Hannah_Pilarczyk 10.09.2009, 12:26 Uhr 0 0

»Jeder sieht aus wie ich!«

Regisseur und Produzent JUDD APATOW ist Hollywoods »King of Comedy«. Nun knüpft er sich die eigene Branche vor.

Herr Apatow, können Sie uns einen Peniswitz erzählen?

Jetzt? Ich wünschte, ich könnte. Aber die sind alle in meinen Filmen.

Tatsächlich sind Ihre Filme - von »Beim ersten Mal« bis »Superbad« - voll von Peniswitzen.

Darüber reden Comedians tatsächlich. Die sind so unempfindlich geworden, weil sie ständig Witze übereinander machen. Wenn die noch über etwas lachen, dann muss es schon eklig sein und Grenzen überschreiten. Was man in meinen Filmen sieht, ist aber nur ein Bruchteil davon - in echt sind Comedians zehnmal schlimmer.

Mit Ihrem neuen Film »Wie das Leben so spielt« verfolgen Sie ein ernstes Anliegen: ein ungeschöntes Bild vom Comedygeschäft zu zeigen.

Ja, ich fand, dass dieses Geschäft noch nicht gut porträtiert worden ist. Es ist wirklich schwer zu vermitteln, woraus der Beruf des Comedians besteht. Nur wenige Leute haben den Einblick, den ich habe. Viele Leute habenDrehbücher geschrieben, in denen zwei Comedians einen Roadtrip machen und dann wilde Sachen passieren. Mein Ausgangspunkt war ein anderer: Ich hatte viele Bücher über Manager gelesen und darüber, was passiert, wenn sie krank werden. Wenn die wieder gesund werden, ist ihnen der Beruf noch wichtiger als vorher! Das ist doch so seltsam. Man denkt doch, dass sich nach einer Krankheit die Prioritäten verschieben.

Sprechen Sie aus eigener Erfahrung?

Ja, um mich herum sind unglücklicherweise schon viele Menschen krank geworden, und ich konnte beobachten, wie sie ihr Leben überdacht haben und was für sie noch wichtig war, als sie wieder gesund wurden. Ich dachte, das sollte man aus der Perspektive eines Comedians erzählen, denn dann würde es richtig lustig werden. Seine Witze wären seine Art, die Krankheit zu leugnen - und man müsste nicht den ganzen Film über Krankheit reden.

Mit achtzehn sind Sie nach Los Angeles gezogen, um Film zu studieren. Seit dieser Zeit arbeiten Sie auch im Comedybusiness. Was gefällt Ihnen am besten daran?

Ich hänge gern mit Comedians ab und quatsche über Ideen. Das Beste ist, wenn wir uns in der frühen Entwicklungsphase eines Projekts befinden und kein Druck herrscht und wir einfach nur rumdaddeln können. Dann diskutieren wir Sachen wie »Was könnte George Simmons (die Hauptfigur von ?Wie das Leben ??, gespielt von Adam Sandler) denn so machen?«. Und dann hat jemand die Idee: »Vielleicht lässt er seinen Assistenten ihn in den Schlaf reden.«

Die Idee hat es in den Film geschafft.

Als ich Mitte zwanzig war, habe ich mit Adam Sandler zusammengewohnt. Damals hat er mich immer gebeten, ihn in den Schlaf zu reden. Er fragte mich zum Beispiel »Wie warst du als Kind, so mit zwölf Jahren?« Ich dachte: Wow, der interessiert sich wirklich für mich! Aber wenn ich anfing zu erzählen, war er längst eingeschlafen. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich seine Schlaftablette bin - er wollte bloß nicht mit seinen eigenen Gedanken allein sein!

Im Film wirkt das Comedybusiness wie ein Haifischbecken.

Es ist auch wirklich ein »Jeder für sich selbst«-Geschäft. Jeder ist allein auf der Bühne, du kannst nur siegen oder untergehen - und hast dafür nur zehn, zwanzig Minuten. Wenn ein Freund einen Job bekommt, dann glauben viele Comedians, dass er ihnen den weggenommen hat. Und jeder hat im Blick, wer erfolgreicher ist und die besseren Slots in den Comedyclubs bekommt.

Arbeiten Sie deshalb mit einem festen Stamm an Schauspielern und Autoren wie Seth Rogen oder Paul Rudd? Um diesem Wettbewerbsdenken ein bisschen zu entgehen?

Hm, es ist einfach schwierig, Leute zu finden, die so ticken wie ich. Und wenn ich die gefunden habe, behalte ich sie. Meine Projekte werden aber auch immer größer, und dadurch kommen andere Leute dazu. In dem aktuellen Film hat zum Beispiel Adam Sandler zum ersten Mal unter meiner Regie gespielt. Für mich ist aber entscheidend, dass ich bessere Filme schreiben kann, wenn ich die Darsteller sehr gut kenne. Eine Al-Pacino-Komödie zu schreiben, das könnte ich einfach nicht.

Hollywood ist zur Zeit besessen von schönen Männern wie Zac Effron. In Ihren Filmen kriegen aber auch die pummeligsten Kiffer Topfrauen ab.

Keiner sieht aus wie Zac Effron! Keiner sieht aus wie Brad Pitt! Alle sehen aus wie Seth Rogen oder Jonah Hill oder ich! Das ist doch die wirkliche Welt. Den superattraktiven Mann, der alles auf die Reihe bekommt, gibt es so gut wie nie. Ich finde es seltsam, dass Leute diesen Aspekt meiner Filme kommentieren müssen. Ich habe Brad Pitt kennen gelernt und ich kann sagen, dass ich sonst noch niemanden kennen gelernt habe, der wie Brad Pitt aussieht. Deshalb ist er doch auch ein globaler Star - weil er so einzigartig ist.

In »Wie das Leben ?« spielt Adam Sandler den unsympathischsten, aber auch erfolgreichsten der Comedians. Muss man ein wenig ein Arschloch sein, um Erfolg zu haben?

Nun, Comedians sind im besten Fall ziemlich seltsam. Und im schlimmsten Fall richtig gestört. Aber irgendwann - und das trifft auf alle, nicht nur auf Comedians zu - muss man sich entscheiden, wie geistig gesund man sein will. Als Comedian muss man die Jahre zwischen zwanzig und dreißig nutzen, um sich seinen Erfolg zu erarbeiten. Das nimmt all deine Zeit in Anspruch. Mit dreißig oder vierzig ist entweder alles geregelt, und du wirst zum Familienmenschen - oder du bist doppelt so besessen von deinem Job. Das Blöde ist: Wenn du erfolgreich bist und viel Geld gemacht hast, fordert keiner von dir, dich mal um deine geistige Gesundheit zu kümmern - deine Verrücktheit hat dich schließlich so weit gebracht.ken wie ich.

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