Gregor_Wildermann 15.07.2006, 16:06 Uhr 0 1

Playstation versus Pisa

Sony macht seine MINIKONSOLE PSP zum Westentaschenübersetzer für den Urlaub. Und: Das Spiel LOCOROCO begeistert durch eine simple Idee.

Diesen Sommer soll es endlich mal anders laufen. Sicher, ein Zweiwochentrip in den Süden ist keine Sprachreise, aber wenn dabei wieder mal nur Wörter wie »Vaffanculo« den Wortschatz bereichern, kann man das noch nicht einmal als Minimalziel bezeichnen.

»TalkMan«, die neue Sprachsoftware für Sonys mobile Konsole PSP bietet sich als praktische Alternative zu Sprachführern und Konversationslexika für den Urlaub an. Die Idee an sich war längst überfällig: Über das mitgelieferte Mikrofon, das auf der Oberseite der PSP aufgeschraubt wird, übt man in Englisch, Französisch, Spanisch, Japanisch oder Italienisch bis zu 3000 gesprochene Sätze, bei denen man sich in 28 verschiedenen Szenarien testet. Die Spracherkennung in Talkman hört auch Sätze in deiner Landessprache und übersetzt dann. Einen freundlich lächelnden japanischen Arzt über die eigenen Magenschmerzen in Kenntnis setzen? Kein Problem. Sehr praktisch sind auch die Umrechnungsfunktionen, der Wecker sowie das Audioalbum, in dem man 50 verschiedene Sprachbotschaften aufnehmen kann und so selbst die schwierigste Wegbeschreibung oder das Liebesgeständnis der Urlaubsbekanntschaft noch Tage später auf der PSP gespeichert hat. Trotzdem bleibt es ein Rätsel, warum »Talk- Man« in eine so extrem kindische Präsentation verpackt wurde. Als Sprecher tritt ein blau-gelber Sesamstraßen-Vogel namens Max auf. Wirklich gut kommt das bei der französischen Philosophiestudentin im Zugabteil nicht an, wenn man ihr den Vogel vor die Nase hält; die stellenweise extrem langen Ladezeiten dürften zudem für viele peinlich sprachlose Momente sorgen. Innerhalb des linguistischen Trainers wurde leider auch die Lautschrift der Sätze vergessen, und gerade bei Stolpersprachen wie Japanisch oder Spanisch sind die eigenen Ergebnisse dann mehr als fragwürdig.

TalkMan ist also leider nur bedingt urlaubstaug- lich. Praktischer dürfte der PSP-Titel »Passport to …« ausfallen, ein Reiseführer für sechs europäische Städte, den Sony in Kooperation mit Lonely Planet erstellt hat. Allerdings erscheint er erst im September und damit leider zu spät für diesen Sommerurlaub. Wenn es einen einzigen Grund gibt, die mobile Konsole trotzdem in den Koffer zu packen, dann ist es »LocoRoco«. Ein neues japanisches Entwicklerteam hat damit endlich mal wieder ein Videospiel geschaffen, das sich als absolutes Unikat entpuppt. Die Hauptrolle spielt ein kleiner schwabbeliger Ball, der durch eine zweidimensionale Poplandschaft rollt und dabei stilisierte Blumen, Früchte und andere Nettigkeiten aufsammelt. Der wirkliche Clou bei diesem Jump and Roll ist die Steuerung: Anstatt den Ball zu lenken, kippt man die Landschaft. Über die beiden Schultertasten der PSP lassen sich so Steigungen und Gefälle erzeugen. An Stellen, die für den dicker werdenden Ball zu eng sind, verwandelt sich der Roco auf Knopfdruck in kleine grinsende Einzelkugeln, die wie bei einem Flipper-Multiball durch die Gegend purzeln. Ab und zu fangen diese Einzelteile auch mal an, im Chor zu singen, herumzugrölen oder wie angestochene Ballone durch die Luft zu sausen. Warum, weiß man nicht genau. Das Spiel erinnert mal an alte Barbapapa- Figuren, an die Spielmechanik von japanischen Pachinko-Kugelautomaten oder an ein Aufklärungsvideo über das gesellige Leben von Fettzellen – alles unterlegt mit glockenhellem Japanpop, der selbst bei willensstarken Individuen nach kürzester Zeit drogenhaft gute Laune hinterlässt. Kraftausdrücke wird man bei »LocoRoco« bestimmt nicht brauchen.

TalkMan, System: Sony PSP, ca. 60 Euro LocoRoco, System: Sony PSP, ca. 45 Euro, beide bereits erhältlich

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