AnnieKa 27.03.2009, 20:02 Uhr 0 0

Märzmelodie

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Märzmelodie

Ist ein Film über Liebe immer auch ein Liebesfilm? Oder ist ein Liebesfilm heutzutage referenzlos und muss schon mit mehr aufarten, um von deutschen Publikum als sehenswert erachtet zu werden?

Wenn es nach dem Festival des Deutschen Films und dem Vancouver sowie Shanghai International Filmfestival geht, dann muss er das. Verliebt kucken und eine schöne Kameraführung reichen nicht mehr aus; wir wollen Inhalte sehen. Mit einer guten Portion Humor und einer mindestens genauso großen an Intelligenz gepaarte Inhalte. Wir wollen mit den Protagonisten lieben, lachen, weinen und, wenn vonnöten, auch trauern.

All das wird mit deutschen Musikkomödie ''Märzmelodie'' aus dem Jahr 2007 möglich gemacht. Durch den Film führt der wunderbare Martin Walz, der schon mit diversen Kurzfilmen Tränen in die Augen zu führen wusste, und auch am Drehbuch dieses Streifens mitwirkte. Die Hauptcharaktere Anna und Thilo werden von Jan Henrik Stahlberg und Alexandra Neldel verkörpert, außerdem sind weitere deutschen Vorzeigeschauspieler wie Jana Pallaske oder Gedeon Burkhard zu finden, was dem Film seinen Nischencharakter, aber keinesfalls den Charme, nimmt. Erklärenderweise lässt sich sagen, dass von diesem aber auch mehr als reichlich vorhanden ist.

So lässt sich der Stern zu Lobeshymnen à la ''Französisches Flair im Feelgoodmovie'' und die Madame zum Prädikat ''Wunderbarer Film'' hinreißen. Und sie hat Recht, denn ''Märzmelodie'' ist wirklich fantastisch und der erste seiner Art. Ein Film, der durch die eingespielten Playbacks, welche lippensynchron zu der gerade redenden Person laufen, Lied und Szene verbinden, ja, fast verschmelzen lässt. Ton- und Bildebene werden zu einem Gesamteindruck gesponnen, der sich wunderbar ins Leben eines jeden adaptieren lässt, denn wir alle verbinden Melodien mit Momenten, Momente mit Melodien.

Beim ersten Urlaub ohne Eltern haben wir Cat Stevens gehört, beim ersten Liebeskummer Elton John und jedes Mal, wenn wieder ''Oh very young'' aus dem Autoradio tönt, denken wir an Dänemark im Sommer 1974.

Thilo sagt es in Situationen, die sich kaum mit Worten erklären lassen dann mit ''Halt Dich an Deiner Liebe fest'' von Ton Steine Scherben und Anna mit ''Seit der Himmel'' der Berliner Band Element of Crime. So entdeckt der aufmerksame Zuschauer musikalische Perlen wie Dota & die Stadtpiraten, Rio Reiser oder Annett Louisan ganz nebenbei, während der nervlich labilen Grundschullehrerin Anna, dem erfolglosen Schauspieler Thilo, seinem Kollegen Florian, dessen Geliebten, die gleichzeitg Thilos Exfreundin ist und dem Paar Valerie und Moritz vom Leben selbst die schönsten Streiche gespielt werden.

Verständlicherweise kann dieses Konzept nicht jeden begeistern, aber bei hoffnungslosen Romantikern genau wie Musikkennern und -liebhabern trifft die Symbiose aus Romantikkomödie und moderner Oper mitten ins Herz.

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