vmnov 11.12.2014, 20:30 Uhr 11 2

Der Hobbit 3: Die Schlacht der Fünf Heere Kritik

Kritik zum neuen Film von Regisseur Peter Jackson.

Ein allerletztes Mal lädt uns Peter Jackson dazu ein, mit ihm das Universum rund um Mittelerde zu erleben und wie unzählige Fans habe natürlich auch ich mit großen Erwartungen dem Kinostart von „Der Hobbit 3: Die Schlacht der Fünf Heere“ entgegengefiebert.

Das Setting ist klar. Der Film setzt genau dort ein, wo der zweite Film sein Ende nahm. Der aufgebrachte Drache Smaug lässt die Zwerge in ihrem heiß geliebten Berg zurück, um voller Wut die Seestadt anzugreifen. Dort angekommen, findet er sich zwischen lodernden Flammen und einer brennenden Stadt in einem Zweikampf mit dem Menschen Bard (Luke Evans) wieder, welcher den Drachen mit dem berüchtigten schwarzen Pfeil zur Strecke bringt. Die Information von Smaugs Ableben verbreitet sich so schnell, dass sich im Laufe des Films mehrere Armeen vor dem Berg versammeln, um ihre Ansprüche zu stellen. Als dann aber klar wird, dass der eigentliche Feind , Sauron, ebenfalls plant, den Berg mit den Heeren der Orks anzugreifen, stellt sich die große Frage: Kann man Stolz und Gier überwinden und gegen den eigentlichen Feind zusammenhalten oder ist das Verlangen nach Gold und Macht zu groß, um über frühere Konflikte hinwegzusehen?


Zu Beginn muss man sich natürlich deutlich vor Augen halten: Was verspricht dieser Film?

Für mich versprach er neben einer epischen Schlacht und einem erneuten Wiedersehen mit alten Freunden ein würdiges Finale der gesamten Trilogie und somit natürlich einen würdigen Abschluss der Tolkien-Verfilmungen durch Peter Jackson. Wer sich diesen Film also im Kino anschaut, wird – ganz ohne Frage - restlos unterhalten werden und Fans der Reihe werden mit diesem Streifen sicherlich genau so viel Spaß haben, wie mit den ersten beiden Filmen.

Jedoch gab es von Anfang an einige Punkte, welche meine hohen Erwartungen leider etwas in Enttäuschung münden ließen. Dass die Geschichte aller drei Hobbit-Filme, im Gegensatz zur Herr der Ringe Trilogie, aus nur einem Buch entnommen wird, was der inhaltlichen Substanz der Filme sichtlich schadet, haben wir bereits in den ersten beiden Teilen erleben müssen. Besonders aber im dritten Teil macht es den Eindruck, als würde Jackson wirklich so langsam nicht mehr wissen, was er an Story in einen abendfüllenden Film packen soll, weshalb er vor allem im Bereich CGI-Animation nochmal einen drauf gepackt hat. Dies bietet natürlich eine atemberaubende Visualisierung Mittelerdes in allen nur erdenklichen Fassetten. Mir persönlich war es im Punkto Animation an einigen Stellen dann aber tatsächlich ein bisschen zu viel des Guten, was mich manchmal sehr gestört hat. Man merkt einfach, wie man hier einmal wieder versucht hat, das Storytelling mit visuellen Meisterleistungen zu überdecken.

Die Geschichte ist nämlich von Anfang an eigentlich recht unspektakulär und voraussehbar inszeniert. Der Film konzentriert sich leider, wie der Titel es allerdings schon verrät, mehr auf die Schlacht, als auf sonderlich durchdachtes Storytelling. Die Dialoge sind recht flach und selbst Wendungen, wie das Ableben einiger Charaktere - bzw. die Inszenierung dieser - haben mich durch ihre platte Darstellung wenig überzeugt. Somit muss man sich leider darauf einstellen, mehr gut inszeniertes Gemetzel als durchdachtes Storytelling zu erleben.

Aber nicht nur die Substanz der Geschichte kann durch das absolut atemberaubend visuelle Erlebnis nicht kaschiert werden. Auch die charakterliche Substanz und die Gewichtung der einzelnen Plot-Stränge sind auffällig dünn gestrickt. So wird zum einen Smaug, welcher das absolut kolossale Thema des zweiten Teils war, bereits in den ersten zehn Minuten unspektakulär abgefrühstückt. Und auch ein Sauron, auf den man ja nun schon seit Teil eins sehnsüchtig wartet, hat eine unglaublich kurze Screentime und der ein oder andere Zuschauer hat sich sichtlich gefragt: „War’s das jetzt mit dem?

