FrauMeier 30.11.-0001, 00:00 Uhr 27 39

Wir treffen Susis neuen Freund

Susi hat wieder einen neuen Freund. Nachdem sie bisher so von den Männern enttäuscht wurde, hat sie jetzt endlich den Volltreffer gelandet!

Ich kenne Susi noch aus der Grundschule.
Genauer gesagt erst seit dem Abkommen, dass wir im Sportunterricht in der zweiten Klasse geschlossen haben.
Susi und ich sind immer bis zum Ende auf der Bank sitzen geblieben, wenn unsere Klassenkameraden sich ein Team fürs Völkerball zusammengestellt haben.
Susi und ich haben nicht gut Ball gespielt, wir interessierten uns zu dieser Zeit nämlich ausschließlich für Barbies und Ponys.
Deswegen haben wir vereinbart, wenn wir einmal zum Teamauswählen dran sind, wählen wir uns gegenseitig als allererstes aus.

Außer diesem, uns in diesem Alter gewichtig erscheinenden Vertrag, hatte ich nichts mit Susi zu tun, weil Susi sehr langweilig war.


Erst als ich ins Gymnasium kam wurde Susi wieder interessant, da ich kaum jemanden in der neuen Klasse kannte, setzte ich mich zu Susi.
Susi war sehr fleißig, alle Stifte waren gespitzt, alle Schulbücher eingebunden, so wie es Susis Art war, und sie hatte immer alle Hausaufgaben gemacht.
Das wird wohl der Grund sein, warum ich viele Jahre neben Susi sitzen geblieben bin.

Als der Anteil der Bravoleserinnen und BHträgerinnen in unserer Klasse stieg begannen wir uns alle für Jungen zu interessieren.
Eine andere Freundin von mir, Chrissy, erwählte einen Basketballspieler aus der neunten Klasse, und weil es so schön praktisch war und auch meinem sozialen Status dienlich nahm ich seinen besten Kumpel zum Freund, auch ein Basketballspieler aus der neunten Klasse.
So gingen wir zusammen Eisessen und auf Basketballspiele,
auf denen wir probierten, die Cheerleader mit Blicken zu töten.

Wir versuchten auch Susi für Basketballer zu begeistern, um so unsere Freizeit sowohl mit unseren Freunden als auch mit unseren Freundinnen verbringen zu können.
Aber früh zeigte sich Susi Tendenz zu Freaks, sie erwählte einen Punk aus der achten Klasse, der trotz seiner jungen Jahre schon zweimal sitzen geblieben war, wie sie uns ganz stolz erzählte.

Chrissy und ich waren nun zwar liiert, was uns aber nicht davon abgehalten hat, auch anderen Jungen hinterher zu kucken, wer weiß, vielleicht findet sich ja noch etwas besseres.

Anders Susi.
Susi malte Herzchen mit seinem Namen auf ihre Schulsachen, übte ihre zukünftige Unterschrift mit seinem Nachnamen, legte sich ein Palästinensertuch zu und zerschnitt ihre neue Levis501, die sie gerade eben zum Geburtstag bekommen hatte.
In Ihrer Freizeit lag sie auf dem Rathausplatz, zusammen mit fünf anderen Punks, 20 leeren Bierflaschen, zwei Schäferhunden und einem Ghettoblaster, der sie mit WIZO beschallte.

Ja ja, die Susi war eine sehr loyale Freundin.
Er war nie nett zu ihr, vor seinen Kumpels sagte er immer „ach, mein Schatten folgt mir wieder“ und alle lachten, „aber wenn ich mit ihm alleine bin“ sagte Susi, „dann ist er ganz anders, ganz lieb“.


Und während die Jahre und die Jungen an Chrissy und mir vorbeirauschten, blieb Susi ihrem Punk treu.
Der Punk war inzwischen sowohl von der Schule als auch zuhause rausgeflogen und verbrachte seine Tage mit Schnorren am Rathausplatz. Gott sei Dank war sein Vater Zahnarzt und hatte ihm eine voll ausgerüstete 2 Zimmer Wohnung zur Verfügung gestellt.

Dort ging Susi immer nach der Schule hin, aufräumen und kochen, und brachte ihm und seinen Freunden das Essen auf den Rathausplatz, wo sie mit den Worten :“Da ist wieder dein Schatten, Alter“ begrüßt wurde.

Susi machte das nichts aus. „Wisst ihr“, sagte sie, “er ist einfach meine erste große Liebe, der muss man treu bleiben. Ihr wechselt ja ständig eure Männer, ihr wisst nicht wie das in einer langen Beziehung ist. Ok, er lügt mich an und ist dauernd betrunken und lästert immer über mich, aber wenn ich ihn nur lange genug und ganz fest liebe, dann ändert er sich ganz bestimmt“.

