Irgendwer schaut immer zu
Wenn es um Datensicherheit geht, werden viele leicht paranoid. Ihr auch?
Es war die helle Panik, die von den blauen Augen meiner Kollegin Kerstin Kullmann Besitz ergriffen hatte. Man könne, hatte sie gerade gelesen, anhand des Abschnitts, der einem vom Flugticket bleibt und den man spätestens am Gepäckband achtlos auf den Boden wirft, tatsächlich feststellen, wer mit dem zugehörigen Restticket wann wohin geflogen sei.
Reflexartig zuckte auch ich zusammen. Da war er wieder, der große Bruder!
Konnte er nicht schon mittels Überwachung meines E-mail-Verkehrs Einblick in meine privatesten Gedankenwelten nehmen? Lag er nicht bereits im zwischengeschalteten Telefonkabel auf der Lauer und wartete darauf, dass ich das Wort »Kokain« verwendete? Filmte er mich nicht täglich in der U-Bahn, wo ich womöglich Dinge tat wie eine liberale Tageszeitung lesen?
Ich riss mich zusammen und konfrontierte Kullmann mit der Frage: »Na und?«.
Sie murmelte etwas von Datenschutz und ließ mich allein mit meinen Zweifeln.
Ist es wirklich so schlimm, wenn jemand etwas über uns erfahren kann, was wir ihm nicht explizit mitgeteilt haben? »Keine Angst: Ich habe meinen Orwell gelesen. Ich bin kein Freund der Vorstellung, von früh bis spät abgehört und gefilmt zu werden«, stelle ich auch in meinem Aufsatz »Der gläserne Depp« gleich mal klar, den ich für die August-Ausgabe verfasst habe.
Doch ich bin der Meinung, dass wir mittlerweile überreagieren, wenn es um die trivialsten Informationen geht, die möglicherweise über uns in Erfahrung zu bringen sind.
Wie ist das bei euch, Leser? Wundert ihr euch, wenn Freunde über den Kauf eines Verschlüsselungsprogramms nachdenken, bloß weil sie hin und wieder Prospektmaterial zugeschickt bekommen, das auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist? Oder seit ihr der Ansicht, dass auch das Konsumverhalten zur Privatsphäre gehört und damit eines der höchsten Güter ist, das um jeden Preis und unbedingt geschützt werden muss?
Welche Fälle von Datensammeln machen euch wirklich Angst? Welche sind harmlos?





Kommentare
Puhhh, ich bekomm Angst ... Hahaha!
21.09.2006, 12:40 von WoolfIch schau schon ständig über meine Schulter, und zwar links UND rechts.
Hahaha
Vorab erst einmal, ich bin kein kleingeistiger Verschwörungstheoretiker Freak der denkt das uns überall Scully und Mulder verfolgen und der große Bruder schon überall in unseren Wohnungen Kameras installiert hat, um uns auch ja beim duschen beobachten zu können. Aber ich denke das ich mich, Aufgrund meiner Informatik Erfahrung und mehrerer Arbeiten über dieses Thema, auf bestimmte Sachen beziehen kann und vielleicht auch erläutern kann was möglich ist und was nicht.
22.08.2006, 19:05 von FabianBFangen wir mit dem schön geschilderten Szenario bei der Tankstelle an. Das der Tankwart sie wirklich dran erinnert hätte ist beileibe sicherlich fraglich den erstens hätte man schon längst irgendwo anders tanken können und da Öl nachfüllen lassen oder man stellt sich mal bei sich auf dem Parkplatz und macht es selbst, ich glaube kein Tankwart würde sich diese Mühe machen da extra noch mal nachzufragen ob bei ihrem Auto alles in Ordnung wäre. Das Problem aber letztendlich aber ist das man mit der Kundenkarte mit der man dann das Öl kauft auch andere Sachen mitgespeichert werden, und zwar alles was man sonst noch einkauft, allein um zu sehen welche Waren für welche Kunden sind. Denn bei den meisten Kundenkarten schreibt man vom Alter über Beruf bis hin zur Email Adresse alles auf den Anmeldezettel. Das macht uns allen mehr oder weniger zu Mitgliedern des beliebtesten und einfachsten Umfrage Verfahren das es ZZ auf dem Markt gibt.
Na ja bis dahin so weit so unspektakulär, die meisten sagen sich jetzt, meine Güte was soll’s weiß der Edeka was ich halt bei denen am liebsten einkaufe, bekomm ich evtl. ja noch eine Reise nach Italien wenn ich sehe das ich den Rotwein gekauft habe. Leider ist das halt nur der Idealfall und so sollte es vielleicht auch anfangs funktionieren, bloß mitlerweile bekommen wir dann nicht nur den Prospekt über Italien, sondern auch eine Spamemail über andere Spirituosen, einen Anruf zu einem Gewinnspiel wo der Hauptgewinn eine Reise ans Mittelmeer ist(bei dessen Teilnahme aber man erst bitte 150€ wegen der Verwaltungsgebühren zu denen schicken soll, oder bitte 45 Minuten an der Sauteuren Hotline bleiben muss) und allerlei Post von Spirituosen Händlern (das dann auch der Postbote mitbekommt und das natürlich auch erstmal im ganzen Haus verbreitet) und das alles nervt. Sicherlich das ist der Super-GAU aber so funktionieren diese System um Kundenkarten und Sammelpunkte, Person A kauft irgendwann irgendwas und wird dann den Rest seines Lebens von den Personen C-Z wegen dieses Einkaufes genervt und belästigt(Anm.: Schon länger bekannt ist z.B. das die großen Katalog Häuser ihre Telefonnummer samt Einkaufslisten der Personen an dritte verkaufen).
