Zum Tod von Osama Bin Laden
Die Nachricht vom Tod Osama Bin Ladens hat in der westlichen Welt eine enorme Begeisterung entfacht.
Die Nachricht vom Tod Osama Bin Ladens hat in der westlichen Welt eine enorme Begeisterung entfacht. Amerikanische Bürger verabredeten sich zu spontanen Siegesfeiern auf den Straßen, skandierten mit simplen "USA! USA!"- Rufen die Stärke einer gebrochen geglaubten Supermacht. Regierungsmitglieder der westlichen (und östlichen) Verbündeten gratulierten Obama mit einem verbalen Schulterklopfen zur Liquidierung ihres größten Feindes. Hört man auf das mediale Echo, dann gibt es anscheinend Grund zur Freude. Und dennoch fällt es mir schwer, mich diesem Freudentaumel zu ergeben? Warum nur?
Osama Bin Laden ist gewiss ein Verbrecher und seine Organisation Al-Quaida zweifelsohne eine terroristische Vereinigung. Und so niederträchtig und erbarmunglos sowohl Bin Laden als auch Al-Kaida ihren Krieg gegen die westliche Welt geführt haben mögen, sind sie meines Erachtens nicht das abgrundtief Böse als das sie gerne in unseren Breitengraden dargestellt werden. Sie sind vielmehr die fehlgeleitete und extreme Ausformung eines Antiamerikanismus und Antiimperialismus, der, wenn man sich ein bisschen mit der Geschichte Amerikas und Europas befasst, nicht jeglicher Grundlage entbehrt. Wenn man nun mit Osama bin Laden einen Anführer dieser weltanschaulichen Gesinnung tötet, dann ist das, als bekämpfe man die Symptome einer Krankheit ohne sich um deren Ursachen zu kümmern. Oder wie Hugo Weaving als V in V wie Vendetta sagt: "Hinter dieser Maske ist mehr als nur Fleisch. Hinter dieser Maske steckt eine Idee, und Ideen sind kugelsicher." Die Maske ist abgerissen, der Mensch ist tot. Aber die Idee lebt weiter.
Ich warte eigentlich zur Stunde auf den Politiker, der sich zum Tode Osama Bin Ladens etwa wie folgt äußert: "In Anbetracht der Gefahr, die von Osama bin Laden und seiner Gruppe ausging, ist neben aller Freude doch auch ein wenig Skepsis angebracht. So finde ich es bedenklich, wenn Menschen in der westlichen Welt sich über den Tod eines Menschen freuen, wie sonst nur bei einem gewonnenen Fußballspiel der Nationalmannschaft während einer Weltmeisterschaft. Auch finde ich es bedenklich, dass Barack Obama, bzw. die amerikanische Regierung ihren Kampf gegen den Terrorismus immer wieder als einen Kampf von Gut gegen Böse darstellt. Wie gut ist denn ein Land, dass sich nach außen als Verfechter von Frieden, Demokratie und Freiheit darstellt, und gleichzeitig erwiesenermaßen unschuldige, ich wiederhole, erwiesenermaßen unschuldige Menschen knapp zehn Jahre auf einem Stützpunkt ohne ein ordentliches Strafverfahren gefangen hält, aus Angst, es könnten eventuell Terroristen sein? Wie gut ist ein Land, das die Bestrebungen nach Demokratie in Libyen unterstützt, indem es eine von der UN Resolution nicht genehmigte Operation durchführt, die die Tötung des missliebigen Dikators Gaddafi zum Ziel hat, aber gleichzeitig schweigt und im Nichtstun verharrt, wenn es um Syrien, Darfur oder China geht? Wie gut ist schließlich ein Land, das junge, ungebildete Männer in den Irakkrieg schickt, damit sie dort nach Lust und Laune aus Helikoptern auf Zivilisten schießen können, die sich bei genauerem Hinsehen als Reporter entpuppen? Ich empfinde hier keinen Anlass zur Freude, sondern ich frage mich vielmehr, wie diese Freude in Teilen der arabischen Welt aufgenommen wird. Muss Ihnen unsere Freude nicht wie Hohn vorkommen? Denken Sie nicht gerade jetzt, dass es um einen Krieg des Christentums gegen den Islam geht? Und wäre es nicht viel angebrachter, gerade in einem solchen Moment nüchtern zu bleiben, und zu sagen, dass der Tod Bin Ladens ein Anlass zu innerer Einkehr ist? Müssten wir in der westlichen Welt uns nicht eigentlich vielmehr fragen, wie es dazu kommen konnte, dass einige Islamisten sich so sehr in ihrem Hass auf uns verlieren, dass sie dafür freiwillig ihr Leben geben? Und machen wir es uns letztendlich nicht ein bisschen einfach, wenn wir diese Islamisten als Geistesgestörte abtun? Ich weiß nicht, ich empfinde keine Freude beim Tod eines Menschen, egal wie schlecht er auch zu Lebzeiten gewesen sein mag."

