lisa 12.12.2003, 20:13 Uhr 0 0

Lilja 4-ever. Das Böse im Menschen

Sie rennt nicht, sie taumelt. Rammstein brüllt, viel zu laut. Rauch am Firmament.

Lilja läuft und weiß nicht wohin, der Zuschauer weiß es auch nicht. Es gibt kein wohin, keinen Ort für Lilja.
Viel früher, in dem Moment, in dem Lilja erklärt, dass sie nicht tot sein möchte, auf keinen Fall, wird man sich ihrer Ausweglosigkeit das erste Mal richtig bewusst. Sie ist gefangen in einer Welt, in der man eigentlich nicht leben kann, nicht einmal überleben. Aber es ist die einzige Welt, die Lilja hat. Ein Dilemma, aus dem es keinen Ausweg gibt, doch einen, einen Weg, den Lilja auch geht, später, viel später. Drei Monate. Drei Monate sind lange genug, um so viel Bösem zu begegnen, dass man entgültig zerbricht. Und darum scheint es auch zu gehen, um das Böse. Die Menschen, denen Lilja begegnet, müssen sehr böse sein, die Mutter, die sie einfach zurücklässt, die Tante, die sie aus der Wohnung wirft, die Freundin, die sie verrät, die Männer.
Es sind nicht die Menschen von Grund auf böse, es sind die Umstände, die sie so machen. An diesen Satz möchte man nach dem Film nicht mehr recht glauben. An Engel auch nicht. Sie helfen nicht, und wenn man selbst erst einer ist, so scheint man doch der tristen Plattenbaulandschaft nicht zu entkommen.

"Lilja 4-ever" hat seine Längen und wirkt manchmal etwas plump und holprig. Aber der Film hat auch seine großartigen Momente. Zum Beispiel, wenn Lilja das entsetzliche Verhalten der Mutter durch ihr eigenes plötzlich erklärt.
Und ohne die Längen wäre dieser Film der Hoffnungslosigkeit auch nur schwer zu ertragen.

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