Christian_Flierl 30.11.-0001, 00:00 Uhr 26 1

MySpace & your Space

In der neuen Ausgabe hat NEON die beliebtesten MySpace-User besucht, bleibt die Frage: wie kann es sein, dass ein Mensch 1.1 Millionen Freunde hat?

Der neue Internet-Boom gebiert viele unglaublich klingende Zahlen und Legenden, eine davon lautet so: An einem Donnerstag im Jahr 2005 erhält Mark Zuckerberg, der Gründer der Webseite Facebook.com über einen Mittelsmann das Angebot eines großen Medienkonzerns für den Verkauf seines Angebots. Als Preis wird ihm ein Packet an Bargeld, Beteiligungen und Aktien im Gesamtwert von knapp 2 Milliarden Dollar angeboten. Aber Zuckerberg lehnt ab - unter 4 Milliarden Dollar sei er derzeit nicht bereit zu verhandeln.

Ob diese Geschichte wahr ist, wer weiß. Eine andere Zahl ist jedoch keine Legende, sie ist vielleicht sogar realer als das, wofür sie gezahlt wurde: Ebenfalls im Jahr 2005 ist es dem australischen Medienmogul Rupert Murdoch 580 Millionen Dollar wert, MySpace.com zu übernehmen.

In beiden Fällen sind es online Communities, für die sehr viel Geld bezahlt, bzw. geboten wurde: Auf MySpace.com treffen und unterhalten sich über 93 Millionen registrierte User, auf Facebook.com sind angeblich 95% aller amerikanischen Studenten angemeldet. In der aktuellen Ausgabe von NEON hat unser Redakteur Ingo Mocek vier der beliebtesten MySpace-User besucht, wobei sich die MySpace-Beliebtheit an der Anzahl der „Freunde“ bemisst.

Eine davon ist „Tila Tequila“, die derzeit rund 1,1 Millionen User in ihrer Freundesliste hat – zum Vergleich, das sind mehr Menschen als Köln Einwohner hat. Wer ihre MySpace-Seite besucht, glaubt sehr schnell zu verstehen, warum sich so viele Menschen für Frau Tequila interessieren: Auf ihren Bilder und Videos hat sie wenig an, offenbar tanzt sie gerne rund um Stangen und ihr aktueller Song heißt „Fuck ya man“. Aber: die bewährte Gleichung Erfolg = Nackt+Frau+Internet erklärt den Erfolg nur bedingt, andere Frauen können genauso wenig anhaben und ähnliche Lieder singen, haben damit aber bedeutend weniger Erfolg. Um zu verstehen, wie und warum Tila Tequila zum Star ihrer Community werden konnte, werden Online-Comunities mit den gleichen Werkzeugen analysiert, mit denen die Soziologie auch reale soziale Netzwerke untersucht. Das soziale Kapital von Tila Tequila ist entsprechend groß, da sie sich selbst aktiv in ihr virtuelles soziale Netzwerk einbringt, in ihre online Beziehungen investiert, ihre Freundschaften zu pflegen scheint und sich so eine Art Vertrauen zwischen ihr und ihren Usern ergibt. Dass sie für die „Pflege“ ihrer virtuellen Kontakte inzwischen Software einsetzt, die die bis 5000 neuen Kontakte pro Tag verwaltet, scheint ihre „Freunde“ dabei nicht zu stören.

Die neu erwachsene, wirtschaftliche Relevanz von online-Communities ist allerdings vor allem eine Relevanz von Masse und Effektivität: Die Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand 93 Millionen Usern mitteilen zu können, dass es zum Beispiel ein neues Album von Madonna gibt, scheint für jeden Werbetreibenden mehr als verlockend. Je gezielter dabei mit der intendierten Zielgruppe kommuniziert werden kann, desto interessanter wird es, sowohl für den Werbetreibenden als auch für den Site-Anbieter. Diese gewachsene Bedeutung zeigt sich auch im Sprachgebrauch: Aus bisher verächtlich betrachteten „Foren-Seiten“ werden „Communities“, aus Seiten auf denen „doch eh nur Müll steht“ (so noch 2005 ein bedeutender deutscher Verlagschef) werden relevante Umfelder, in denen sich eine wertvolle Zielgruppe themengenau sehr gezielt bewerben lässt. Und offenbar ist das dann auch 580 Millionen Dollar wert.