Kommentare
Wir leben eben dich noch in Zeiten, wie im Mittelalter, als es zur Volksbelustigung gehörte auf den Marktplatz zu gehen um zu sehen, wie Menschen gehenkt werden. Es könnte einem beinahe wie die "Glaubenskriege 2.0" vorkommen.
09.12.2011, 17:20 von Lady_Hope@[Benutzer gelöscht] Kein Mensch besitzt das Recht, über Leben und Tod eines anderen Menschen zu entscheiden. Dass es sich trotzdem so viele herausnehmen, ist bedauerlich. Es tut mir leid, es zu sagen, aber aus meiner Sicht stellt sich Barack Obama, der schillernde (Ehemals-) Hoffnungsträger, auf dieselbe Ebene wie die Terroristen. Auge um Auge, Zahn um Zahn? Oder vernunftgeleitete, öffentliche Verhörung, Anklage und durch Verhöre die Möglichkeit, die Standorte und Pläne anderer Terroristen aufzudecken und so weitere mögliche Anschläge zu verhindern? Abgesehen von diesen Chancen, die durch die Ermordung Osama Bin Ladens vergeudet wurden, muss ich sagen, dass ich die Freude der Amerikaner - wie viele andere hier - nicht teilen kann. Durch den Tod des "Staatsfeindes Nr.1" ist wirklich nichts getan. Vorsicht davor, sich jetzt auf euren künstlichen Lorbeeren auszuruhen!
10.05.2011, 00:08 von Ckebreboist das Ganze nciht die Grimaldi Hochzeit 2956 in Vorbereitung? - oder war es ERROR?
07.05.2011, 21:32 von papaya234auch mich hat die Meldung von bin Ladens Tod nicht sonderlich berührt. Nicht, dass mir alles egal wäre, was er und seine Organisation im Namen seines Glaubens taten oder getan behauptet haben, nur ganz ehrlich -
05.05.2011, 11:02 von axellentwer hat in den letzten zwei Jahren noch was von ihm gehört? Osama hat sich in einer "Villa" , wenn man sein Versteck überhaupt als solches bezeichnen kann, verkrochen. Kein Internet, kein Telefonanschluss, nur wenige Fenster durch die Licht einfällt, eine handvoll Vertrauter um sich. In der ständigen Gefahr lebend, von einer US-Spezialeinheit aufgestöbert und exekutiert zu werden. So ist es letztlich auch geschehen.
Die strategische Leitung von Al-Kaida oblag doch längst anderen Köpfen, die weniger überwacht und isoliert waren.
Meiner Meinung nach hat man mit bin Ladens Tod nicht mal sonderlichen Einfluß auf die "Symptome einer Krankheit" genommen, von den Ursachen ganz zu scheigen.
Wenn der Westen in seinem "Kampf gg den Terrorismus" eines gelernt haben sollte, dann, dass Terrororganisationen wie Al-Kaida nicht vertikal sondern horizontal organisiert sind. Operationen werden von einzelnen Zellen ausgeführt, die auch in Deutschland entstehen können und entstanden sind.
Der Tod bin Ladens wird keinerlei Auswirkungen am Status Quo haben, Racheakten zuträglich sind mit Sicherheit aber die Reaktionen westlicher Politiker. Eine solche Nachricht "freudig zu begrüßen" zeugt doch von Dummheit wenn man bedenkt, mit welch instrumentalisierter Sprache in der Politik sonst zu Werke gegangen wird, um sich Kritik zu entziehen!
@axellent da stimme ich dir absolut zu!
06.05.2011, 10:58 von systemhinweismich hat die nachricht auch nicht sonderlich berührt und auch gar nicht überrascht, eben weil er nicht mehr präsent war.
und dieses gut-böse-spiel ist auch genau das, was ich an den USA nicht mag- amerikanischer traum hin oder her. nichts ist schwarz oder weiß, die welt ist grau.
Keine Religion ist richtig oder falsch. ich bin überzeugte katholikin und habe meine ansichten über die welt, geprägt von allen möglichen einflüssen- werde ich dafür verurteilt?
oder, wenn der pfarrer unserer gemeinde hinterrücks erstochen würde, hörte die gemeinde dann auf zu glauben?
bestimmt nicht, danke für das beispiel mit der maske. finde ich echt treffend :)
und danke für den artikel. ich finde ihn treffend und wenn jemand meint, er sei aufgeblasen... ts, dann ist das halt so. der inhalt bleibt ja doch der gleiche und seit eh und je dienen stilmittel der untermalung der aussage.
gut gemacht!
Und ich dachte noch, der Obama holt den Trumpf erst aus dem Ärmel, wenn die Wahlen nicht mehr fern sind. Der Schröder hat das mit der flut damals besser gemacht :).
04.05.2011, 19:49 von srsly_improvableIch kann die Freude jetzt ehrlichgesagt auch nicht wirklich nachvollziehen. Als ich gehört habe, daß Osama bin Laden tot ist, hab ich einfach gar nichts empfunden, weil sich nichts ändert.
04.05.2011, 07:06 von MmePetitMein psychologisches Wissen ist nicht so ausgeprägt, deswegen kann ich nicht sagen, wie sich ein solches Ereignis auf eine vom Terror gebeutelte Nation auswirkt. Aber ich hab seit der Meldung glaub ich nochmal seit etwa einem Jahr erst wieder an bin Laden gedacht und von daher war meine Reaktion ein Schulterzucken und die Frage: Und jetzt?
Jetzt holen sich diese Leute halt einen anderen, den sie an seine Stelle setzen oder was weiß ich. Ich weiß nicht, was in den Köpfen von Terroristen vor sich geht. Aber ich kann mir nicht vorstellen, daß der Tod Osama bin Ladens irgendwas besser macht.
Es ist ein Symbol mit anscheinend positiver Wirkung. Und wenn nächste Woche keiner mehr drüber redet, dann geht es weiter wie bisher.
Ich empfinde auch keine Freude.
04.05.2011, 00:28 von KokomikoFreude hätte ich empfunden, wenn sie dem Arsch vor dem Ableben seine verfickten Eier auf kleiner Flamme gegahrt hätten.
ja,dieser jubeltrubel verwirrt mich schon ein wenig, bezüglich Bin Ladens Tod.
03.05.2011, 23:36 von weAreAnimalsIst ja auch nicht so als hätte der Mann keine Unterstürtzung gehabt. Die USA ist zudem sehr extrem was "Terrorismus" angeht.
Ich habe nicht das Gefühl, dass das alles richtig läuft im Moment. Krieg wird mit Kreig bekämpft und Frieden durch Krieg erzwungen. Nicht das ich da groß eine Ahnung von habe, und nicht dass ich die Al-Quaida oder ähnliches gutheiße, denn für mich klang das einfach, als wären sie strickt gegen alle die nicht ihre WErtvorstellung teilen, ja irgendwie klar, aber den großteil der welt auszulöschen kann keinen Sinn ergeben,
aber nach allem bin ich einfach nur stark irritert. die BILD titelseite gibt einem ja dann noch den Rest.
Amen
@weAreAnimals Es ist schon sehr interessant alles!
04.05.2011, 00:42 von ByanciIch habe mich gerade auch noch ein bisschen al-Qaida belesen und wusste gar nicht, dass sie 1993 schon auf das World Trade Center einen Anschlag verübt haben ...
Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wie ich als Amerikaner reagiert hätte. Dieses Land hat "physisch" weit mehr mit al-Qaida zu tun gehabt als wir. Ich möchte nicht sagen, dass ich als Amerikaner in Jubel ausgebrochen wäre, aber sicherlich wäre mir so etwas wie ein Stein vom Herzen gefallen. Sicher, ein Schmunzeln kommt bei so etwas eher nicht zustande. Ich weiß es nicht, aber wenn ich aus dem Fenster all die jubelnden Menschen gesehen hätte, hätte ich mich angeschlossen? Oder wäre ich mit erhobenem Zeigefinger durch die Menge geschritten? Oder hätte ich mich hinterm Vorhang versteckt und sie beschämt beobachtet? Ist es bei den meisten ein Mitgefiebere? Ist es wirklich Freude? Vielleicht eher eine hoffende Freude?
