fabrice_braun 28.07.2006, 18:25 Uhr 1 2

Regression regiert

Das fantastische Playstation-Spiel »GUITAR HERO« macht Bock auf Rock.

Die klügsten Wissenschaftler der Welt streiten sich immer noch, was beim Urknall, dem »Big Bang«, eigentlich genau passiert ist. Dabei müssten sie nur mich fragen. Ich weiß es nämlich, seit ich »Guitar Hero« auf der Playstation2 gespielt habe.

Das Spielprinzip ist einfach: Man sieht auf dem Bildschirm Noten auf sich zufliegen und muss im richtigen Moment die richtige Taste drücken. Der Clou ist der Controller: Hier spielt man nicht mit dem normalen Joypad, sondern muss auf einer mitgelieferten Miniaturgitarre rechtzeitig die fünf farbigen Schalter am Bund drücken und dabei die »Strumbar« schlagen. Je öfter man die Noten trifft, desto mehr Punkte bekommt man, und wer besonders schwierige Passagen fehlerfrei meistert, bei dem steigt auch der Punktemultiplikator. Das Ziel ist es, genügend Punkte zu sammeln, um sich mit seiner virtuellen Band von kleinen Clubauftritten zu ausverkauften Stadionkonzerten hochzuarbeiten. Wer zu schlecht spielt, wird von der aufgebrachten Menge von der Bühne gebuht.

Das Prinzip von »Guitar Hero« ist nicht originell, aber manchmal entscheiden die Details, ob ein Spiel Durchschnitt ist oder großartig. Und hier stimmt fast alles: Die 30 Songs von so unterschiedlichen Bands wie Black Sabbath, den Ramones oder Franz Ferdinand sind zwar nur nachgespielt, aber so gut, dass man den Unterschied zum Original nicht hört. Der Schwierigkeitsgrad des Gitarren-Karaokes steigert sich genau richtig, und man hat dank der Gitarre schnell das Gefühl, dass man die Songs wirklich selbst spielt. Wenn man etwa die richtige Note nicht trifft, bricht der Gitarren-sound ab, und man hört, wie die Finger von den Saiten rutschen.

»Guitar Hero« funktioniert, weil es einen Traum erfüllt: einmal als Rockstar auf der Bühne stehen und die kindliche Freude an der Regression ausleben, an stupidem, hirnlosem, großartigem Rock also. Deshalb passt dieses Spiel mit seiner Plastikgitarre so gut zum ironischen Umgang mit den Zeichen der Rock und Metalwelt, der in der Mode und auch bei vielen Bands verbreitet ist. Man kann eben umso besser rocken, je weniger ernst man die Rockerpose nehmen muss.

Da steht man also, spielt »Ace of Spades« von Motörhead, hört das Publikum johlen, und nimmt die Kindergitarre senkrecht (gibt jede Menge Bonuspunkte!). Dann hört man einen Urknall aus den Lautsprechern, weil die Star-Power-Anzeige endlich voll ist, sieht die Bühne wackeln, und befindet sich irgendwo auf der Umlaufbahn zwischen dieser und einer anderen Dimension. Der »Big Bang«, liebe Wissenschaftler, ist nämlich einfach das Gefühl, dass man selbst einer Fledermaus den Kopf abbeißen möchte.

2

Diesen Text mochten auch

1 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    "An stupidem, hirnlosem, großartigen Rock" - geil :D


    27.04.2013, 19:13 von BrinaColada
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare