Ein Machtwort
Heute erneut die EINE Diskussion in einem nicht näher genannten Medium. Dann unter den Kollegen. Was ich denke?
Früher Morgen. Gerade ist die Sonne hinter den Hügeln hervorgekrochen.
Trotzdem brennt der Staub bereits in meinen Augen. Gemeinsam mit meinen
Kameraden breche ich zu meiner Mission auf.
Bereits weinig später spüre ich wie das Fahrzeug stoppt. Jetzt heißt es
alles oder nichts. Jeder muss sich auf den anderen verlassen können. Der
Leader gibt die letzen Anweisungen, bevor die Gruppe sich anschickt,
den Transporter zu verlassen. Schusssichere Westen, Helme werden
verteilt.
Aus dem hinteren Eck des abgedunkelte Raumes ertönt ein Stimmchen: Oh man, das ruckelt heute wieder übelst....
Letzte Kontrollen werden durchgeführt. Genug Munition? Einsatzziele und
Objekte absolut klar? Ich bin bis zum äußerersten gespannt und
konzentriert, nichts darf jetzt schief gehen.
Die Sonne bringt die POLIZEI Aufschriften auf dem Rücken meiner
Team-Mitglieder zum scheinen. Eine letzte Nachladebewegung. Dann Stille.
Jemand steht in der Tür
“Wer wollte die Pizza Salami?“
Es geht los. Geschlossen rücken wir im Team vor, bevor sich die Gruppe
teilt und in Zweiergruppen auf Primär- und Sekundärziele vorrückt. Im
Augenwinkel kann ich das Glitzern einer Mündung erkennen. Ein schwarzer
Schatten steht im Fenster des Zielgebäudes.
Und späht die Umgebung aus. Leise und vorsichtig rücken wir vor und
sichern, bis der Scharfschütze in Position ist. Dann verschwinde die
bizarre Szenerie der Gestalten in der Morgensonne aus meinem Blickfeld.
Ich wurde für dich Sicherung des Kanals zugeteilt. Mein Nachtsichtgerät
gibt mir Sicherheit. Als mein Team das Licht löscht, ist kurz das
Geräusch eines Querschlägers zu hören.
“Verdammt, die Vita Cola ist alle, was gibt´s denn noch?“
“Reich mal die Chips rüber, aber krümel die Tastatur nicht so voll!“
O GO GO! Eine Rauchgranate eröffnet die Runde. Durch den nebligen Kanal
stürmen wir Richtung Keller, mein Kamerad vorneweg, ich hinterher.
Plötzlich die Konfrontation. Da steht sie, eine Gestalt, im Dunklen,
kaum zu erkennen. Schnell in Deckung! Eine Salve binärer Polygone und
Pixel streift mein Knie. Ich bin getroffen! Von fern ertönt der Schuss
des Scharfschützen wie ein Donnerschlag. 2 Teammitglieder sind gefallen,
wie mir über Funk berichtet wird. Es wird eng, immer noch sind wir in
dem dunklen, stickigen Kanal gefangen.
Unsere Zweiergruppe will gerade losstürmen, als es meinen Kollegen durch
die virtuelle Explosion einer Granate von den Füßen fegt.
Ich bin allein!
“Ey Mann, wo zum Teufel warst du, hab dich echt nicht gesehen!“
„Oben in der Ecke beim Fenster!“
„Na Hammerhart, geiles Versteckt, guter Schuss!“
Lachen von mehreren Terminals aus.
Ich renne, ich stürme, nur noch raus. Gerade kann ich noch eine Bewegung
erkennen, bevor auch ich mit gezielten Feuerraten aus dem lokalen
Netzwerkverkehr gezogen werde. Die Zeit bis zur nächsten Runde verbringe
ich als Geist.
“ Irgendwann musst du mir mal erklären, wie du das machst!“
„Wann gibt´s denn wieder was zu essen?“
„Mach ma n Fenster auf, hier isses so stickig!“
Der Geruch von Ozon und Pizza liegt in der Luft. Leise knistert das
Licht, während überall das allgemeine Klappern der Tastaturen zu hören
ist. Die Runde endet mit einem versehentlichen Sturz des letzen Gegners
aus dem Fenster. Lauthals wird gelacht, dem „Helden“ ironisch auf die
Schulter geklopft, das Mikro zurechtgerückt.
Die nächste Runde beginnt.
Willkommen, liebe Leser auf einer LAN-Party, einer der blutigsten,
radikalsten Treffpunkte für heranwachsende Massenmörder und
blutrünstige Monster. Hier trifft sich nur der Abschaum der
Gesellschaft, Ausgestoßene und Abartige, Radikale und Schlächter.
Herzlich Willkommen in der Hölle auf Erden!
STOP STOP STOP!!!!!!!!!!!!!!!
Verdammt, ich kann´s langsam nicht mehr hören, sehen lesen. Wo man hinschaut, immer das gleiche, immer die gleiche
Volksverhetzung in den Medien gegen eine Gruppe von völlig harmlosen
Menschen. Völlig sinnlose Aufruhr gegen eine ganze Gesellschaftsklasse,
die nichts ist außer sich selbst. Was diese Menschen getan haben, damit
sie es verdienen geächtet, verklagt und beschimpft zu
werden, sich als abartig und vollkommen fehlgeleitet fühlen zu müssen?
Was vereint Schüler, Studenten, Programmierer, Tester,
Communities, Professoren, Fahrlehrer, Stewards, Hobbymusiker und und
und…
Die Antwort: Ein Spiel! Ein einfaches Spiel. Der ganze Aufwand, so viel
Druckschwärze, Sendezeit, Platz und Gebrüll wegen eines Spiels.
„Counter Strike“ heißt das Zauberwort, das ganz Deutschland aufschreien lässt, sei es aus Protest Bestürzung oder Beschimpfung.
Das Spiel, das laut Ansicht vieler Eltern, Politiker und Kritiker nach
den Amokläufen von Erfurt und Emstätten schlagartig für alles
verantwortlich war. Das Spiel, das laut den Medien Robert Steinhäuser
und Sebastian B. zu ihren abartigen, abgrundtiefen Taten anstiftete, das
Spiel, das aus braven, höflichen Kindern blutrünstige Bestien macht,
das Spiel das Menschen weltentrückt, verblödet und gewalttätig werden
lässt. Das Spiel, das Schuld daran ist, das die Gesellschaft in Robert
Steinhäusers und Sebastian S. Fall so kläglich versagt hat. Auf einmal!
Schluss damit! Schluss mit den Lügen, all den Hetzerein und Polarisierungen!
JA, hiermit oute ich mich!
JA, ich spiele Counterstrike!
JA, ich spiele es gerne!
Möge mich die Gesellschaft in all ihrer Selbstgefälligkeit richten. Möge
sie mich für immer verbannen und mir das Menschsein, das Recht, Mensch
zu sein, für immer aberkennen!
Lange genug habe ich mir all das angehört, habe mit ansehen müssen, wie
immer schärfer verurteilt und immer dreister gelogen wurde, ohne
wirklich Hintergrundwissen zu haben!
Mir reicht es!





Kommentare
Is der Text schon bisschen älter? Gibt doch aktuell gar keinen Grund sich angegriffen zu fühlen.
09.05.2012, 09:24 von forstEijooo, wissen wir doch.
09.05.2012, 08:53 von Surecamp