Vier oder fünf Jahre hat sie ihn ganz lange und ganz fest geliebt, bis er ihr gestand, er hätte eine Fünfzehnjährige geschwängert, und sein Vater drehe ihm den Geldhahn ab wenn er sich jetzt nicht auf seinen Arsch setzt und was aus seinem Leben macht. Und weil er nun so vieles Wichtiges zu tun hätte solle sie ihn bitte nicht weiter behindern und ihre Beziehung als beendet betrachten, wenn sie nun bitte ihre Sachen mitnehmen würde, bei der Gelegenheit solle sie vielleicht auch noch einmal feucht rauswischen.

Susi war am Boden zerstört.
Wir waren mitten in den Vorbereitungen zum Abitur, und Susi, immer eine Musterschülerin, wollte sich umbringen.
Alle guten Worte nutzten, wie auch die vergangenen Jahre, nichts, wir begleiteten Susi zum Rathausplatz, wo sie ihren Ex damit konfrontierte, dass sie sich nun die Pulsadern aufschneiden wolle.
Der lieh ihr sein scharfes Taschenmesser und sagte „längs, nicht quer, sonst klappt es nicht, kriege ich deine Ärzte-CDs, ihr seid Zeugen“

Susi schnitt sich nicht die Pulsadern auf.
Susi lag in ihrem Kinderzimmer mit verdunkelten Rollläden und machte ihre Mutter wahnsinnig, weil sie nicht zu den Abiturprüfungen gehen wollte.
Susis Mutter drohte ihrerseits, sie habe keine Schratze 13 Jahre in die Schule getrieben damit sie am Abi-Tag im Kinderzimmer einem dauerbesoffenen nichtsnutzigem Punk hinterher trauere und so ihre Zukunft verbaue, wenn sie nicht hinginge schnitte sie sich selbst die Pulsadern auf.
Die Drohung wirkte, Susi bestand ihr Abi mit dem erwarteten Einserschnitt

Ihr Hausarzt riet ihr zu autogenem Training, um ihre Depressionen in den Griff zu bekommen.

Nach der ersten Stunde autogenem Training war Susi wie ausgewechselt.
Sie wusch sich wieder die Haare und zog ihre Schmuddelklamotten nicht wieder an.

Sie erzählte uns, im autogenen Training habe sie einen ganz tollen Mann kennen gelernt, den Rainer.
Der Rainer ist ganz anders, ein bisschen Älter, sehr verständnisvoll und einfühlsam, er leitet die Stunden und ist so gebildet und reif.

Susi ging vier Stunden zum autogenen Training, dann zog sie bei Rainer ein.
Eigentlich wollte Susi ja Medizin studieren, aber weil sie dann so weit weg von Rainer, der sie so sehr braucht, wohnen würde, entschied sie sich für BWL, das konnte sie bei sich in der Stadt studieren.

Und während alle in alle Teile der Republik ausschwärmten, blieb Susi bei Rainer.

Susi war sehr verliebt in Rainer. Man konnte nicht mit ihr Telefonieren, ohne sich stundenlang Rainers Vorzüge anhören zu müssen. Zeigte man Ermüdungserscheinungen war Susi beleidigt und behauptete, man würde sich nicht mit ihr freuen und gönne ihr Rainer nicht.

An Weihnachten waren wir alle wieder in unserer Heimatstadt versammelt, und da Rainer Geburtstag hatte, bot es sich nun an, ihn persönlich kennen zu lernen.

Da wir Rainer noch nicht kannten gingen wir Geschenke-technisch auf Nummer sicher und kauften ihm eine Flasche guten, teuren Whisky.
Beim schreiben der Karte stutzen wir, wir wussten nicht wie alt er wird.
Chrissy behauptete boshaft, sie haben ihn mal mit Susi von weitem in der Stadt gesehen, der wird bestimmt schon 50.

Weil wir ihr nicht glaubten ließen wir die Karte weg und machten uns auf den Weg.

Susi und Rainer wohnten im hässlichsten Wohnblock der Stadt.
Beim Öffnen der Wohnungstür machte uns ein Mann, den wir uns als Rainers Vater vorstellten, auf.
Susi stand hinter ihm.

