x-antia 23.06.2004, 11:39 Uhr 14 0

Die "Sex and the City"- Falle

Angefangen hat alles ganz harmlos. Damals... wann war das doch gleich? Vor zwei Jahren?

Damals habe ich mich gespannt und interessiert auf die Couch, vor den Fernseher, an meinen Freund gekuschelt, um mir die erste Folge "Sex and the City" im deutschen Fernsehen anzusehen. Wir waren begeistert!

Ich als Frau empfand es als befreiend, in einer Fernsehserie alle weiblichen Problemchen zur Ernsthaftigkeit aufgebläht aber mit einem ironischen Augenzwinkern versehen, angesprochen, durchdiskutiert und von vier hippen, stylischen New Yorkerinnen beurteilt zu sehen. Plötzlich schien es also kein Stigmata mehr zu sein, wenn man zugab, dass das Styling einer Frau durchaus einen wichtigen Teil ihres Lebens darstellen kann. Ebensowenig - erfuhr ich - war es verwerflich, mit seinen drei Freundinnen in einem vollbesetzten Café lautstark über Masturbation, Pilzinfektionen oder das sexuelle Erlebnis der vorangegangenen Nacht zu diskutieren.

Im Gegenteil: das war der Ausdruck gelebter Weiblichkeit! Zumindest wenn man den Produzenten von "Sex and the City" glauben möchte, dass in New York reihenweise Frauen wie Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda herumstolzieren und wir es hier nur mit einem zufällig herausgepickten Quartett typischer Manhattan- Girls zu tun haben.

Aber nicht nur ich war von der Sendung angetan, sondern auch mein Freund. Und wahrscheinlich war es das, was mich damals schon hätte stutzig machen sollen (an ihm und an der Serie). Wie kann einem Mann ernsthaft eine Serie gefallen, in denen vier Frauen in erster Linie Männer, High Heels und ihre eigenen Profilneurosen durchhecheln? Den Grund dafür erfuhr ich wenige Wochen später. Nicht nur mein Freund, nein, viele deutsche Männer fanden Gefallen an "Sex and the City", denn: sie glaubten, mittels dieser Serie endlich die Frauen zu verstehen. Es war ein einziges Frohlocken! Das war also des Rätsels Lösung! Wenn es so einfach war, wieso waren wir nicht schon früher darauf gekommen? Nun konnten sämtliche typischen Missverständnisse, Streitereien und Gehässigkeiten zwischen den Geschlechtern also durch eine Fernsehserie aus dem Weg geräumt werden. Toll!

Und schon waren wir gefangen: in der "Sex and the City"- Falle.

Zwar sollte sich bald herausstellen, dass die Serie keineswegs das Allheilmittel für Beziehungskrisen darstellte. Was deutsche Frauen allerdings nicht davon abhielt, in Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda die Inkarnation der vier Urtypen weiblicher Existenz zu sehen und ihr Äußeres respektive ihre Persönlichkeit an diesen Charakteren zu messen und zu stylen.

Was wusste ich zuvor von Manolo Blahnik? Nichts. Jetzt weiß ich, dass es sich dabei um einen Designer handelt, der unter anderem sündhaft teure Fesselriemchensandalen herstellt. Und ich empfinde es als ein Defizit, dass ich keine besitze.

Früher hatte ich mich nie mit Freundinnen lautstark in einem vollbesetzten Café über Masturbation, Pilzinfektionen und das sexuelle Erlebnis der vorangegangenen Nacht unterhalten. Das tat ich auch jetzt noch nicht, denn als ich es einmal versuchte, erntete ich nur skeptische, pikierte Blicke und unangenehmes Schweigen. In Regensburg kommt derlei Small Talk offenbar nicht so gut an wie in Manhattan. Das frustrierte mich jedoch erst, als ich feststellen musste, dass sich diese unerhörten Gesprächthemen bei mir im Laufe der Zeit drastisch reduziert hatten, nämlich auf Masturbation und Pilzinfektionen.

Ich habe eine Freundin, deren Leben von "Sex and the City" dominiert wird. Sie lebt diesen Style bis zur Perfektion. Ich weiß nicht, was von beidem zuerst da war: Magda oder "Sex and the City". Magda ruft mich fünf bis zehnmal pro Tag an, um mit mir eine halbe Stunde über eine SMS von ihrem Ex, über ein neues Rezept aus ihrem mediterranen Kochbuch oder ihr sexuelles Erlebnis der vorangegangenen Nacht zu diskutieren. Ernsthaft, wenn man Magda vier Jahre kennt, hat man zwei Jahre mit ihr telefoniert. Früher war Magda einfach nur eine Zimtzicke mit unfassbaren Schrulligkeiten, mit der man trotzdem sehr gut befreundet war und die man manchmal milde belächelte. Durch "Sex and the City" sind Frauen wie Magda zu Style- Ikonen geworden. Und haben Frauen wie mich auf ihre Ränge verwiesen.