Betrachtet man darüber hinaus den Tiefgang einzelner Charaktere, so wird man wiegesagt auch nicht sonderlich vom Hocker gehauen werden. Denn die Möglichkeiten, welche man z.B. einem Thorin Eichenschild (Richard Armitage) in diesem Film gibt, werden schlichtweg einfach nicht genutzt. Sein innerer Konflikt – welcher, mal angemerkt, ziemlich wichtig ist - beginnt ohne Vorwarnung viel zu plötzlich und wird dem Zuschauer weitergehend so plump und unnah präsentiert, dass er leider fast immer an der gewünschten Wirkung vorbei zielt.

Hier werden einige sicherlich sagen, dass dies nur unwichtige Nebensächlichkeiten sind und dass es final eher um die epische Schlacht geht, als um sonderlichen Tiefgang. Aber leider muss man auch hier sagen, dass die Struktur der Schlacht recht einfallslos gestaltet wird und das vor allem das Ende sehr flach inszeniert ist, ohne dass man auch nur einen Hauch der Emotionen verspürt, welche man aus der Schlacht des letzten Herr der Ringe- Streifens kennt. (Ohne den Hobbit jetzt weiterführend mit HdR vergleichen zu wollen) Sicherlich bietet der Film überragende Kampfszenen, die wirklich enormen Spaß machen. Aber wenn man versucht, fast 145 Minuten nur durch solche stupiden Inszenierungen zu punkten, bin ich leider trotz aller Schönheit etwas unterfordert.

Allerdings muss ich, so negativ diese Kritik nun wirkt, auch nochmal hervorheben, dass mir während des Films keineswegs langweilig war und dass die hauptsächlich negativen Aspekte einfach daher rühren, dass meine vielleicht zu hohen Erwartungen einfach nicht erfüllt wurden. Dinge wie Bild und Ton sind absolut überragend und wer Fan dieser Reihe ist, wird sich von der inszenierten Schlacht ohne Probleme mitreißen lassen. Leider schafft es der Film wie gesagt aufgrund der genannten Punkte nicht, seinen Erwartungen gerecht zu werden. Er ist einfach nicht überragend, nicht packend genug, sondern kommt eher als ein Film daher, welchen man solide und ohne Komplikationen über die Bühne bringen wollte. Deshalb ist er meiner Meinung nach kein würdiger Abschluss der Trilogie, auch wenn er natürlich seine guten Momente hat und insgesammt ein gelungener Unterhaltungsfilm ist, welcher vor allem im Kino sehr viel Spaß macht.


Wertung: 7/10


Tags: Der Hobbit, Herr der Ringe, Kino, Filmkritik, Peter Jackson, Film, Filme
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11 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ich fand die 'Schlacht' ja zu 95% schnarchlangweilig...

    Und Sauron spielt ja nu auch in der Vorlage keine Rolle. So gesehen beeindruckend, was Peter Jackson aus einem lapidaren 'Dann vertrieb der weiße Rat den Geisterbeschwörer aus Dol Guldur' zu inszenieren in der Lage ist...

    Aber eben... laaaangweilig.

    Jedes Fitzelchen Plot, an der die Rechte vorhanden waren da reingekleistert...

    Schade.

    17.12.2014, 12:13 von sailor
    • 1

      und action !

      17.12.2014, 12:15 von ga
    • 2

      Naja... Action?
      War irgendwie mehr so Brachialballett ohne Libretto...
      Kirmesgeisterbahn in Dolby-Surround.

      17.12.2014, 12:17 von sailor
    • 1

      der paraphrase stimme ich zu und füge hinzu: kindergeburtstag.

      17.12.2014, 12:20 von ga
    • 1

      Jupp...

      Aber is ja auch'n Kinderbuch mit Tiefgang... Insofern.
      Leider hat PJ den Tiefgang im Langen See versenkt...

      Aber die Ausstattung war mal wieder der Hammer...
      Die fand ich bisher in fast allen Filmen fast immer geglückt...

      Bis auf diese Rockoko-Schwuppen ... hoppla... in Lothlorien...

      17.12.2014, 12:26 von sailor
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  • 1

    was haben diese filme noch mit tolkiens hobbit zu tun?

    17.12.2014, 12:01 von ga
    • 1

      Die Namen und die ganz groben Handlungsstränge...

      Bilbo ist super besetzt mit Martin Freeman...
      Ansonsten... Nun ja...

      17.12.2014, 12:06 von sailor
    • 0

      du sagst es.

      17.12.2014, 12:08 von ga
    • 1

      Das stimmt.

      17.12.2014, 12:13 von sailor
    • 1

      ich weiß.

      17.12.2014, 12:14 von ga
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  • 0

    Die Kritik hab ich schon mal irgendwo gelesen.

    Kan dir in vielen Punkten einfach nur zustimmen.

    Legolas Steine hüpfen erinnerte mich voll an Super Mario aufm Gameboy :D

    17.12.2014, 11:50 von Tanea
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