CvanDam 08.05.2012, 17:01 Uhr 2 0

Ein Machtwort

Heute erneut die EINE Diskussion in einem nicht näher genannten Medium. Dann unter den Kollegen. Was ich denke?

Früher Morgen. Gerade ist die Sonne hinter den Hügeln hervorgekrochen. Trotzdem brennt der Staub bereits in meinen Augen. Gemeinsam mit meinen Kameraden breche ich zu meiner Mission auf.
Bereits weinig später spüre ich wie das Fahrzeug stoppt. Jetzt heißt es alles oder nichts. Jeder muss sich auf den anderen verlassen können. Der Leader gibt die letzen Anweisungen, bevor die Gruppe sich anschickt, den Transporter zu verlassen. Schusssichere Westen, Helme werden verteilt.
Aus dem hinteren Eck des abgedunkelte Raumes ertönt ein Stimmchen: Oh man, das ruckelt heute wieder übelst....
Letzte Kontrollen werden durchgeführt. Genug Munition? Einsatzziele und Objekte absolut klar? Ich bin bis zum äußerersten gespannt und konzentriert, nichts darf jetzt schief gehen.
Die Sonne bringt die POLIZEI Aufschriften auf dem Rücken meiner Team-Mitglieder zum scheinen. Eine letzte Nachladebewegung. Dann Stille.
Jemand steht in der Tür
“Wer wollte die Pizza Salami?“
Es geht los. Geschlossen rücken wir im Team vor, bevor sich die Gruppe teilt und in Zweiergruppen auf Primär- und Sekundärziele vorrückt. Im Augenwinkel kann ich das Glitzern einer Mündung erkennen. Ein schwarzer Schatten steht im Fenster des Zielgebäudes.
Und späht die Umgebung aus. Leise und vorsichtig rücken wir vor und sichern, bis der Scharfschütze in Position ist. Dann verschwinde die bizarre Szenerie der Gestalten in der Morgensonne aus meinem Blickfeld. Ich wurde für dich Sicherung des Kanals zugeteilt. Mein Nachtsichtgerät gibt mir Sicherheit. Als mein Team das Licht löscht, ist kurz das Geräusch eines Querschlägers zu hören.
“Verdammt, die Vita Cola ist alle, was gibt´s denn noch?“
“Reich mal die Chips rüber, aber krümel die Tastatur nicht so voll!“
O GO GO! Eine Rauchgranate eröffnet die Runde. Durch den nebligen Kanal stürmen wir Richtung Keller, mein Kamerad vorneweg, ich hinterher. Plötzlich die Konfrontation. Da steht sie, eine Gestalt, im Dunklen, kaum zu erkennen. Schnell in Deckung! Eine Salve binärer Polygone und Pixel streift mein Knie. Ich bin getroffen! Von fern ertönt der Schuss des Scharfschützen wie ein Donnerschlag. 2 Teammitglieder sind gefallen, wie mir über Funk berichtet wird. Es wird eng, immer noch sind wir in dem dunklen, stickigen Kanal gefangen.
Unsere Zweiergruppe will gerade losstürmen, als es meinen Kollegen durch die virtuelle Explosion einer Granate von den Füßen fegt.
Ich bin allein!
“Ey Mann, wo zum Teufel warst du, hab dich echt nicht gesehen!“
„Oben in der Ecke beim Fenster!“
„Na Hammerhart, geiles Versteckt, guter Schuss!“

Lachen von mehreren Terminals aus.
Ich renne, ich stürme, nur noch raus. Gerade kann ich noch eine Bewegung erkennen, bevor auch ich mit gezielten Feuerraten aus dem lokalen Netzwerkverkehr gezogen werde. Die Zeit bis zur nächsten Runde verbringe ich als Geist.
“ Irgendwann musst du mir mal erklären, wie du das machst!“
„Wann gibt´s denn wieder was zu essen?“
„Mach ma n Fenster auf, hier isses so stickig!“

Der Geruch von Ozon und Pizza liegt in der Luft. Leise knistert das Licht, während überall das allgemeine Klappern der Tastaturen zu hören ist. Die Runde endet mit einem versehentlichen Sturz des letzen Gegners aus dem Fenster. Lauthals wird gelacht, dem „Helden“ ironisch auf die Schulter geklopft, das Mikro zurechtgerückt.
Die nächste Runde beginnt.

Willkommen, liebe Leser auf einer LAN-Party, einer der blutigsten, radikalsten Treffpunkte für heranwachsende Massenmörder und blutrünstige Monster. Hier trifft sich nur der Abschaum der Gesellschaft, Ausgestoßene und Abartige, Radikale und Schlächter. Herzlich Willkommen in der Hölle auf Erden!

STOP STOP STOP!!!!!!!!!!!!!!!

Verdammt, ich kann´s langsam nicht mehr hören, sehen lesen. Wo man hinschaut, immer das gleiche, immer die gleiche Volksverhetzung in den Medien gegen eine Gruppe von völlig harmlosen Menschen. Völlig sinnlose Aufruhr gegen eine ganze Gesellschaftsklasse, die nichts ist außer sich selbst. Was diese Menschen getan haben, damit sie es verdienen geächtet, verklagt und beschimpft zu werden, sich als abartig und vollkommen fehlgeleitet fühlen zu müssen? Was vereint Schüler, Studenten, Programmierer, Tester, Communities, Professoren, Fahrlehrer, Stewards, Hobbymusiker und und und…

Die Antwort: Ein Spiel! Ein einfaches Spiel. Der ganze Aufwand, so viel Druckschwärze, Sendezeit, Platz und Gebrüll wegen eines Spiels.
„Counter Strike“ heißt das Zauberwort, das ganz Deutschland aufschreien lässt, sei es aus Protest Bestürzung oder Beschimpfung.
Das Spiel, das laut Ansicht vieler Eltern, Politiker und Kritiker nach den Amokläufen von Erfurt und Emstätten schlagartig für alles verantwortlich war. Das Spiel, das laut den Medien Robert Steinhäuser und Sebastian B. zu ihren abartigen, abgrundtiefen Taten anstiftete, das Spiel, das aus braven, höflichen Kindern blutrünstige Bestien macht, das Spiel das Menschen weltentrückt, verblödet und gewalttätig werden lässt. Das Spiel, das Schuld daran ist, das die Gesellschaft in Robert Steinhäusers und Sebastian S. Fall so kläglich versagt hat. Auf einmal!
Schluss damit! Schluss mit den Lügen, all den Hetzerein und Polarisierungen!

JA, hiermit oute ich mich!
JA, ich spiele Counterstrike!
JA, ich spiele es gerne!

Möge mich die Gesellschaft in all ihrer Selbstgefälligkeit richten. Möge sie mich für immer verbannen und mir das Menschsein, das Recht, Mensch zu sein, für immer aberkennen!
Lange genug habe ich mir all das angehört, habe mit ansehen müssen, wie immer schärfer verurteilt und immer dreister gelogen wurde, ohne wirklich Hintergrundwissen zu haben!

Mir reicht es!

2 Antworten

Kommentare

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    Is der Text schon bisschen älter? Gibt doch aktuell gar keinen Grund sich angegriffen zu fühlen.

    09.05.2012, 09:24 von forst
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    Eijooo, wissen wir doch.

    09.05.2012, 08:53 von Surecamp
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