mich ja schon so auf morgen! endlich mal wieder 2 tage, die die woche lebenswert machen! auf ein paar gute jahre! jetzt wo das deutsche musikfernsehen sich grad selber kaputt macht bzw. das schon getan hat, bin ich ganz froh jetzt wenigstens wieder harald auf der bildfläche zu sehen, wenn er auch charlotte keinesfalls ersetzen kann! NIEDER MIT Catherine Mühlemann!!!
19.01.2005, 00:53 von LebkuchenMann@LebkuchenMann Ja, das muss wohl jeder selber wissen und nach seiner Überzeugung handeln, ne.
19.01.2005, 14:00 von DublinerLeider, leider fand ich ihn gar nicht gut, den guten alten harald. War eigentlich immer ein großer Harald Schmidt Fan, aber die Sendung vor Weihnachten fand ich enttäuschend. Hin und wieder hab' ich mal müde gelächelt, ansonsten eher vor mich hingedämmert. Wo ist er hin, der phantastische, kritische Dirty Harry?
03.01.2005, 13:44 von Europagirl@Europagirl Mir fehlen die Gäste einfach. 30 Minuten (ohne Werbung zu berechnen) Stand up ohne den Knaben am Schreibtisch und dann 2 gute Gäste war für mich immer am schönsten bei Schmidt. Mein liebstes Interview hat er mal kurz vor Olympia in der Sendung mit Stefan Kretschmar geführt. Das war echt lustig.
03.01.2005, 20:06 von JaltaDie Show bei ARD ging, war aber auch schon mal lustiger der Gute!
Hallo Andreas! Hab grad deinen Artikel gelesen und find ihn sehr gut! (noch besser als die anderen, auch guten Texte) Mach weiter so! Ich drück die Daumen für deine eigene Kolumne im Stern, Neon, Spiegel, Focus...oder wo auch immer! ;) Frohes Neues! Dein Denver
03.01.2005, 00:16 von denverDer Late-Night-Messias Dirty Harry is back - und natürlich liegen die Schmidt-Jünger ihm zu Füssen...vor allem im Kontext seines neuen looks wirkt dieses Bild vielleicht noch einprägender: Schmidt ist im neuen, literarisch-wildem Style auferstanden, deutet uns eine neue Richtung - doch trotz aller Beifall: Findet ihr nicht, dass die Show eine sehr abgespeckte Variante des Vorgänger-Formates ist? Bei allem nötigen Respekt vor Harald Schmidt - seine performance war zu routiniert, als ein Produkt seiner Kreativen Pause (in der neuen Schreibweise ;-) hätte ich etwas anderes erwartet...vielleicht liegt meine Enttäuschung auch darin begründet, dass ich nach einem Jahr Abstinenz qualitativer Comedy bzw. Late-Night im deutschen Fernsehen gewisse Erwartungen in die Sendung gelegt habe...Wer weiss, vielleicht hat ihn noch der Jet-Lag seiner Weltreise ein wenig übermüdet ;-)
29.12.2004, 15:46 von Bulante@Bulante ich bin einfach nur froh das er wieder da ist. mir hat das format vorher gar nicht so schlecht gefallen, also warum nicht da weitermachen wo er aufgehört hat? interessant ist eigentlich, dass es letztes jahr doch diskussionen gab, ob sich schmidt nicht mit dem neuen eigner oder so von sat1 verstanden hat.. ein jahr pause, dann bei nem anderen sender, das ist doch n guter kompromiss, wenns denn so gewesen ist. aber egal ob hü oder hott oder doch kreativpause: harald schmidt hat gefehlt im deutschen fernsehen, bin froh das er, mit andrack, wieder da ist. hätte gerne helmut zerlett und suzanna im team gesehen, die vier waren genial zusammen. aber das wäre wieder zuviel des alten gewesen..
31.12.2004, 00:01 von AlexB1985@[Benutzer gelöscht] ich schließe mich der meinung vieler meiner vorschreiber an, er hat einfach gefehlt! ich habe die letzten zwei monate vor der sendung die tage abgestrichen bis zum 23.12.2004! Und die bange Frage, ob Chefdramaturg Andrack auch dabei sein würde hat sich zu meiner höchsten Zufriedenheit beantwortet! Ich denke man muss diesem neuen neuen alten Harald Schmidt in dieser alten neuen Sendung einfach Zeit geben sich zu entwickeln, Zeit neue Ideen zu finden und vielleicht alte wieder aufzugreifen!
01.01.2005, 20:00 von LebkuchenMannIch jedenfalls bin einfach froh, wieder zwei Abende in der Woche zu haben, auf die ich mich freuen kann, wo ich mich einfach hinknalle und das "Musikantenstadl der Parallelgeschellschaft" einschalte! Und das auf ARD, wo ich doch nur noch 3 Programme habe... ;)
1. Die ARD erhofft sich von Schmidt keine Quote bzw. verlangt keine, er hat erst mal richtig freie Hand.
29.12.2004, 11:09 von veit2. Für die Intellektuellen und nicht für die Masse? Na ja, wohl eher für die Masse der Intellektuellen, er ist ja nicht wirklich Randphänomen oder Geheimtipp.
3. Den Artikel fand ich inhaltlich sehr treffend, stilistisch in Ordnung.
4. Ich zahle kein GEZ, darf ich Schmidt jetzt nicht anschauen?
5. "Kreative Pause" als großgeschriebenes Eigenwort finde ich gut.
6. Mit Feuerstein würde da 'ne ganz andere Show draus werden. Könnte man beispielsweise "Schmidteinander" nennen oder so.
Schön fände ich es übrigens schon, wenn die erwähnte Schmidt-Familie wieder etwas wüchse...
@[Benutzer gelöscht] Ich könnte mir vorstellen, dass dir ein wenig "Action" gefehlt hat. Die Sendung war ja ein einziges Stillleben am Schreibtisch.
26.12.2004, 21:02 von bartenderIch bin daher gespannt ob wir uns in Zukunft mal wieder auf einen nachgestellten Familienbesuch im Freibad oder eine Schmidtsche Version des Tatorts freuen dürfen.