Vor ein paar Monaten mussten wir nun erfahren, dass mit der fünften Staffel nun auch die letzte Staffel von "Sex and the City" abgedreht wurde. Und das finde ich auch schade, obwohl die Serie für eine meiner zahlreichen Identitätskrisen verantwortlich ist. Aber eines ist in den letzten Jahren hoffentlich zu jedem durchgedrungen. Und es tut mir wirklich leid, die Männerwelt an dieser Stelle enttäuschen zu müssen, aber: so leicht können und wollen wir es euch nicht machen! Es verhält sich nämlich mit dem weiblichen Charakter nicht so wie bei Hippokrates, wo der Mensch im Wesentlichen durch die vier Grundsäfte bestimmt wird, und wo nur die jeweilige Konzentration des einen im Verhältnis zum anderen charakterliche Divergenzen ausmacht. Wir sind nicht nur eine Carrie, Samantha, Charlotte oder Miranda. Und auch nicht nur eine Mischung von diesen vier Charakteren in bestimmten Mengenverhältnis. Natürlich ist jede von uns all das... und noch viel mehr!

Gestern Abend habe ich mir seit langem mal wieder "Sex and the City" angesehen. Unterhaltsam ist das auf jeden Fall. Bemerkenswert auch die Moral der gestrigen Folge, die sich um Designermode und schöne Menschen drehte. Da war doch Carries letzter Satz: "Ich stand auf und ging weiter, so wie das normale Menschen in ihrem alltäglichen Leben auch immer wieder tun." Ein schöner und mutiger Satz, wie ich finde, für eine Frau, die keine zwanzig Minuten zuvor noch erzählte: "Als ich nach New York gekommen bin und immer total pleite war, kaufte ich mir oft anstatt Essen die VOGUE. Ich dachte, das sei bessere Nahrung für mich."

14 Antworten

Kommentare

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    Ich hatte gerade neulich mit jmd. über die Serie gesprochen und er fragte mich auch was Frauen eigentlich so toll daran finden...
    Ich finde teilweise wird viel zu viel da reininterpretiert, er wollte mir wirklich nicht glauben das ich die einfach nur so gucke, wie andere Talkshows oder weiß ich was zur Entspannung gucken...
    Dann kam die Frage auf ob wir Frauen nicht gerne so sein wollen wie Samantha,Carrie,Miranda oder Charlotte, stimmt es? Also ich nicht und gerade Samantha bewunder ich eingentlich nicht, ich finde sie kann einem fast Leid tun, denn sie kann doch nicht wirklich eine richtige Beziehung führen und ist doch emotional gesehen nicht wirklich weit oben auf der Skala...

    06.12.2005, 13:07 von Obscht
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    Habs noch nicht sehen können.jetzt ist bald zu spät!

    12.12.2004, 22:08 von March
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    es wäre auch recht langweilig wenn jede frau so wäre wie die darstellerinnen der serie.wo wäre da der reiz? wenn dem so wäre würden singles wohl ihren fernseher heiraten!!nur ist auch zu bemerken,dass auch nicht alle männer so sind wie es in dieser serie dargestellt wird!!Wäre ja langweilig oder??

    19.11.2004, 17:39 von iananderson
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      @iananderson Nehmt das doch nicht so ernst... Die Serie ist einfach leichte Unterhaltung. Im Normalfall schaut frau sich das an, um die (manchmal mehr, manchmal weniger) schicke Mode zu begutachten und über die (Sex)Witze zu lachen. Wer das so ernst nimmt, dass er sein Leben danach ausrichtet - und von solchen Menschen gibt es leider genug - dem ist einfach nicht mehr zu helfen.

      09.12.2004, 12:23 von Shima
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    diese serie handelt von frauen mit problemen und deswegen finden frauen mit problemen sie auch so toll.
    beziehungsunfähige frauen, die sich für absolut großartig halten, aber eigentlich doch nicht, verbringen eine halbe stunde ohne handlung, indem sie über probleme reden, die für normale leute keine sind.

    01.10.2004, 14:48 von possib
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      @possib @possib: das finde ich jetzt aber eine ganz schön provokative aussage von dir! :)
      bei unseren satc-abenden haben wir uns meist schlappgelacht und oftmals die rosinen rausepickt und diese natürlich mit unserem leben verglichen. aber deshalb sind wir nicht alle "frauen mit problemen" (btw, wer sind denn bitte frauen ohne probleme?). eher frauen, die auch über sich selbst und ihre "spezies" lachen können. kannst du das auch?