Der Zulauf zu Communities liegt vielleicht aber auch einfach in der Natur des Internets selbst. Denn als solches ist das Netz natürlich zu allererst ein Kommunikationsmedium, das zeigt sich vor allem an der erfolgreichsten Internet-Anwendung schlechthin: der Email. Dank des Internets ist es zum ersten Mal möglich, sehr einfach, mit Menschen von überall aus der Welt in Kontakt zu treten, und das nahezu kostenlos. Communities sind daher vielleicht nur die Orte, die diese Kontakte am selbstverständlichsten möglich machen und damit ein sehr grundlegendes Bedürfnis befriedigen. Vielleicht ist es am Ende doch so einfach.

Als Betreiber von NEON.de ist uns aber vor allem noch ein anderer Aspekt sehr wichtig: Wir möchten auf NEON.de eine Community aufbauen und pflegen, deren Relevanz sich aus den bei uns eingestellten Inhalten ergibt. Deshalb ist es uns auf der einen Seite natürlich sehr wichtig, dass sich unsere User untereinander austauschen können, dass sie sich kennen lernen, unterhalten und diskutieren oder ganz einfach ausgedrückt: dass sie Spaß an der Seite haben können. Aber: Wir möchten vor allem, dass wir eine Seite haben, der unsere User so weit vertrauen, dass sie hier ihre relevanten, zum Teil sehr persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen veröffentlichen möchten – was für uns jedes Mal eine sehr große Ehre ist. Wir möchten auch, dass sich unsere User auf NEON.de ausprobieren können, als Autor, Fotograf, vielleicht auch als Musiker und Filmer. Dabei sind uns die Inhalte wichtiger als die Masse (gegen die wir uns natürlich aber auch nicht wehren, hüstel). Aber: dieser Anspruch bedeutet vielleicht, dass es immer weit größere Communities wie z.B. MySpace geben wird – wahrscheinlich wird es auf NEON.de nie einen User geben, der 1,1 Millionen Freunde hat. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so.

Wie seht ihr das? Wie erklärt ihr euch den Erfolg von Communities, was ist für euch das wichtigste vielleicht sogar relevante an einer Community? Beobachtet ihr das Wachstum anderer Communities, seit ihr auch in anderen Communities registriert, und wenn ja, warum dort? Und wer möchte: Was würdet ihr euch denn von NEON.de wünschen, was soll anders werden, was fehlt noch?

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26 Antworten

Kommentare

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  • 0

    das sind reine selbstdarstellerseiten...ich hab 134 freunde bei myspace und 383 bei studivz und man könnte ja auch noch einen noch besseren job bei xing finden oder eine noch coolere schnitte bei finya
    leute, greift oldschool zum telefon und kümmert euch um eure vier richtigen freunde als um diese gräßliche scheinwelt.

    16.06.2008, 20:10 von St.Paula
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    profilierungs-wahnsinn.
    und wir mittendrin.

    30.12.2006, 14:53 von zweifellosmondbetont
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      @[Benutzer gelöscht] oh gott....
      ich liebe dich auch!

      12.11.2006, 14:53 von jahmirraman
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    Ach, Myspace in aller Munde. tatsächlich ist es möglich auch Menschen aus der eigenen Region kennenzulernen und wer weiß, vielleicht werden daraus ja auch echte Freunde? Denn Freundeskandidaten müssen ja auch erst kennengelernt werden, folglich lässt sich feststellen:
    jeder erste Kontakt ist "oberflächlich" wenn man freund von argwohn und kleinlich ist.

    Zwar habe ich über Myspace noch keinen wahren Seelenverwandten gefunden,
    was ich aber sagen kann ist, dass Myspace eine tolle art ist, neue bands zu entdecken und wenn es eine Seite gibt, auf der man sich gut auf den nächsten Friseurbesuch vorbereiten kann, dann ist das Myspace.

    gegen einen virtuellen Smalltalk haben offensichtlich wir alle nichts einzuwenden (sonst wär wohl keiner von uns hier)
    und solange wir wissen wo die Prioritäten liegen, nämlich bei unseren realen freunden, werden diese uns wohl gerne verzeihen dass wir Profilfreunde mit ihrem Titel schmücken.

    dass eine Mitgliedschaft bei Myspace heißt, man sei unkommunikativ ist das unausgereifteste Argument, das mir bis jetzt zu Ohren gekommen ist.