„Darf ich euch vorstellen, das ist Rainer, und das sind meine Freundinnen“

„Äh Rainer…..schön dich kennen zu lernen…..habe schon viel von dir gehört, alles Gute ….wie alt wirst du denn?“

„ Biologisch 55, aber da ich mich an die feinstofflichen Ernährungsvorschriften halte, verjüngt mich meine Aura und ich feiere heute meinen wirklichen, 33sigsten Geburtstag“

„Oh ja, wir haben dir etwas mitgebracht….magst du guten Whiskey?“

„Äääh Susi, ich bin ein bisschen enttäuscht, hast du es deinen Freundinnen nicht gesagt, Alkohol macht die feinstoffliche Energie in der Wohnung kaputt, das möchte ich hier nicht haben, falls ihr Handys habt tut sie bitte wieder runter in eure Autos, ich kriege Kopfweh von Elektromagnetischer Strahlung“

Wie bedeppert bringe ich den guten Whisky wieder ins Auto und unsere eingesammelten Mobiltelefone.

Zurück in der Wohnung sitzen wir in im Wohnzimmer auf dem Boden auf Sitzkissen und trinken Jasmintee, außer uns war niemand eingeladen.
Weil niemand etwas sagt, traue ich mich: “Äh Rainer, ihr wohnt in einem großen Wohnblock mit duzend Wohneinheiten, die haben doch auch Alkohol und Elektrogeräte in der Wohnung, macht dir das nichts?“

„Weißt du, ich bin es müde zu erklären, aber ich mache jeden morgen ein aufwändiges energetisches Reinigungsritual für unsere Wohnung, das verstehst du nicht.
Ich bin schon seit Jahren Frührentner weil mich die Welt da draußen fertig macht mit ihrer Hektik und Dummheit, früher war ich immer krankgeschrieben, mein Energiehaushalt war nicht in Ordnung, aber jetzt gebe ich nur noch ein paar Yogastunden und ich merke, wie ich immer jünger werde“

„Aha…..äh.“

„Ich weiß ihr versteht mich nicht, nur Susi versteht mich. Denkt an Jesus, der wurde während seines Lebens auch nie verstanden, und jetzt verehren ihn Milliarden, oder die großen Künstler sind oft verhungert weil sie niemand verstanden hat, und jetzt kosten ihre Bilder Millionen“

Stille….Susi steht auf um uns ihre neuen Küchenmöbel zu zeigen, ich bleibe mit Rainer alleine sitzen.

„Susi hat mir schon viel von euch erzählt, jetzt spüre ich es ganz deutlich, du hast eine sexuelle Blockade“

„Ich habe was?“

„Ja, anfangs streiten es alle ab. Sex ist eine mächtige Energie, die darf man nicht bremsen.
Du lässt deine sexuelle Energie ungenutzt brachliegen“

„Äh…mein Freund und ich sind eigentlich immer ganz zufrieden“

„Nein, das meine ich nicht, das sind Sachen von denen du keine Ahnung hast. Wie bei dem kleinen Frosch im Brunnen, der keine Ahnung vom großen blauen Meer hat.
Aber keine Angst, ich kann dir helfen. Hast du schon mal von Tantrasex gehört. Ich kann dir das beibringen, dich fallen zu lassen, und zu erleben was du noch nie erlabt hast, das wird dein Leben verändern. Komm doch einfach nächste Woche, wenn Susi in der Uni ist, vorbei, die ist ein bisschen unfrei im Denken und toleriert nicht immer, wenn ich anderen helfen will“

„Äh ja, ich überlege es mir“

Zehn Minuten später sind wir gegangen und ich habe ihn nie wieder gesehen.

Ich hatte danach nur noch sehr wenig Kontakt zu Susi, wir hatten keine wirklichen Gesprächsthemen mehr.

Erst gegen Ende des Studiums rief sie mich an und sagt, ein Headhunter hätte ihr eine ganz tolle, auf 6 Monate befristete Stelle in den USA angeboten, aber sie wisse nicht, ob sie annehmen solle, Rainer sei gegen den Kapitalistenverein und würde Schlußmachen wenn sie geht.

Als ich ihr sage, sie solle einmal bitte nur einmal vernünftig sein und die Stelle annehmen, wenn sie so scharf auf ihren Rainer ist, kriegt sie das schon wieder hin mit ihm, und wenn nicht ist es eh besser für sie.
Sie ist beleidigt, beendet das Gespräch schnell und ich höre wieder fast ein Jahr nicht mehr von ihr, bis ein Brief kommt, in der sie freudig die Geburt ihrer Tochter Aurora-Solaris mitteilt.

Chrissy und ich wollten es mit eigenen Augen sehen und fuhren gemeinsam zum hässlichen Wohnblock, als wir mal beide wieder in der Stadt waren.

Susi freute sich wahnsinnig als sie uns die Tür öffnete.
Sie bot uns ein Glas Rotwein an, den sie heimlich hinter den Putzsachen versteckt hatte, dort kam Rainer nie hin.

