Onur_Yildirancan 30.11.2012, 11:26 Uhr 179 6
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Arts & Bytes

Was macht für Euch Kunst aus?

Ist das Kunst oder kann das weg? Wer weiß das schon. MoMA weiß es. Das Museum of Modern Art in New York sammelt und definiert Kunstwerke: Design, Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Photographien, Drucke, Illustrationen, Filme und elektronische Medien - von namhaften Künstlern wie Alice Aycock, Louise Bourgeois, Alexander Calder, Henry Moor, Claes Oldenburg, Eduardo Paolozzi. Noch nie von ihnen gehört. Denn in meiner Jugend leuchteten die Augen bei Begriffen wie Hadouken, Miyamoto, Link, Pac-Man – und XOXO war nicht lieb gemeint, sondern die Button-Kombination für eine besonders morbide Fatality-Attacke in Mortal Kombat. Flawless Victory!

Ist das Kunst oder kann das weg? MoMA weiß es.

Das New Yorker Museum definiert nun auch Videospiele als Kunstwerke und nimmt sie in ihre Sammlung auf. Die Liste umspannt 14 Klassiker - „außerordentliche Beispiele interaktiven Designs – durch die Dekaden hindurch. Ein Ritterschlag für die Spielgemeinde, und eine klare Antwort auf die K-Frage: Sind Videospiele Kunst? Ja, das sind sie. Zumindest einige von ihnen. 

Wenn meine Eltern damals gewusst hätten, dass ich Kunstwerke erlebe, statt kostbare Lebenszeit zu verschwenden, und mich in meiner Leidenschaft unterstützt hätten - was wäre wohl aus mir geworden? Präsident des Obersten Gerichtshofes? Bundeskanzler? Superheld? Oder einfach nur ein ganz normaler Typ, der in seiner Freizeit Rohre verlegt, Feuerbälle schießt und Prinzessinnen rettet. Ja, das wäre wohl aus mir geworden. 

Mal unabhängig vom MoMA-Urteil: Was macht für Euch Kunst aus? Würden wir überhaupt Kunst von Abfall unterscheiden können, wenn es keine Museen und Männer in Monokeln gäbe? Und: Sind die Spieler unter Euch mit der MoMA-Liste einverstanden – welche Klassiker fehlen noch?

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179 Antworten

Kommentare

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    Beschreibende Betrachtung von Kunst hat eigentlich immer den Hauch von Kulturhistorie. Desweiteren schließe ich mich schaubys sämtlichen Kommentaren an, wo es um die Vermittlung subjektiver Erfahrung auf sinnlicher Wahrnehmungsebene geht, die auf Einverständnis ohne Argumentation zielt. Dieses ist ein Prozeß und erst die erfolgreiche Vermittlung, d.h. Produzent und Abnehmerkreis, generieren kunsthistorische Beachtung, die eine -> Einordnung als Kunst, und damit eine Erledigung des künstlerischen Prozesses erst möglich macht.

    Sprich: "Kunst" ist die tote Borke eines lebenden Baumes, nachdem diese ihre Transfer-Funktion erfüllt hat.

    03.12.2012, 00:18 von LudwigMartin
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      Die Kackewurst an sich ist Natur und damit keine Kultur und kann damit keine Kunst sein. s.u. (sailor)

      Eine Photografie oder sonstige Darstellung einer Kackewurst gerät in den Verdacht, Kunst sein zu können. Jawohl.

      Nachdem, was ich oben schrieb, ist ja die Frage, was aktuell Kunst ist, kaum definierbar. Erst nachgehende Betrachtung (kunsthistorisch) vermag ein Urteil zu bilden. Ich nehme als Nichtkunsthistoriker mal an, daß da die Relevanz eine Rolle spielt - also, ob die Darstellung der Kackewurst wirklich halbwegs weltbewegend war.


      Was nicht abspricht, daß Du subjektiv die interessante Zurschaustellung einer Kackewurst durchaus als künstlerisch ansprechend empfinden könntest. Kunst als reine Kommunikation zwischen zwei Subjekten ist immer möglich.

      03.12.2012, 00:44 von LudwigMartin
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    Ich war noch nicht fertig...

    Ob Ergebnis diesen Denkens (extreme Zweckrationalität, Positivismus) auch die genannten PC-Spiele sind, weiß ich nicht. Eigentlich eher nicht, denn Spielen an sich ist eine Verbindung aus komplexer Funktion und Kunst im Sinne von zweckfreier Gestaltung (von Raum und Zeit).

    Das MOMA agiert hier wirklich innovativ, aber konsequenterweise sollte es sich dann auch umbenennen. Die Moderne IST Vergangenheit.

    03.12.2012, 00:07 von LudwigMartin
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    Das MOMA sollte man als das nehmen, was der Name aussagt: Museum of modern art.

