I, Hero
Der SF-Film "I, Robot" verspricht Action satt - aber von Asimov ist nicht viel übrig.
Ein herunter gekommener Cop mit einer traumatischen Paranoia, die ihn ausgrenzt. Ein Mordfall, ausgerechnet an einem renommierten Wissenschaftler, der eine geheimnisvolle Beziehung zum Cop hat. Ein Verdacht, der die Paranoia bestätigt. Eine schöne Wissenschaftlerin. Action, coole Sprüche, kaputtes Blech, unerwartete Wendungen und ein bisschen Philosophie.
Das sind die typischen Zutaten vieler Actionfilme. Egal, ob mystisch („The Seventh Day“) oder erdgebunden („Fletchers Visionen“) - sie garantieren einen gewissen Erfolg. Auch Jeff Vintar rührte eifrig Erprobtes zusammen, als er ein Drehbuch schrieb, das auf Ideen Isaac Asimovs fußte.
Im Jahr 2035 werden alle niederen Arbeiten von Androiden verrichtet. Hersteller und Monopolist ist USR, ja genau: US Robotics. Diese Firma gibt es tatsächlich und sie wirbt auf ihrer Homepage kräftig mit dem Film. Das gleiche – plumpes Product Placement nämlich – machen übrigens auch Converse, JVC und AUDI und vermutlich noch mehr Firmen, deren Logos ich verpasst habe.
Einzig ein traumatisierter Cop (Will Smith, der den Film auch produziert hat) traut den laufenden Blechdosen nicht über den Weg – und wir werden zunächst im Unklaren darüber gelassen, was die Bilder in seinen Albträumen bedeuten. Dann stirbt der Wissenschaftler, der die Roboter und ihre tief im positronischen Gehirn verankerten „Drei Gesetze“ geschaffen hat, unter mysteriösen Umständen. Der Cop ermittelt und nach wenigen Minuten hat er einen Hauptverdächtigen: Einen Roboter. Wer hätte das gedacht!
Um die Ermittlungen zu unterstützen stellt der äußerst dubiose USR-Chef und „reichste Mensch der Welt“ eine Wissenschaftlerin ab (Bridget Moynahan). Sie soll den Cop unterstützten – was durch unterschiedliche Sichtweisen auf die Materie erschwert wird.
Stichwort Philosophie. Die ist in Mode, spätestens seit Matrix den Solipsismus erklärt hat. Jeff Vintar lässt zwei kontroverse Themen aufblitzen: Die ethische Wertstellung des Menschen und den Utilitarismus.
Der Cop verhört den verdächtigen Roboter, der überaus menschlich wirkt, und hält ihm vor, keine menschlichen Eigenschaften zu besitzen. Er könne schließlich keine Symphonien komponieren und keine Gemälde malen.
„Können Sie es denn?“ antwortet Roboter Sonny schlagkräftig und demaskiert dabei die allzu menschliche Hybris, Spitzenleistungen Einzelner auf die ganze Menschheit zu projizieren, bei der Betrachtung anderer Spezies' jedoch die ausbleibenden Spitzenleistungen einzelner Individuen zu generalisieren und als Beweis für die „Minderwertigkeit“ der ganzen Spezies anzunehmen.
Das hat Vintar nicht erfunden. Bei Star Trek stand Data deshalb vor Gericht und Asimov hat es in seiner Geschichte vom „Zweihundertjährigen“ noch viel tiefgreifender thematisiert. Die philosophsischen Grundlagen kann man in Helmut F. Kaplans Buch „Tierrechte“ sehr verständlich nachlesen.
Auch der Utilitarismus, das zweite philosophische Thema, ist unter Philosophen hart umkämpft. Kurz gesagt bedeutet es, das die Ethik uns gebietet, so zu handeln, dass am Ende das Ergebnis der Nutzen-Leidensbilanz so gut wie möglich ist. Das bedeutet, dass man auch Einzelnen Leid zufügen darf, wenn der Nutzen, den andere davon haben, überwiegt.
Tierversuche werden heutzutage auf diese Weise gerechtfertigt; in seiner extremsten und logisch zu Ende gedachten Ausprägung kann Utilitarismus jedoch auch bedeuten, dass ein Menschenopfer gerechtfertigt ist, wenn der Nutzen der Gesellschaft das Leid des geopferten Individuums überwiegt.
Aber auch dieser Gedanke blitzt nur kurz am Ende auf und ist bei Kaplan und Asimov viel besser und fundierter erörtert. Auch die Drei Gesetze der Robotik sind nur grob angerissen, obwohl Asimov etliche Spannungskurven auf ihnen und ihren Auslegungsmöglichkeiten aufgebaut hat.
Dennoch ist „I, Robot“ ein handwerklich solider, stimmungsvoller Actionfilm. Will Smith spielt körperbetont und doch differenziert, Bridget Moynahan gibt sich zunächst spröde und unnahbar, taut aber auf, wenn es daran geht, die Menschheit zu retten. Die Animationen der Roboter sind brillant, das Produktionsdesign zeigt eine hoch technisierte Welt, in der die Häuser noch 35 Jahre verfallener sind als heutzutage. Anleihen an Fritz Langs „Metropolis“ geben eine bedrückende Note.
Wer jedoch eine Asimov-Verfilmung sehen möchte sollte jedoch lieber in die Videothek gehen und sich den 1999 gedrehten Film „Der Zweihundertjährige“ ausleihen. Robin Williams spielt den Androiden Andrew differenziert und mitfühlend und zeigt, dass die Grenze zwischen Menschen und Nicht-Menschen stets willkürlich gezogen wird."Wichtige Links zu diesem Text"
I, Robot bei imdb.com
Drei Gesetze der Robotik
Bicentennial Man bei imdb.com


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