Dann erzählte sie, sie hätte eigentlich die Stelle in den USA annehmen wollte, aber Rainer war plötzlich so anhänglich und wünschte sich ein Kind, er hätte vielleicht nicht mehr soviel Zeit und wolle dem Kind beim Großwerden zuschauen, und sie solle sich nicht so egoistisch auf ihre Karriere konzentrieren, bald wenn das Kind älter ist könnte sie ja weiterstudieren und arbeiten und er bliebe beim Kind.

Jetzt aber wo das Kind da ist nimmt es überhaupt nicht die feinstoffliche, harmonische Energie der Wohnung auf, sondern es schreit die ganze Zeit, und weil Rainer so sensibel ist, geht er ganz oft raus und übernachtet auch bei einem guten Freund, den sie gar nicht kennt.

Es war ein lustiger Abend, wir haben ganz viel Rotwein getrunken, Susi hat heimlich mitgeraucht obwohl sie ja stillte, wir haben uns Essen vom McDonalds geholt und als das Baby aufgewacht ist sind wir mit ihm auf dem Arm durch das Wohnzimmer getanzt und über die Sitzkissen gehüpft.

Danach habe ich mir vorgenommen, wieder öfter was mit Susi zu machen, weil es doch so lustig mit ihr ist.

Ich habe ganz schnell wieder was mit Susi gemacht und es war gar nicht lustig.

Ein paar Wochen später hat Rainer nämlich den ganz großen Zwang verspürt, sich noch mal selbst zu verwirklichen, er wird ja auch älter und hat nicht mehr so viel Zeit in seinem Leben.
Er hat beim Yoga Jutta kennen gelernt, sie ist 19 und auf dem Weg in ein Ashram nach Indien um das Meditieren von der Pieke auf zu lernen, und da Susi und Aurora-Soralis ihn in seinem geistigen Wachstum einschränken, geht er mit Jutta nach Indien.

Das hat er ihr vier Stunden gesagt bevor der Flieger gegangen ist, hat sein Zeug gepackt und zog davon. Den Mietvertrag hatte er wohlweislich schon vor drei Monaten gekündigt.

Irgendwann im Laufe der letzten Jahre hatte Susis Vater mal gesagt: Entweder Rainer oder wir, deswegen konnte sie jetzt nicht zu Ihren Eltern, darum hat sie mich angerufen.

Gut, das ich Urlaub hatte.
Wir sind alle Ämter abgefahren, um zu sehen, ob sie finanzielle Hilfe bekommt, waren beim Jugendamt, wegen Unterhaltsvorschuß, wo wir auch erfahren haben, das Rainer schon 5 Kinder von 3 anderen Frauen hat, für die er nicht bezahlt, und das Land eigentlich nicht verlassen darf, weil er in einem Rechtsverfahren des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird.

Susi war am oden zerstört.
Sie wollte sich die Pulsadern aufschneiden, wollte aber nicht dass Aurora-Solaris in ein Heim kommt und wollte, dass ich sie adoptiere.
Nachdem ich mich mit allen Mitteln gewehrt habe, versprach sie sich wenigstens so lange nicht umzubringen, bis Aurora-Solaris in den Kindergarten kommt.

Sie hat ganz schnell einen Platz im Mutter-Kind-Haus gefunden, dort waren viele lustige Mädels, die haben uns geholfen die alte Wohnung auszuräumen und zu streichen, und haben sich alles was nicht niet- und nagelfest war unter denselbigen gerissen, weil Susi nichts behalten wollte.

Und weil bei den lustigen Mädels im Mutter-Kind-Haus viele verkrachte Existenzen waren die nur ein Kind und sonst nichts hatten ging es Susi bald besser, weil sie ein Kind und ein fast fertiges Studium hatte.

Sie hatte noch ein Urlaubssemester, hat Aurora-Solaris bei den lustigen Mädels gelassen und hat einen Teilzeitjob in einem Bauunternehmen im Büro gefunden.

Nach ein paar Tagen wollte sie ihre schicken Klamotten von den lustigen Mädels zurück, die sie ihnen beim Umzug geschenkt hatte und behauptete, das war ein Missverständnis. Die lustigen Mädels haben nur gelacht und es lustig gefunden und ihr ihre BWL-Studiums-Kostümchen zurückgegeben.

Damit ist sie dann jeden morgen voll aufgetakelt auf hohen Absätzen ins Bauunternehmen-Büro abmarschiert, als ob sie auf eine Misswahl geht.

Der Grund war schnell klar…..Karl-Heinz.
Karl-Heinz war der Chef vom Bauunternehmen, und seine Exfrau, die Sau, hat ihn einfach verlassen, und die Kinder mitgenommen. Ach ja, und vorher hat sie noch gesagt, entweder seine Mutter muss gehen, also ihre Schwiegermutter, oder sie gehe.
Und weil sie null Sinn für Familie hatte, ist sie tatsächlich gegangen, die Sau.
Das hat sie schon seit Jahren gesagt, aber dass sie tatsächlich geht hätte Karl-Heinz nie gedacht.

