Weltsprache 05.06.2010, 18:17 Uhr 1 0

anders ist das neue gleich!

Wer wirklich anders sein will, sollte einfach den stecker aus dem Modem ziehen und raus an die Sonne gehen...

Als das Internet in den wirren des kalten Krieges von Amerikanischen Geheimdiensten und Militärs geschaffen wurde um die Menschen zu kontrollieren, hatte niemand erahnen können das nicht dass Inertnet die Menschen, sondern die Menschen das Internet erobern würden.
Es hat vielen die Freiheit gebracht Orte zu sehen die sie sonst nie gesehen hätten, man konnte mit Freunden in ständigem Kontakt stehen und Leute aus der ganzen Welt kennen lernen. Informationen waren noch nie so einfach zu sammeln und weiterzureichen. Doch es brachte nicht nur gutes. Als Folge dessen verrohte die Gesellschaft, es verzerrte die Wirklichkeit und die Wahrnehmung der Menschen.

Heute existieren Communitys in den weiten des Netzes mit hundertausenden angemeldeten Usern, die von ihrem Geburtstag bis hin zur Körbchengröße unterschiedlich viel von sich preisgeben. Für alle Bedürfnisse gibt es eine Adresse die mit ".de" oder ".com" endet, doch egal wohin es einen auch verschlägt, die Menschen bleiben die selben.
Niemand will in eine Schublade geschoben werden, jeder will ein individualist sein, sein eigener Herr. Verrückt, witzig, anders. Doch was die wenigsten Wahrhaben wollen ist die Tatsache das jemand der von sich behauptet anders zu sein, in wirklichkeit genauso gleich ist wie sein Nachbar.
Das Internet ist ein Basar, ein Obstmarkt so Gott will und wir präsentieren uns dort oft anders als wir in Wirklichkeit sind. Das ganze fängt schon bei der ersten Eigenschaft einer solchen Community an. Dem Profilbild!

Photoshop, Gimp und Co. ermöglichen faszinierende Eindrücke für das Menschliche Auge, retouchieren Falten, speck, Narben und Sommersprossen, rücken das Licht in den richtigen Winkel oder legen in dutzenden Ebenen die unterschiedlichsten Effekte auf ein simples Bild. Aber nicht nur im bearbeiten der Bilder unterscheidet man diese, auch die Präsentation des Protagonisten trägt viel zum ersten Eindruck bei. Es gibt die Mauerblümchen, die Selbstdarsteller und die Menschen ohne Gesichter. Es gibt die, die sich geschmackvoll in Szene setzen und dabei nicht mit ihren Reizen geizen, es gibt die Pulloverträger die sich aus 20 Meter entfernung ablichten lassen und es gibt die, die sich einfach nur vom Hals aus abwärts Fotografieren. Der vielfalt sind keine Grenzen gesetzt aber neues wird man auch hier nicht entdecken, wer damit klar kommt ist schon ein ganzes stück weiter.

Bei der Gestaltung des Profils durch persönliche Angaben, Weisheiten und Aussagen könnte man wieder einiges an Boden gut machen auf dem Weg zum individuellen Profil, doch auch hier gibt es nichts einzigartiges. Ein Text, geschrieben mit dem eigenen Herzblut ist in wenigen Augenblicken kopiert und auf dutzenden neuen Seiten zu finden. Das ist die Schattenseite des Internet. Copy & Paste.

Mein Persönlicher Favorit bei der Gestaltung von Profilen ist neben den Sätzen: "Ich bin anders", "ich mache jeden scheiß mit" und "schreibt mir doch mal kreative Mails" ganz klar "ich lebe für die Musik" oder auch wahlweise "Musik ist mein Leben". Musik, ganz klar ein indikator für unsere Gefühle und Stimmung wird als Mittel zur Individualisierung genutzt, man höre die Lieder intensiver, erkenne die Gefühle des Schreibers oder beschäftigt sich im allgemeinen mehr damit als andere. Da aber jeder gerne Musik hört und die unterschiedlichsten Erfahrungen zu bestimmten Liedern gemacht hat finde ich eine solche Aussage unangebracht. Wenn sich jemand meiner Meinung nach eine solche Aussage erlauben darf, dann sind es die Musiker unter uns.

Ein anderes immer stärker auftretendes Phänomen ist das selbstbewusstere Auftreten der User, ob man hier von Rückgrat oder Mut sprechen kann bleibt fraglich, denn hier und dort tauchen immer mehr Einladungen zum Camsex oder ähnlichem auf. Es ist wohl die Distanz zur wirklichen Person die man fragt, welche uns solche Schritte wagen lässt. In der Wirklichkeit schüchterne Menschen reden ganz offen mit ihren Mitusern. Manch einer füllt auch seine Buddy oder Freundesliste genannt mit hunderten Online Bekanntschaften. Und es gibt sie wirklich, die Buddysammler. Sie klicken sich durch hunderte Profile und stellen einfach einen Buddantrag.

Ebenso beliebt ist das allgemein bekannte "fishing for compliments" oder das Kommentieren von Bildern. Selbstlos ist heutzutage fast niemand mehr und das merkt man an der Denkweise der heutigen User. Es ist noch nicht mal das betteln um Kommentare in form von "Bitte macht mir ganz viele Kommis", sondern vielmehr das vorraussetzen eines Kommis als Antwort auf eines das man selbst getätigt hat. Fest steht das die heutige Jugend starker Liebe und zuwendung bedarf aber vieleicht reicht es schon allen Eltern nahezulegen ein paar Nette Worte unter die Bilder ihrer Kinder zu schreiben.

Und zu guter letzt widme ich die letzten Worte an meine ganz besonderen Lieblinge, es sind natürlich die Frauen unter uns. Diese tendieren dazu an stumpfsinnigen Mails ala "Hey wie geht´s dir" und "was machst du so?" herumzunörgeln bzw. gar nicht erst zu antworten. Die Simple Tatsache das eben jene Frauen selbst keine anderen Mails zu stande bekommen wenn der Mann ihrer Wünsche auf ihrem Profil war und nichtssagend geht sollte ihnen eigentlich zu denken geben aber dem ist nicht so.
Sie stellen Ansprüche die Sie selbst nicht erfüllen.

Liebe grüße,
Weltsprache


PS: Wer wirklich anders sein will, sollte einfach den stecker aus dem Modem ziehen und raus an die Sonne gehen.

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