    Moderne Kunst ist Vergangenheit. Die Moderne ist eine überholte Epoche. Da hilft auch die Doppelbedeutung von "modern" nicht drüber hinweg.

    Insofern ist das MOMA ein kulturhistorisches Museum und definiert keinstenfalls das, was heute als Kunst empfunden werden könnte oder sollte. Natürlich reicht die Moderne noch weit in das heutige Denken hinein, ein Beispiel dafür sind die Kommentare von quatzat.


    03.12.2012, 00:00 von LudwigMartin
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  • 1

    Ich denke jeder fasst kunst individuell auf
    Kunst ist für mich, etwas das ich sehe oder spüre... sogar ein duft (parfuem)... ein text, ein bild, ein foto, musik
    Eine Muse für für meine Gedanken ^^

    02.12.2012, 00:46 von Lalique03
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  • 1

    "Ist das Kunst oder kann das weg? MoMA weiß es."

    das moma kann weg. und alle idis, die sich da anstellen, weil sie denken, dass es irgendeine relevanz hätte, nur weil es unter dem label moma vermarktet wird. falls es irgendeine branche gibt, die mit der finanzblase vergleichbar ist, ist es der kunstmarkt. pfui teufel, zum henker mit der verlogenen meute.

    01.12.2012, 15:25 von libido
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      Da hast Du leider Recht. Die "Szene" und Branche ist schwer zu ertragen. Wichtigtuer und Raffzähne. Die, die sich wirklich um Künstler und Kunst sorgen, werden weggedrängt.
      Ein Grund, warum ich in der Branche nie arbeiten wollte.

      02.12.2012, 10:45 von cosmokatze
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    In einem anderen Leben habe ich Kunstgeschichte studiert.
    Es ist schade, dass alte Kunst oft als langweilig/altmodisch und moderne als unverständlich/häßlich abgetan wird. Kunst und ihre Entstehung ist ein komplexes, weites Feld mit verschiedenen Disziplinen und Kategorien. Sie unterliegt der jeweiligen Epoche und Strömung ihrer Zeit. Gute Kunst berührt, fasziniert, verstört, stört , irritiert...sie macht etwas mit uns.
    Ich bin z.B. kein Freund der kitschigen Schäferdarstellungen des Rokoko...da laufe ich auch lieber dran vorbei. Aber ich glaube, dass jeder in der Bildenden Kunst etwas für sich finden kann.

    01.12.2012, 15:07 von cosmokatze
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    kunst ist für mich eigentlich nicht greifbar und manchmal mach ich das auch einfach davon abhängig, ob mir das gefällt. beispiel: die expressionisten. alles große künstlerInnen, einwandfrei. ich mag's aber nich leiden. also spar ich mir dann auch den besuch einer ausstellung.
    andererseits gibts in der arte povere exponate, da bin ich mir ziemlich sicher, dass ich die nicht im sinne des schaffenden kapiere. is mir dann aber auch wurst, weil ich das dann trotzdem ansprechend finde. mir persönlich langt das.
    ansonsten hat kunst für mich auch viel mit virtuosität zu tun - eine umwerfende sopranistin, die fein die randkante bedient oder sich mit wilden kadenzen austobt, raubt mir den atem, ein guter drummer dito, mir bleibt die spucke weg, wenn jemand 32igstel-läufe problemlos und ohne fehler auf ner geige herunterfiedelt.

    ach so und die computerspiele, äh, da hab ich mich nicht mit befasst, glaube aber durchaus, dass da echte highlights bei sind.

    und dann find ich manchmal auch, dass ich kunstvoll meinen alltag geregelt kriege, ohne völlig crazy zu werden. das kann man allerdings nicht ausstellen, also sehens auch nicht so viele.

    01.12.2012, 14:00 von lavish
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    wenn man in sich geht und eine soche leere gegenüber der kunst verspürt: ist man dann _tellektuell?

    01.12.2012, 00:24 von libido
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      Was'n mit Deiner Tastatur los ???

      01.12.2012, 14:59 von cosmokatze
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      denken, cosmokatze.

      01.12.2012, 15:03 von libido
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      Wenn ich's lesen könnte, vielleicht.
      Tellektuell ist ein mir unverständliches Wortspiel.

      01.12.2012, 15:09 von cosmokatze
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      in meiner kiffbirne heute früh hat das ganz großartigen sinn gemacht: so wie transparent das gegenteil von intransparent, so tellektuell von intellektuell.

      mit nüchternem kopf betrachtet, war der eher so lala.

      01.12.2012, 15:18 von libido
    • 1

      Schön, dass Du das einsiehst!
      Ich hatte heute noch nicht das Vergnügen, bekifft zu sein, sonst hätte ich wahrscheinlich drei Stunden drüber abgelacht, anstatt zu fragen !

      01.12.2012, 15:22 von cosmokatze
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