      06.10.2004, 22:52 von nijntje
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      @nijntje @nijntje
      nö, kann ich nicht - ich bin ein absolut humorloser mensch. übrigens ist mir aufgefallen, daß meine aussage jede frau, die nicht meiner meinung in diesem punkt ist, als ebenfalls problemwälzende bedenkenträgerin disqualifiziert - solch provokante aussagen haben den vorteil sich nicht mit der meinung der kritiker auseinandersetzen zu müssen.
      aber im ernst: ich finde die serie kein bißchen komisch, tut mir leid (auch nicht besonders skandalös) - schau also mal lieber scrubs-die anfänger, finde das ist guter humor

      08.10.2004, 11:33 von possib
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      @possib @possib ich gebe zu, dass ich mich auf scrubs teilweise noch mehr gefreut habe, insbesondere bei lahmen satc folgen. erstaunlich finde ich aber die wirkung von satc auf gesprächsthemen -- und das weltweit! gewisse "probleme" oder zustände in beziehungen zwischen mann und frau sind dort erstmal einer breiteren masse auf humorige art und weise nähergebracht worden. ich kenne viele frauen, die durch satc erstmals über sexuelle und zwischenmenschliche erfahrungen gesprochen haben. und zwar ohne peinlichen dr. sommer faktor. schon schön, die serie. scrubs erwirkt aber auf jeden fall die besseren lacher! flachzange!

      08.10.2004, 17:14 von nijntje
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    gibt es besser unterhaltung an einem dienstag abend in netter gesellschaft s.a.t.c. zu schauen ohne jeden hintergedanken?
    zwangloses zuschauen ohne sein leben gleich danach ausrichten zu müssen!
    es ist auch danach nicht möglich frauen verstehen zu können!

    30.08.2004, 15:03 von RedFlo
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      @RedFlo RICHTIG!!! SEHR RICHTIG!!!

      21.09.2004, 09:21 von Sinequa
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    man darf die ganzen Sachen doch nicht so ernst nehmen! Fernsehen ist Unterhaltung. Wissenschaftliche Sendungen sind extra gekennzeichnet! Wo kämen wir denn hin, wenn alle das nachmachen, was ihnen im Fernsehen vorgeführt wird, das wäre ja Manipulation total und wir sollten es den bösen Menschen nicht so einfach machen!
    das dürft ihr jetz nich falsch verstehen, ich schau gerne fern, auch S.a.t.C, aber ich richte doch nicht mein Leben danach! Das ist einfach nur eine weitere Serie, Kategorie: leichte Kost um den Tag zu verdauen!
    Macht euch das Leben nicht schwerer als es eh schon ist!
    Viel Spass beim Fernsehen!

    04.08.2004, 14:38 von Sinequa
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    Und ich bin vor dem Fernseher gesessen.Habe es nämlich leider noch nicht geschafft mir die Staffeln auf DVD zu besorgen ;-)
    Wirklich schöner Artikel!
    Vor allem das Phänomen,warum Männer die Serie so gern schauen.. In Bezug auf meinen Freund ist mir jetzt so einiges klar geworden =o)

    07.07.2004, 16:14 von earthwindfire
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      @earthwindfire Ganz ehrlich: Ich kann die Serie nicht leiden.
      Und zwar nicht, weil ich mir nur DENKE, dass sie doof ist, obwohl ich sie nie gesehen habe.
      Nein, ich habe sie MEHRMALS gesehen, weil meine Freundin jedesmal einschaltet. Meine Freundin hat oft gesagt "Da lernst du noch was über Frauen!" ... das einzige, was ich gelernt habe, ist, dass Frauen manchmal einfach 'ne Meise haben (genauso wie Männer). Und das wusste ich auch schon lange vorher.
      Vielleicht mache ich ja irgendwas falsch. Ich meine, ich will wirklich die Frauen verstehen. Aber diese Serie hat mir dabei keine neuen Erkenntnisse gebracht. Ich find sie einfach nur dämlich. Sorry...

      22.07.2004, 09:45 von Seppalot
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      @Seppalot Ebend wie die Frauen ;-)

      (oh, das gibt Ärger...)

      27.07.2004, 17:47 von totty
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    und ich sitze nicht vor dem Fernseher,...
    aber nur weil ich schon alle Staffeln auf DVD habe =)
    Gefällt mir gut, dein Artikel! Besser hätte man das gar nicht darstellen können.
    Die Leute in R reagieren pikiert? Da musst erst mal nach Straubing kommen =)

    06.07.2004, 21:47 von tinkabelle
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