Jetzt war Karl-Heinz sehr einsam und das Büro hat er auch nicht alleine geschafft, darum ist Susi schnell bei ihm eingezogen, seine mit im Haus wohnende Schwiegermutter passt auf Aurora-Solaris auf.
Karl-Heinz sagt nämlich so minderjährige Mütter und das ganze andere asoziale Geschwärrl aus solchen sozialen Einrichtungen die er mit seinen Steuergeldern finanziert sind nicht der richtige Einfluss für ein kleines Kind.
Seine Mutter kann Kinder vollkommen korrekt erziehen, das sieht man ja an ihm, beim ihm hat sie ja auch alles richtig gemacht, das hat nur seine Ex, die Sau, nicht begriffen.
Chrissy und ich sind auch bald bei Karl-Heinz, seiner Mama, Susi und Aurora-Solaris eingeladen.
Damit es nicht nach Inspektion aussieht, nehme ich zur Tarnung meinen Freund Jan und Chrissy ihre Freundin mit.

Karl-Heinz hat ein riesiges, protziges Haus.
Nicht umsonst arbeitet er sich fast tot, er will ja auch was für sein Geld haben, hehe, sagt er und sein Schnauzer wackelt wenn er redet.

Er redet und redet, hat keine Angst um die feinstoffliche Energie seiner Wohnung und bietet uns gleich einen Schnaps an, auf den noch viele weitere an diesem Abend folgen.
Seine Mutter hat großartig gekocht, seit in der früh um sechs, nur wegen uns, und ihr Schlafzimmer ist direkt neben der Küche, sagt sie, dass hat Heinzi extra so geplant damit sie immer für ihn da sein kann.

Wir essen und reden, das heißt, wir essen, Karl-Heinz redet, und zwischendurch schiebt er sich ein Stück Schweinebraten in den Mund, das wir in verschieden Kau-Stadien betrachten können während er spricht.

Wir jungen Leute seien zwar hoch gebildet, aber in der Praxis und im Durchhaltevermögen, da hapert es.

Ich platze stolz heraus, dass ich nach meinem Studium jetzt schon ein Jahr arbeite, aber er winkt ab, ein Jahr ist ja gar nichts, sein Bauunternehmen hat schon seinem Opa gehört, seine Mama lächelt selig.

Irgendwann wanken wir nach Hause.

An Karl-Heinz denke ich erst wieder, als ich mit Susi in der Stadt bin und sie plötzlich erstarrt.

„Da hinten ist Heinzis Exfrau!“
„Die Sau, hihi?“
„Pssst, sei still, das ist nicht lustig, hoffentlich sieht sie mich nicht, sie kennt mich, hat mich gesehen als sie Heinzi die Kinder mal gebracht hat.“

Und tatsächlich, sie sieht Susi.
Kommt auf sie zugelaufen, aber nicht so wütend wie es in einem Hollywoodfilm gewesen wäre, sondern über das ganze Gesicht lächelnd.

„Huhu Susi, schön dass wir uns mal treffen, meine Kinder haben mir schon so viel von dir erzählt, na, wie geht’s dir denn?“
Susi ist ganz verdutzt.
„Äh…gut..danke, und selbst?“
„Hervorragend, besser als die letzten Jahre zuvor. Ich bin so stolz dass ich es geschafft habe ihn zu verlassen. Anfangs hat er mich oft mitten in der Nacht angerufen und beschimpft und als Sau bezeichnet, zusammen mit meiner Exschwiegermutter, das war so lächerlich.
Als es plötzlich aufgehört hat habe ich schon gehofft dass eine neue Frau dahinter steckt.
Ich bin dir so dankbar. Eigentlich müsste ich dir eine Aufwandsentschädigung zahlen, hihi.
Aber du ich muss los, wenn wir uns das nächste Mal treffen lade ich dich auf einen Kaffee ein, ok, mach’s gut, tschüß!“
„Äh ja tschüß“

Susi ist ganz verdutzt und wir brechen den Stadtbummel bald ab, weil sie so schweigsam ist und Aurora-Solaris sich mit Eis beschmiert hat.

Das nächste Mal sehe ich Susi und Karl-Heinz auf meiner Hochzeit.

Mein Freund und ich wollten uns ein Haus kaufen, und urplötzlich haben wir unser Traumobjekt gefunden und müssen uns ganz schnell entscheiden.
Und weil die Bank bessere Kreditraten gibt und alles billiger wird, wenn man verheiratet ist,
verzichten wir auf unsere große Traumhochzeit, die nächstes oder übernächstes Jahr hätte stattfinden sollen, und nehmen den nächsten Termin den das Standesamt uns gibt.

