Patrick_Bauer 19.01.2007, 16:12 Uhr 21 0

Bis die Blase platzt

„Web 2.0“ ist das große Ding, keine Frage. Doch: Reagieren Investoren zu hysterisch?

Ich sage es gleich vorweg: Ich habe noch nie jemanden gegruschelt. Ich wurde auch noch nie von jemandem gegruschelt. Ich möchte auch lieber nicht gruscheln oder gegruschelt werden. Natürlich darf sich ansonsten gruscheln und gruscheln lassen, wer mag – ich habe mich ja nur gewundert. Da erzählte mir nämlich letztens eine Freundin von einer Party, auf der sie von einem schrecklichen Typen schrecklich plump angegraben wurde. Und erzählte: „Am nächsten Morgen hat er mich gegruschelt!“ Ich war etwas perplex, denn warum, so fragte ich, landete sie mit ihm im Bett, wenn er doch so schrecklich war – und was genau meinte sie mit „er hat mich gegruschelt“ – meine Fantasien zum gemeinsamen Aufwachen reichten nicht aus.

Sie erklärte mir empört, dass sie natürlich nicht mit ihm nach Hause gegangen war, sondern dass er sie am Tag darauf über das Studenten-Sammelbecken studivz.de kontaktiert hatte. Dort gruschelt man sich eben. Wohl eine Mischung aus Grüßen und Kuscheln, vielleicht steht es auch für Gruppenkuscheln, jedenfalls scheint es kaum mehr einen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz immatrikulierten Studenten zu geben, der nicht auf studivz.de registriert ist. Es tummeln sich dort so viele Studenten, dass die nicht unumstrittenen studivz-Gründer ihr Portal zu Beginn dieses Jahres für über 50 Millionen Euro an den Holtzbrinck-Verlag verkaufen konnten. Aus einer kleinen Idee wurde ein riesiger Deal. Der Web-2.0-Boom hat Deutschland endgültig erreicht. Soziale Netzwerke sind das Internet-Ding der Stunde.

Web 2.0, das heißt: Die Internet-Nutzer werden immer mehr zu Produzenten von Inhalten, es geht immer weniger um Programme auf den Computern der Verbraucher, sondern das Internet selbst wird zur Anwendung. Die bekanntesten Beispiele: Myspace.com und YouTube.com. Beide Projekte wurden von jungen Unternehmern gestartet – die nun superreich sind. Myspace.com wurde für 580 Millionen Dollar von Rupert Murdoch gekauft, YouTube.com war Google 1,65 Milliarden Dollar wert. Die Branche rund um das Silicon Valley boomt wieder – ein neuer Goldrausch, nachdem die New Economy mitsamt ihren durchgeknallten Kindern und deren wahnwitzigen Projekten Ende der 1990er Jahre brutal abgestürzt war.

Für die Geschichte „Die Bla-Bla-Blase“ in der aktuellen NEON habe ich mich in Madrid mit Joshua Schachter (http://del.icio.us) und Stewart Butterfield
(http://www.flickr.com) getroffen. Zwei Helden der Web-2.0-Gemeinde. Beide verkauften ihre Self-Made-Online-Ideen an den Internet-Multi Yahoo, beide sind nun Millionär. Und beide staunen zwar, wie viele Menschen sich heutzutage ein Leben ohne Blog oder Myspace-Freunde nicht mehr vorstellen können, glauben aber nicht, dass das Web 2.0, an dem sie entscheidend mitgewerkelt haben, die nächste Internet-Blase ist. Ein Hype, ohne Frage – aber einer der sich nicht so schnell wird erledigt haben, sondern der das WWW nachhaltig geprägt hat. Außerdem, so die beiden, haben die Macher aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und würden nie wieder wahllos Geld in überschätzte Projekte stecken. Angesichts der Fabelsummen, die nun auch in Deutschland gezahlt werden, könnte man daran auch zweifeln.

Was denkt ihr? Wird aus dem Web 2.0 die nächste Blase? Oder anders gefragt:
Kuschelt ihr noch, oder gruschelt ihr schon?

21 Antworten

Kommentare

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    Ich stimme zu. neon.de ist sowas von Web 2.0. Demnach bin ich wohl auch dabei. Ist ja auch ganz unterhaltsam, zwischendurch zur Ablenkung Kontakt mit fremden Menschen zu pflegen oder an der eigenen Außendarstellung zu feilen. Ich find's z.B. nett, wenn andere Leute meine Fotos sehen und mögen.
    Dennoch bin ich vorsichtig und sorge dafür, daß nicht allzu privates ins Netz gelangt. Wenn man außerdem merkt, daß durch zuviel virtuelles Social Networking das Umfeld leidet, sollte man besser einen Gang zurückschalten.
    Vor flickr.com bin ich zurückgeschreckt, weil yahoo für meinen Geschmack zuviel von mir wissen wollte.