    19.10.2006, 21:20 von FightFireWithHigher
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    Communitys wie myspace & Co sind sicherlich ganz nützlich um Netzwerke zu knüpfen, Gleichgesinnte mehr oder weniger gut kennenzulernen, über sich über Bekannte, die auf myspace ihre Seite haben, zu informieren oder zu amüsieren, aber es ist wie mit so vielen Dingen...wenn man´s übertreibt, wird´s doof. Wer nur noch über myspace kommuniziert und verbissen "Freunde" sammelt, bei dem läuft was falsch. In Maßen kann es aber durchaus spaßig, bereichernd und auch nützlich sein...
    So. Und jetzt möcht ich ganz viele neue Freundensanfragen ; )

    18.10.2006, 02:15 von nanijuana
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      @nanijuana "Ich finde solche Communities richtig schlecht. Angemeldet bin ich nur bei NEON.de, weil ich weiß, dass diese Seiten nicht oberflächlich sind, nicht ganz so überlaufen."

      hmm ich finde beides schlecht....

      18.10.2006, 02:29 von haidenkind
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    Communities ermöglichen dem User seine Gedanken zu äußern, ohne das er die persönliche Kritik der anderen User fürchten muss. Er ist geschützt hinter seinem Usernamen. Somit entsteht eine Sicherheitsbarriere zwischen dem realen Leben und dem Leben in der Community.
    Ich finde Communities daher sehr sinnvoll.

    17.10.2006, 10:22 von aliyahh
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    Ich glaube MySpace kann gut sein um sich die zeit zu vertreiben , wenn es mal wieder drausen in stroemen regnet, aber freuden einer internetseit e wie es myspace.com ist, sind doch nicht der ersatz fuer freunde aus fleisch und blut, auch wenn dort richtige menschen am pc sitzen.

    17.10.2006, 00:09 von DieNin
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    MySpace.com ist auf Masse konzipiert. Nicht unbedingt auf wirkliche Community. Jeder kann jeden Eintragen. Sehen und gesehen werden, ob man aber miteinander kommuniziert ist erstmal egal. Jeder kann dich eintragen und du kannst auch Leute eintragen bis man blau wird. Somit ist es kein Wunder auf die erstaunliche Zahl von 1.1 Millionen Freunde zu kommen.

    Nur wenige Communities sind wirklich durchdacht und bis zum Ende gut durchkonzipiert. Deshalb gefällt mir ja auch Neon so gut, da sich hier wirklich die Leute etwas zu sagen haben. Es geht auch um Inhalte, und das vermißt man in der Vielzahl anderer World Wide Web-Communities dann doch zusehends.

    25.09.2006, 19:37 von Eighty
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      @Eighty lol,ich bin dort auch angemeldet,aber nur der langeweile wegen...und "wahre" freunde von mir ebenfalls,das ergibt sich so mit der zeit,wie mit dem icq.nr.-austausch,das ist der fortschritt sagt man...

      08.10.2006, 16:51 von pOwpOw
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    hi..
    ich weiss ziemlich sicher,dass die freundeanzahl auf myspace sich mit einem bestimmten html code sehr einfach verändern lässt! man kann ihn auf einer von vielen myspace-pimpseiten kopieren und in sein profil reinballern!ansonsten bin ich nicht grundsätzlich gegen myspace..da ich musiker bin, ist es sehr einfach mit musikern ins gespräch zu kommen mit denen man sonst höchstens über eine autogrammadresse kommunizieren kann...ohne myspace hätte ich jetzt kein label auf dem ich meine musik veröffentlichen kann!! der freundezähler interessiert mich auch nicht sonderlich, da ich alle meine freunde bereits kenne!
    trotzdem....internetcommunities sind überbewertet und meistens ziemlich sinnlos!!
    BIG UP!

    22.09.2006, 21:28 von jahmirraman
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