Deswegen wollen wir nur ganz klein Feiern gehen, und auf der Gästeliste stehen auch Susi und Karl-Heinz.

Karl-Heinz begrüßt mich am schönsten Tag meines Lebens nur ganz kurz und steuert dann auf meinen Mann in spe zu.
Er zieht ihn von mir weg, und ich höre, wie er ganz laut etwas von Ehevertrag, Alimenten und Unterhalt erzählt.
Jan lacht nur und schüttelt immer wieder den Kopf, Karl-Heinz gestikuliert wild in der Luft umher und schreit.

Während der Trauung kucke ich immer wieder zu Karl-Heinz und er starrt fassungslos auf meinen Fastmann und schüttelt immer wieder den Kopf.

Später beim Essen erzählt er jedem der es hören will, und auch allen anderen, wie naiv die jungen Männer doch sind, bei allen Frauen muss man vorsichtig sein, man lande wegen ihnen auch als hart arbeitender Mann allzu oft in der Armutsfalle.

Susi sitzt daneben, lächelnd entschuldigend und zuckt immer wieder mit den Schultern.

Ein paar Monate später ruft sie mich an und erzählt mir, dass Heinzis Mutter sie nichts im Haushalt machen ließe, weil sie es viel besser könne, und sich dann bei Heinzi beschwert, dass sie den ganzen Haushalt allein machen müsse weil Susi so faul ist.
Susi bemüht sich nach Kräften und geht sogar mit Heinzis Mama zum Bridge-Spielen, aber die Situation ist zu verfahren.

Nachdem sie ein paar Mal mit Chrissy und mir beim Kaffeetrinken war, und wir sie ausreichend aufgehetzt haben, will sie ihn verlassen.

Sie ist ganz stolz auf sich, weil normalerweise verlassen sie die Männer und nicht umgekehrt.

Und tatsächlich, sie nimmt sich wieder eine kleine Wohnung, schreibt sich wieder bei der Uni ein um ihr Studium zu beenden, packt ihre Sachen, sagt zum Spaß noch zu Karl-Heinz „entweder deine Mutter oder ich“ und geht.

Danach hat sie sich öfter mit der Exfrau von Karl-Heinz getroffen, und sie sagt es waren sehr lustige Abende.

Sie beendet ihr Studium und jobbt nebenbei, und trifft sich mit Chrissy und mir oft im Cafe.
Da erzählt sie uns, dass sie jetzt endgültig kuriert ist, sie war ja immer so naiv, sie wird sich nie wieder etwas von einem Mann gefallen lassen, sie war ja so blöd.

Nachdem sie ihr Studium mit Bestnoten abgeschlossen hat und natürlich wieder einen Topjob angenommen hat, den sie am nächsten Monatsersten antreten soll, will sie noch zwei Wochen mit Aurora-Solaris nach Frankreich in den Urlaub fahren.

An ihrem dritten Urlaubstag bekommen Chrissy und ich beide die gleiche SMS:

„Hallo ihr lieben Zuhausegebliebenen, ich habe in Frankreich meine große Liebe getroffen.
Er ist 21, Musiker und sieht blendend gut aus, ist so erfischend lustig und unabhängig.
Es grüßt Susi, wünscht mir Glück!“

An ihrem 13 Urlaubstag kommt folgende SMS:

„Hallo, kannst du bitte in meine Wohnung gehen und mein rotes Sommerkleid und Aurora-Solaris Barbiepferd an die folgende Adresse schicken…. Ich bleibe noch ein bisschen, gehe mit Mike auf Tour, das tut mir so gut, Job ist gekündigt!“

Danach höre ich lange nichts von ihr, ich gehe wie verabredet in ihre Wohnung zum Blumengießen.
Ich leere den Briefkasten und öffne wichtig aussehende Post.
Das Jugendamt schreibt, Rainer ist wieder da und behauptet, Susi habe sein Kind entführt, sie solle sich innerhalb von 14 Tagen zur Sache schriftlich äußern, sonst würden rechtliche Schritte gegen sie unternommen werden

Ich schreibe es ihr per SMS, zurückkommt:

„Hallo Süße, vielen dank, aber das mit dem Amt….who cares, das Leben ist doch herrlich!“


Vier Monate später klingelt es Sonntags frühmorgens an meiner Haustür, eine sonnengebräunte Susi drückt sich an mir vorbei und sagt, „lass mich mal an deinen PC ich muss ins Internet E-Mails checken, an der Uni sind alle PCs belegt“ sagt Hallo zu Jan und setzt sich vor unseren PC als wäre sie nie weg gewesen.