    Man kann aus diesen Networks ziemlich viel rausholen, wenn man sie richtig nutzt. Über myspace habe ich schon Interviews mit Musikern vereinbart. Das ging innerhalb eines Tages. Früher hätte man den langen Weg über Plattenfirmen und Management gehen müssen. Trotzdem habe ich nur vier Freunde bei myspace und ich mühe mich auch nicht darum, daß es mehr werden.

    Im Zweifelsfall immer auf die Seite des richtigen Lebens.

    25.01.2007, 02:48 von dondada
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    was ist web 2.0 - hab ich meine allwissenden göttergatten auch gefragt: er hat mir das erstmal auf technisch erklärt und jetzt nochmal was ich verstanden habe (auf frauisch): web 2.0 meint, dass sich das internet seit seiner entstehung verändert hat zu einer interaktiven gemeinschaft in der jeder seinen senf dazugeben kann - in Form von bloggen od. wikipedia - jeder gestaltet am www mit.

    24.01.2007, 23:22 von Issues
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      @Issues Aber interaktiv war das web doch schon immer. Selsbst zu meinen mailbox- bzw usenet-Zeiten habe ich schon schreiben können etc. Gab zwar nicht so schöne Bildchen wie heutzutage, aber das ist keine Revolution des webs, sondern nur eine Evolution.

      So, jetzt hab ichs auch gegoogelt: Web 2.0 ist angeblich die darwinistische Fortentwicklung des Internets seit dem Crash 2001.

      25.01.2007, 09:10 von Romeo_Flausch79
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      @Romeo_Flausch79
      Äh, ok. Aber ich hab doch auch nix von Revolution gesagt. Web 2.0 ist eine Weiterentwicklung des Internet, also eine Evolution. Und das hast Du ja auch geschrieben - "darwinistische Fortentwicklung des Internet" - also Evolution inkl. natürlicher Selektion (denn ein paar Sachen werden sich wohl nicht so bewährt haben und sind dann wieder verschwunden).

      Auf jeden Fall war es noch nie so leicht sich weltweit emotional (und natürlich auch körperlich) sowas von nackig zu machen.
      Ich frag mich nur, ob nicht der eine od. andere Teeny es später bereut, sein Seelenleben od. seine wachsende Brustbehaarung vor der gesamten Weltöffentlichkeit entblöst zu haben. So nach dem Motto: beim Vorstellungsgespräch zum Bankkaufmann der Personaler: "Sie hab ich doch schon mal gesehen - klar sie waren doch der, der sich im Youtube-Clip von 2004 völlig zum Klops und gemacht und anschließend in die Regenrinne übergeben hat" - Na super!

      25.01.2007, 09:52 von Issues
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      @Issues Naja, Selbstenthüllungen und seelenstrip ist auf neon auch angesagt. Hier herrscht eben eine intimdistanzierte Atmosphäre.

      Es gibt so schöne Internetsammlungen "Worest of MySpace". Hossa, das ist lustig. Ratet mal, was sich hinter "thetampongirl" verbirgt? ... Richtig!

      25.01.2007, 09:57 von Romeo_Flausch79
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      @Romeo_Flausch79 "Es gibt so schöne Internetsammlungen "Worest of MySpace". Hossa, das ist lustig. Ratet mal, was sich hinter "thetampongirl" verbirgt? ... Richtig!"

      Du?

      25.01.2007, 18:41 von Mickey
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      @Mickey Hi, schön daß Du ins neue Jahr gekommen bist, ich hätte dich sonst sehr vermißt.

      Was sagst Du denn jetzt zu meiner kleinen Psychoanalyse?

      Grüßle

      R.F.

      25.01.2007, 21:41 von Romeo_Flausch79
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    DAS HIER IST WEB 2.0!

    24.01.2007, 22:10 von MosBar
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    Was ist denn web 2.0? Das studiVZ?

    24.01.2007, 21:54 von Romeo_Flausch79
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    apropos bis die blase platz: pinkeln wenn man muss is das größte!

    24.01.2007, 19:18 von Pilades
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    Es ist eine Blase, weil die Leutz auch hier merken werden, dass Versatz und tote Materie nicht das Glück bringen, was sie gern knallbunt versprechen.

    24.01.2007, 18:16 von schauby
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