Die_Katze 13.02.2013, 03:00 Uhr 0 0

Die Perspektive neuer deutscher Filme

Von Sahnestückchen und Zitronen des deutschen Kinos auf den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen in der Hauptstadt.

Die 2002 ins Leben gerufene "Perspektive Deutsches Kino" ist ein fester und stetig wachsender Bestandteil der Berlinale geworden. Zuschauer und Filmschaffende bekommen die Möglichkeit Neues und Unbekanntes aus dem Bereich des jungen deutschen Kinos zu sichten. Auch Preise gibt es für den kreativen Nachwuchs zu gewinnen: DFJW-Preis "Dialogue en perspective" und seit letztem Jahr dazugekommen "Made in Germany - Förderpreis Prespektive". Besonders erfreulich, dass heuer wieder vermehrt Hochschulfilme am Start sind, darunter gleich zwei eindrucksvolle Produktionen der Filmakademie Baden-Württemberg, Zwei Mütter und Metamorphosen.

Neben Abschied, Neuanfang, Veränderung und viel nackter Haut,
bilden Beziehungen bei der diesjährigen Filmauswahl wieder einen der Schwerpunkte. Der Eröffnungsfilm Freier Fall erzählt von Marc, der gerade mit seiner Freundin Bettina das erste gemeinsames Kind erwartet als er sich in seinen Kollegen Kay verliebt. Ständig hin- und hergerissen zwischen dem Vertrautem und der Versuchung droht ihm allmählich immer mehr der Boden unter seinen Füßen zu entgleiten.

Im Versuch einer Pulp-Adaption á la Tarantino geht es hingegen in DeAD für Perspektive-Verhältnisse ungewöhnlich blutig und makaber zu. Wenn auch das Finale etwas hindümpelt und zu Beginn die Erwartung an mehr Punk geschürt wird so hat DeAD dennoch Biss und hervorragende Charakterdarsteller gepaart mit bitterbösem Humor und cooler Musik. Susanne von Borsody überzeugt dabei gekonnt als sterbender Schwan auf dem Geburtstag ihres Ex-Mannes, der sich im Verlauf immer mehr zum Tag der Abrechnung entwickelt.

Für seinen Dokumentarfilm Metamorphosen reiste Regisseur Sebastian Mez in ein radioaktiv verseuchtes Gebiet im Ural. Ursprünglich sei ein Film über Fukushima und das Leben danach geplant gewesen. Zuwenig Material vor Ort und sein tieferes Interesse an dem Thema ließen ihn bei weiteren Forschungen bald auf ein totgeschwiegenes Gebiet im Westen Russlands stoßen, das seit Jahrzehnten durch Abfallstoffe der kerntechnischen Anlage Majak belastet wird. Mit fotografisch starken Bildern portraitiert Mez das Leben von Bewohnern im Umland des Flusses Tetscha. Sein unter anderem nicht immer ungefährlicher Einsatz zeigt dabei Gebiete mit erschreckend hoher Strahlenbelastung. Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern der Anlage bestätigen zudem Vermutungen,
dass die bei einer Explosion im Jahre 1957 abgegebene Strahlenmenge weitaus höher war als 29 Jahre später beim Super-Gau in Tschernobyl. Noch immer ist das im südwestlichen Ural gelegene Majak in Betrieb und verarbeitet unter anderem Brennstäbe westlicher Kernkraftwerke.

In Endzeit beschwört Sebastian Fritzsch nach der Apokalypse den Urmenschen herbei, anders als bei Julians Pölslers Film Die Wand ist die Protagistin hier aber nicht die scheinbar letzte Person auf der Erde.
Beim nackten Kampf ums Überleben, der oftmals an die Zeit der Höhlenbewohner erinnert, trifft sie auf Gleichgesinnte. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach einem besseren Leben.

Silvi ist Ende 40 und wurde gerade im Auto von ihrem Ehemann verlassen. Von heute auf morgen das Leben völlig aus den Fugen geraten, macht sie sich naiv und ratlos auf die Suche nach der wahren Liebe. Gemischt mit dokumentarischen Elementen verkörpert der Film in unverschönerter Form die Versuche einer Frau, die endlich lernt sich selbst zu entdecken. Wird sie ihren Weg finden? Denn dass das weibliche Geschlecht im besten Alter durchaus glücklich und gelassen in die Zukunft blicken kann zeigt Carolin Genreiths Film Die mit dem Bauch tanzen. Ein toller Dokumentarfilm für Frauen jeglichen Alters!


Tags: Berlinale 2013, Perspektive Deutsches Kino, Deutscher Film, Freier Fall, Metamorphosen, Zwei Mütter, Die mit dem Bauch tanzen
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