Keine Filme über Lieder
Ich sehe Jürgen Vogel, ich sehe Heike Makatsch und ich sehe keinen Film.
Eigentlich sollte ich keine Filmkritik schreiben, ich habe keine Ahnung von Filmen. 'Keine Ahnung, aber eine Meinung' schallt es da aus den Untiefen des NEON-Kosmos und ich denk mir: stimmt, und reihe mich für einen Moment mal ein in diese unreflektierte Gemeinde, schließlich bin ich ja auch 'mündiger Zuschauer' mit Bramarbasier-Recht und so weiter und so fort…
Zurück zum Thema. Nach dem Film habe ich mich eigentlich nur eins gefragt: 'Warum bin ich nicht zuhause geblieben und hab mir lieber noch mal den Soundtrack angehört?'. Die Mainstream- und daneben-Medien lobten diesen Film seit Wochen. Jürgen Vogel tingelte durch die Talkshows, Marcus Wiebusch und Thees Ullmann durch die Radios (und andersrum), und bald pfiffen es schon die Spatzen von den Dächern: super experimentell, Wackelkamera like no tomorrow, tolle Musik, Jürgen Vogel hörte sich 26 Cds an und was nicht noch alles. Das Schlimme ist: mit all diesem Rezeptionskrampf, dem man kaum entgehen kann (und der einen letztlich dazu bringt, ins Kino zu gehen? Chor der Indiegemeinde: Ich hätte mir den Film auch so angesehen!) hat der Film keine Chance.
Als Musikfilm schon mal nicht: Wenn ich dauernd daran denken muss, dass Jürgen Vogel, mal abgesehen davon, dass er wirklich nur bescheiden singt, erst Westernhagen-style vorm Mikro rumgehoppelt ist, weil er dachte, Rockstars machen das eben so, dann nehme ich ihm eben jenen nicht mehr ab, er bleibt der Schauspieler der halt mal 'nen Musikfilm machen wollte. Die teilweise sehr guten Songs, die singt er eben auch nicht mit einer solchen Inbrunst, dass man denken könnte: ‚Mann, da legt jetzt aber mal einer seine Seele aufs Parkett, oder meint es zumindest ernst’.
Auch als Beziehungsdrama taugt der Film wenig: Heike Makatsch und Florian Lukas improvisieren sich zwar fleißig durch ihre finale Krise, aber man hat selten das Gefühl, dass es hier mal um was Wichtiges geht, zumal letzterer ja eh kaum etwas anderes macht als schlecht gelaunt dreinzublicken und dazu vielsagend zu schweigen. Gäähn. Einzig die Nebenrollen sind so etwas wie glaubhaft: die engagierten Musiker verhalten sich so herrlich stoffelig (und im Hintergrund), dass man ihnen sofort abnimmt, keinen Bock darauf zu haben, 20 Stunden am Tag von Kameras begleitet zu sein. Das ist ein bisschen ärgerlich, denn die Songs zum Film erzählen viel mehr als der Film selber, und man fragt sich was aus dieser Allstar-Kollabo aus Tomcar & Marie hätte werden können, wäre da nicht noch der Jürgen-Vogel-Film-Rattenschwanz dran gewesen. Sicherlich mehr als ein mittelgutes Album und ein nichts sagender Film.


Kommentare
Ich muss sagen, ich mag den Film sehr.
07.03.2010, 18:06 von MissRevolverZur Kamera: Klar ist sie verwackelt, die Story ist ja schließlich die, dass Florian Lukas 'ne Doku über diese Band machen wollte, und naja, ich persönlich hätte schon sehr mit der Stirn runzeln müssen, wenn die dann aalglatt filmen.
Dazu... Nunja, die Story an sich ist so wie sie ist, klar sagen einige, dass das langeilig ist, aber ich finde, es ist doch wirklich etwas, das Jedem von uns passieren kann, oder nicht? Allein deswegen finde ich es interessant zu sehen, weil es einfach das tägliche Leben widerspiegelt.
Und es geht schlussendlich bei Bands nicht immer darum, dass die Stimme des Sängers Top ist. Farin Urlaub hat auch keine Traumstimme, gute Musik machen die Ärzte trotzdem.
ganz und gar nicht meine meinung. einer meiner lieblingsfilme. habe die handlung, meiner meinung nach, wohl etwas mehr verstanden, da ich elle´s tagebuch vorher gelesen habe. und wenn das für dich ne langweilige beziehungsgeschichte war- frag ich mich, warst du schon mal in einer langen, festen beziehung? ich habe mich oft wiedererkannt.
19.04.2006, 22:32 von Josephinschöner text, wirklich...
04.12.2005, 00:20 von kasimiraich habe den film gestern gesehn und fand ihn echt sehr nett. Liebe aber sowieso deutsche Filem. wegen der ruhigen atmosphäre. Sehe Hm auch sehr gerne. Die Musik höre ich auch sehr gerne und ich mag trurige Filme. und dieser ist von der ersten Szene an abfallend traurig.
29.11.2005, 22:51 von elverdugnur, dass JV so wenig singen kann hat mich erhlich enttäuscht.
auch das buch ist sehr emphelenswert, noch viel mehr als der Film. Mehr Hintergrund und ein wirkliches Eintauchen in die rolle der Ellen.
Der Film als Film für sich ist belanglos.
21.11.2005, 13:24 von sailorInteressant wird das ganze nur, wenn man die Geschichte im Hintergrund verfolgt und etwas für medienübergreifende Projekte über hat. Ich finds gut, was aber daran liegt, das ich JV HM und vorallem Florian Lukas gerne sehe und Tomte/Kettcar gerne höre...
Das Buch von Heike Makatsch würde ich auch noch lesen... vielleicht.
Singen kann Jürgen Vogel nicht. Da hatte ich etwas anderes erwartet...
@ Gloria:
21.11.2005, 12:24 von sendeschlusstatsächlich wurde der film in koproduktion mit dem zdf ('das kleine fernsehspiel') produziert und wird dort auch irgendwann gezeigt.