Joergen 18.11.2007, 16:10 Uhr 0 0

Der Tag, an dem die Ebbe kam

Der Text stammt nicht von mir.Es ist die Geschichte, die Celia in dem Film "Als das Meer verschwand" verfasst.Wie ich finde,eine schöne Geschichte.

An einem Tag in einer Stadt am Ende der Welt kam die Ebbe,
aber die Flut kam nicht. Das Meer war einfach ohne jede
Vorwarnung verschwunden. Zu Anfang waren die Menschen nur
ein wenig verwirrt, sie machten einfach weiter mit ihrem Tratsch
und Streit über immer dieselben Dinge.
Aber bald machte sich in der Stadt ein Schweigen breit. Vor den
Augen der Menschen entstand eine Wüste von unglaublichen
Ausmaßen.
Es vergingen Wochen. Und noch immer gab es kein Zeichen vom
Meer. Die Menschen begannen sich Sorgen zu machen. Dann
wurde beschlossen, eine kleine Gruppe loszuschicken in der
Hoffnung, das Meer zurück zu bringen.
Als die Tage vergingen, machten sich immer mehr Menschen
auf die Suche. Die Menschen suchten überall, aber der Ozean
war spurlos verschwunden.
Das ruhige Land, das früher so reich gewesen war, war hart und
erbarmunglos geworden. Dann tauchte am Horizont eine
Silhouette auf. Die Menschen glaubten durch die flirrende Luft,
brechende Wellen herannahen zu sehen.
Eine Wogge der Vorfreude ging durch die Stadt als man ungeduldig
beobachtete wie der Ozean zurückkehrte. Doch als das Wasser
sich näherte, veränderte und verschobe sich sein Aussehen. Was
ausgesehen hatte wie eine Welle, die sich brach, das waren in
Wahrheit wilde Pferde. Wohin sie auch blickten, sie sahen Pferde,
die näher und näher kamen. Aus ihrer Vorfreude wurde Furcht.
Aus ihrer Furcht wurde Panik.
Nichts schien diesen Vormarsch aufhalten zu können, der ebenso
wie das Verschwinden des Ozeans ohne Vorwarnung kam. Aber
nicht einen Moment lang hörten die Menschen auf, sich die Frage
zu stellen, warum der Ozean überhaupt verschwunden war.
Die Menschen hatten nur die eine Wahl. Sie mussten darauf
vertrauen, dass die Pferde sie zum Meer zurück führen würden.
Ohne Zügel, ohne Sattel ritten sie auf den Pferden über das
verödete Land. Der Ozean jedoch war für immer verschwunden.
Und die Menschen beieinander und doch allein, mussten sich
einander und ihrem Verlust stellen.
Sie schufen sich ein Zuhause in ihrer neuen Umgebung. Einer
Umgebung, die sich für immer verändert hatte. Sie lernten, an
dem Ort zu leben, den der Ozean zurück gelassen hatte,
obwohl er in ihren Träumen fortbestand.

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