Wir sammeln Punkte, bekommen kleine Goodies, aber zu dem Preis unserer Privatsphäre. Und dieses ist nur der Gipfel davon was der große Bruder kann.
Wer sich von den obigen Beispielen immer noch nicht abschrecken lässt, bitte hier weiter lesen. Denn bisher waren wir ja noch bei den Systemen der Marktwirtschaft aber dort hört halt leider nicht das Datenschutzchaos auf. Klar das Internet bietet wahrscheinlich vielen von uns eine Plattform uns auszutauschen, Foren, Blogs, Gruppen egal wo man grade drin ist, es macht Spass sich mit den Leuten zu unterhalten und Interessen auszutauschen. Aber wenn man genau hinhört schreit das Internet Lauthals unsere Daten herraus. Foren wissen wann wir online sind, jeder kann sehen wie wir aussehen und unsere Meinungen sind dort auch weit verbreitet, ob sie nun extrem Links, extrem Rechts oder extrem „gar nichts“ sind.
Ein schönes Beispiel ist der Bericht einer Religionslehrerin die bei Amazon auf einer Warteliste für ein Buch in dem es um eine ziemlich streng ausgelegte Version des moslimischen Glaubens ging um diese extreme Form mit ihren Schülern durchzugehen, eben diese Frau ist dann auch mal in die USA geflogen um Bekannte zu besuchen und wurde sofort nachdem sie aus dem Flieger ausgestiegen ist festgenommen. Anscheinend hielt die CIA sie für eine Terroristin, weil sie auf der Warteliste des besagten Buches stand. Erst nach drei Tagen wurde die arme Relilehrerin wieder freigelassen.
Mach wir mal weiter mit dem Lieblingsgerät aller Datenschützer dem Computer. Unser aller Lieblingsbetriebssystem Windows, das wahrscheinlich öfter nach Hause telefoniert als ET, ist wahrscheinlich das beste Beispiel für das ausspionieren von Daten. Ungefragt macht es Updates und sendet Informationen quer über das Internet an Microsoft. Gipfeln sollte das alles in einem Projekt das sich TCPA nannte. (Alle die jetzt grade die Hände über den Kopf zusammen schlagen können sich den Rest sparen kommt nicht wirklich etwas neues für diejenigen.) Dieses Projekt war ein Zusammenschluss von mehreren Namenhaften Computerfirmen wie IBM, Microsoft oder auch Nvidia, Ziel dieses Projektes war es ,um es kurz zu fassen, das jeder der ins Internet wolle oder auch eine Komponente der Firmen installieren wolle sich erst registrieren lassen müsse und unter anderem auch das jegliche Programme die er neu installiert zu erst durch eine Internet eine Bestätigung erhalten müsse das hätte aber auch zu Folge gehabt das die Firmen sämtliche Informationen die auf unseren Computern wären, Programme, Internet, persönlich Daten auf einen Silbertablett serviert bekommen hätten und auch das man den Computer soweit hätte kontrollieren können das man Programme von Konkurrenz Firmen nicht zulässt. Machbar sollte das alles durch einen Chip werden der auf dem Mainboard platziert sich selbständig bei jedem Start ins Internet einwählen sollte, die ersten Laptops wurden schon durch IBM vertrieben, die ersten Strafen für das umgehen schon verhängt (eine armer US-Amerikaner wurde auf 250000 Dollar verklagt) aber zu unserem Glück gab es eine Pressekonferenz die einen banalen Rechtfehler aufdeckte und das Projekt erstmal dadurch zum erliegen kam.
Das mit dem Biometrischen Pass ist so eine Sache. Die Vorstellung das jemand von einem ein Haar klaut und das neben einer Leiche platziert um ihn so zu belasten, ist sicherlich ein bisschen sehr weit hergeholt, auch wenn es möglich erscheint. Trotzdem als ich vor ein par Jahren mal nach LA bin und da das erste mal Fingerabrdücke abgeben und in die Kamera lächeln musste kam ich mir wie ein Schwer-Verbrecher vor. Mit der Entschuldigung das dieses alles zu der Sicherheit der Bevölkerung dient kann ich mich wenig trösten, die Attentäter vom elftem September hatten keine Vorstrafen und waren auch nicht auffällig, sie hätten sich Fotografieren lassen, Fingerabdrücke freiwillig abgegeben und wären dann trotzdem in die Maschinen gestiegen.