Also Westerwelle fühlt sich jetzt sicherer, deswegen haben die Amerikaner auch die Botschaft in Pakistan geschlossen ...
Obama kriegt seinen Applaus ...
Ich halte Füße still und Ohren steif.
Der Artikel ist nicht mehr als eine Vorlage für die üblichen Moralwichser.
03.05.2011, 15:27 von quatzatSich auf die andere Seite zu stellen und zu sagen, dass etwas bedenklich sei oder dass alles ganz anders sei, macht vielleicht bei 14jährigen Mädels irgendwie Eindruck, aber einen 3-paragraphigen, mit Worthülsen aufgeblähten Artikel nicht zu einem guten.
Wobei, wie schon in einem anderen Kommentar angedeutet, die fehlende Reflexion von 'gut' am meisten nervt.
@quatzat Erstens: Ich stelle mich nicht auf die andere Seite, denn ich lasse kein gutes Haar an Osama bin Laden und definiere ihn als Verbrecher und als Vertreter einer verirrten und krankhaften Ausformung einer Ideologie.
03.05.2011, 19:51 von PatrickManganZweitens: Wenn jemand, der die Einhaltung international festgelegter Richtlinien fordert, ein Moralwichser ist, dann müssen alle, die den Mord an Bin Laden gut heißen und dabei Freude empfinden, sich den Vorwurf gefallen lassen, chauvinistische Machos zu sein, um 8-Jährige Mädchen ins Bett zu kriegen.
Drittens: Die Definition von GUT ist ein Instrument, das die Amerikaner, bzw. die westliche Welt zur Definition ihres eigenen Charakters benutzt, bzw. mißbraucht, wenn ich dieses Adjektiv in meinem Text wieder aufgreife, dann nicht ohne Ironie.
Viertens: Ich lade dich dazu ein, einen etwas längeren und ausführlicheren Artikel zu schreiben, der deine Position sachlich darlegt. Einen zynischen Wutkommentar zu schreiben, ist ein Leichtes dagegen.
@PatrickMangan 1) Du betrachtest das viel zu indifferent. Klar stellst du dich auf die andere Seite gegenüber den Menschen in Amerika, die jetzt Jubeln. Ich schrieb nichts von Seiten wie 'Proamerikanistisch' oder 'Proislamistisch'. Mit solchen Plattitüden gewinnt man noch nicht einmal auf Neon einen Blumentopf. Ich sage nur, dass es müßig ist, eine Reaktion 'bedenklich' zu finden, ohne sie zu versuchen zu verstehen. Das ist einfach die Anwendung früh-BRDlichen Reaktionismuses auf die reaktion dieser Amerikaner.
04.05.2011, 11:15 von quatzatWenn du es benklich findest, dann schreib doch bitte, warum. Der Text schlittert in dieser Frage noch nicht einmal an der Oberfläche entlang, er hat gut ausgebaute Flügel und knallt ungefähr 10 km an der Oberfläche des Kerns vorbei.
2) Seit wann ist es eine international festgelegte Richtlinie, einen Kopf einer feindlichen Partei nicht zu jagen und zu stellen und unschädlich zu machen?
3) Ironie schützt vor fehlender Hinterfragung nicht. Abgesehen davon, dass der Text in keinem Moment irgendwie Ironie vermittelt. Wenn man den Begriff gut an dieser Stelle wirklich ironisch gebrauchen würde (was kein bisschen zum Resttext passwen würde, der eher ernst-trieferich daherkommt), müsste man das stilistisch ganz klar abgrenzen.
Eine intensivere Beschäftigung mit diesem Begriff hätte dem Text gut getan.
4) Ich lade dich dazu ein, einen etwas längeren und auführlicheren Artikel zu schreiben, der deine Position reflektiert und tiefergehend darlegt. Einen zynischen Wutkommentar zu schreiben, ist eine wahre Kunst gegen diesen Artikel.