Scheinbar ist die erwartete E-Mail nicht dabei, den ganzen Vormittag sitzt sie an unserem Schreibtisch und drückt tausende Male geduldig die Aktualisierten-Taste und lässt sich mit Kaffee und Kuchen bedienen.
Später bestellt sie dann Rotwein und viel später dann Schnaps, während Aurora-Solaris im Garten die teuren Kois meines Mannes mit Kuchenresten füttert.

Ganz später, Aurora-Solaris ist auf dem Sofa eingeschlafen und Jan hat alle Kuchenreste aus dem Teich gefischt, aktualisiert Susi immer noch und erzählt aus Frankreich.

Der sei es halt gewesen, der ist wirklich etwas besonderes, etwas ganz besonderes.
Zwar war er noch so jung, aber das merkt man gar nicht, mancher fünfzigjährige sei noch nicht so weit.

Er hat sie so aufgebaut, weil er kann richtig leben und sei nicht so spießig wie mein Mann und ich mit unserem Haus und unseren Teich und unseren Kois, nur so als Beispiel.
Er sei Musiker und sie sein mit ihm und seiner Band monatelang durch ganz malerische Orte am Meer getingelt, sie haben von der Hand in den Mund gelebt, na gut, sie sei schon ein paar mal zum Geldautomat gefahren, vor allem als er ein neues Bike brauchte, aber wen interessiert der Dispo wenn man mal so richtig frei sein kann.

Er habe nur gestern nach einem Telefonat dringend weggemusst, hat sie schnell zum Flughafen gebracht und gesagt, er schreibt ihr gleich morgen eine E-Mail und erklärt es ihr, er liebt sie und bald, ganz bald werden sie sich wiedersehen.

Bis Mitternacht aktualisiert sie den Browser und wartet auf seine Mail, dann legt sie sich zu Aurora-Solaris auf das Sofa.

Als wir am nächsten Morgen aufstehen, sitzt Susi wieder am PC und aktualisiert den Browser.

Aurora-Solaris kickt die Kügelchen von unseren Hydrokulturpflanzen durchs Haus, Jan und ich gehen arbeiten.

Als ich am Abend von der Arbeit komme aktualisiert Susi den Browser und Aurora-Solaris hat es geschafft eine DVD von Jan einzulegen und guckt stirb langsam.

Als mein Mann von der Arbeit kommt sagt er Susi, der Franzose hat ganz sicher nicht ihre mail-adresse verloren, sondern meldet sich nicht weil er sich nicht melden will, basta, wenn einem eine Adresse wichtig ist verliert man sie nicht.
Außerdem, er hat zwar kein Handy, aber er habe Susis Handynummer und könne sie jederzeit anrufen, wenn, ja wenn es ihm denn wichtig wäre.

Susi ist sehr bestürzt, sagt, ihr kennt ihn nicht, ihr würdet so was nicht über ihn sagen wenn ihr ihn kennen würdet.

Dann fährt Susi mit Aurora-Solaris nachhause, die einen verkrüppelten Ast im Garten gefunden hat, den sie in der Hand hält, auf uns richtet und immer peng peng tot sagt.

Am nächsten Abend ist sie wieder da, er hat sich immer noch nicht gemeldet.

Jan ist noch nicht zuhause, er fährt mit der Bahn nachhause, irgendwas ist mit der Bahnstrecke und der Schienenersatzverkehr funktioniert nicht, darum kommt er sehr viel später.

Aurora-Solaris erschießt uns geschätzte vierhundertmal mit ihrem verkrüppelten Ast und sagt vierhundertmal peng peng tot.

Nachdem Susi mit dem aktualisieren fertig für heute ist, setzt sie sich zu mir auf die Terrasse und wir trinken Rotwein.

Susi sagt, wenn sie ihn nicht wiedersieht, wird sie sich umbringen, weil ein Leben ohne ihn hat einfach keinen Sinn.
Mein Mann und ich haben so ein schönes Haus und weil wir ja eh Kinder wollen, könnten wir uns ja auch um Aurora-Solaris kümmern, damit sie nicht ins Heim kommt.

Als ich Susi gerade hochgehandelt habe, dass sie noch solange mit dem Umbringen wartet, bis Aurelia-Solaris in die Schule kommt, kommt Jan nach hause.

„Na ihr zwei, worüber redet ihr denn schönes, doch etwa nicht über Franzosen“ sagt er und lacht.