Die allseits beliebte Frage in diesem, unserer Datenchaos, wo hört die Privatsphäre auf und wo fängt das ausspionieren an? Wie viel gutes bringt uns diese Technik? Und ist es uns das Wert auf unsere Privatsphäre zu verzichten? Eines ist sicher, aufhalten können wir den drang unserer Daten nach draußen gewiss nicht. Es wird immer irgendwo einen Computer geben der Daten über uns gespeichert hat. Wenn ich gleich die Email abschicke wird meine Spur mindestens noch drei Tage sichtbar sein, jemand mit ein bisschen Verständnis könnte sich ohne Probleme dazwischen schalten und diese Email abfangen, was hätte er davon? Nichts! Er wüsste dann was ich über das Thema Datenschutz denke aber viel damit könnte er damit nicht anfangen. Erst wenn wir anfangen mit unseren persönlichen Daten zu unbefangen umzugehen wird es gefährlich. Muss ich denn wirklich jedes Schnäppchen haben wenn ich danach jeden Tag eine Email bekomme?
Die meisten sind der Meinung ich habe nichts zu verbergen, ich mach mich nicht strafbar, ich habe nichts Böses vor, ergo mir doch egal. Aber muss das denn sein? Ich werde weiterhin keine Kundenkarte haben und meine Daten nur bedingt im Internet Preisgeben, viele aus meinen bekannten Kreis sehen das nicht so eng und denken das der Datenschutzwahn gelinde gesagt für’n Arsch ist. Das Problem ist wir haben bald nicht mehr die Entscheidungsfreiheit und dann sehnen wir uns vielleicht nach der Zeit wo noch nicht jeder im Internet alles in 2 Sekunden über uns Erfahren konnte.
@FabianB Ironie des Schicksals das ich mich anmelden mußte damit ich das Posten kann dachte man könnte auch als Email verschicken direkt an den Autor schicken.
22.08.2006, 19:08 von FabianBes gibt auch videotheken die wollen einen Fingerabdruck und überm automaten steht VS (VideoStore-VerfassungsSchutz??)!
18.08.2006, 00:29 von lalupaluAlles ist möglich wenns nur für irgendjemand von interesse ist.
Eine Freundin und ich versuchten -als wir noch kleiner und sehr viel jünger waren und zudem einen Bericht über Datenschutz in den Nachrichten gesehen haben- zu testen, ob wir verhaftet werden können. Das war sicherlich nicht unsere klügste Idee. Eine Woche lang oder auch zwei telefonierten wir jeden Tag und sprachen dabei über ein geplantes Massaker, dass wir an unserer Schule verüben wollten. Natürlich waren wir gut vorbereitet. Die Dialoge haben wir alle vorher aufgeschrieben und genau drauf geachtet, dass es sich auch echt und gefährlich anhört.
02.08.2006, 14:41 von ChloeyJa, jetzt müsste ich eigentlich schreiben, dass wir eine Strafe bekommen hätten, wenigstens von Seiten der Eltern. Aber ich muss zugeben, dass unser Plan absolut nicht aufgegangen ist. Wir waren dann wohl sehr enttäuscht, dass uns niemand zugehört hatte.
Die Leute, die sagen, sie haben nix zu verbergen, glauben fest daran, dass unser guter, demokratischer Staat schon verantwortungsvoll mit unseren Daten umgehen wird. Ist vielleicht auch so. Freiheit und Demokratie erscheinen uns hier als die Regel aber sie sind in der Geschichte die absolute Ausnahme!!! Das Dritte Reich hat WEGEN seiner organisierten Bürokratie so "effektiv" funktioniert, weil die Daten aller Bürger so detailliert erfasst waren, dass es extrem schwierig war, unterzutauchen. In Zukunft können dann politische Flüchtlinge (es gibt nämlich durchaus noch diktatorische Regime anderswo) durch eine Haarprobe an der Grenze identifiziert werden!
23.07.2006, 12:16 von sunnyozIch möchte nicht, dass meine Gendaten im pass gespeichert werden. Wer gibt mir die Garantie, dass unser Staat immer der bleibt, der er grad ist? Und selbst wenn, gibt es wie gesagt noch genügend Menschen auf der Welt, für die die Speicherung der Daten lebensgefährlich werden kann, auch wenn sie nicht kriminell sondern vielleicht nur anderer Meinung sind!!!
@sunnyoz
24.07.2006, 09:47 von sailorGendaten im Pass? Wer redet denn von sowas? Im übrigen sagt der "genetische Fingerabdruck" nichts überdeine genetischen Dispositionen aus. Im Gegensatz zu einem Irisscan, der durchaus etwas über Deinen Gesundheitszustand aussagen kann. Beispielsweise über deinen Alkoholkonsum...
Ich kenne das Problem nur zu gut seitdem ich an einer eigenen Homepage bastel,bin ich immer besorgt das ich nicht zu viel von mir preisgebe und änder ständig meine Texte.....
21.07.2006, 21:21 von T300Eis8