„Nein,“ sagt Susi stolz „ich schneide mir erst dann die Pulsadern auf, wenn Aurora-Solaris in der Schule ist, weil deine Frau sagt, vorher ist sie ihr zu klein, vorher adoptiert sie sie nicht“

„Das ist eine hervorragende Idee Susi, vielleicht überlegst du es dir dann ja noch anders bis dahin.
Auch Pulsadern aufschneiden ist super, ich bin heute wieder drei Stunden später aus der Arbeit gekommen, Personenschaden heißt das bei der Bahn, hat sich wieder einer davorgeworfen.
Armer Lokführer, und die armen Sanitäter, die den Dreck dann wegputzen müssen.
Da denk ich mir, warum hängen sich die Leute nicht einfach im Keller auf oder schneiden sich die Pulsadern daheim in der Wanne auf, warum muss es denn immer noch so ein spektakulärer Abgang sein, wenn die Selbstmörder noch so viele Rechnungen offen haben warum rächen sie sich nicht einfach anstatt sich umzubringen?“

Ich bin fassungslos und sage zu Jan, „sag mal, spinnst du? Das was du denkst ist doch krank!“

Jan wird nachdenklich und entschuldigt sich. Er habe sich heute nur wieder so ärgern müssen, weil es wieder so spät geworden ist, normalerweise sagt er so was nicht und es tue ihm leid.

Susi sagt: „Nein, wieso, du hast doch vollkommen recht mit dem was du sagst, ist doch logisch, du musst dich doch nicht für so was entschuldigen, also bitte, das ist doch überhaupt nicht schlimm, er hat ja nix gemacht, armer Jan, bitte fühle dich jetzt nicht schlecht!“

Jan und ich schauen uns an und für einen kurzen, ganz kurzen Moment bekommen wir einen Hauch einer Ahnung, weswegen Susis Beziehungen so laufen wie sie laufen.

Susi besucht uns noch oft in diesem Jahr, und irgendwann hat sie wieder einen ihrer gut bezahlten Jobs, so dass die Besuche seltener werden.

Man trifft sich hin und wieder in der Mittagspause auf einen Cafe oder bei gemeinsamen Freunden, und wenn Aurora-Solaris mal bei Rainer übernachtet, darf Susi uns besuchen, weil nach Aurora-Solaris Besuchen des Öfteren das große Koi-Sterben einsetzt.

Eigentlich wirkt sie ganz glücklich mit ihrem Job, ihrer Tochter und ihrer schönen Wohnung.

Vorgestern kam von Chrissy eine SMS:

„*ACHTUNG*ACHTUNG*ACHTUNG* susi verschickt sms*ACHTUNG*ACHTUNG*ACHTUNG*“


Vier Sekunden später kam eine SMS von Susi:

„Hallo meine lieben Freunde, gute Neuigkeiten: Ich bin schwer verliebt! Nachdem ich bisher so von den Männern enttäuscht wurde, habe ich jetzt endlich den Volltreffer gelandet: er ist klug, lustig, unternehmungslustig, hat einen sicheren Job und sieht dazu noch sehr gut aus!
Kennen lernen könnt ihr ihn am Samstag, 18:00 beim Grillen auf meiner Terrasse.
Grüsse Susi und Martin.

Es ist Samstagabend, ich stehe noch im Bad und mache mich fertig für heute Abend, mein Mann steht vor der Tür und motzt, dass er auch noch duschen muss und ich soll mich beeilen.

Gleich wird Chrissy mit ihrer Freundin da sein, und dann fahren wir gemeinsam los.


Wir treffen Susis neuen Freund.

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27 Antworten

Kommentare

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    Klingt nach meiner früheren Sandkastenliebe.

    25.11.2013, 08:35 von Emil_Empire
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    Fortsetzung!!

    17.12.2010, 00:25 von laylalani
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    oh man, es gibt zu viele Susis auf dieser Welt, ich kenn da auch so eine.
    Toll geschrieben!

    30.08.2007, 12:05 von Wackelkontakt
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    Richtig, richtig geil!!! Ich konnte gar nicht mehr aufhören mit dem Lesen!
    Hoffentlich erfreust du uns bald mit einer Fortsetzung!!! Wirklich - ganz, ganz toll!!!

    22.07.2007, 21:32 von Thymianwidderchen
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    wie geht's weiter???

    19.07.2007, 16:51 von absolut.space
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    Super, bitte mehr von Susi!!!

    19.07.2007, 14:24 von Suuki
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    Sehr schön, auch wenn der Schreibstil zuweilen infantil wirkt..
    Und ich muss Jan Recht geben: warum werfen sie sich vor den Zug? Das ist so unnötig!

    18.07.2007, 21:40 von Claud187
    • 1

      vielleicht erhoffen die Suizidalen sich, dass es schnell und möglichst schmerzfrei vonstatten geht.

      23.11.2013, 06:10 von Tora
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