Wenn ich nur wüsste..
was ich dir sagen soll. Und was es gewesen ist.
Wenn ich nur wüsste, ob es überhaupt noch etwas zu sagen gibt. Viel geredet haben wir ohnehin nicht. Waren einfach nur da. Oft nebeneinander, einander gegenüber und dann wieder weit voneinander entfernt. Es ist schwer, etwas in Worte zu fassen, wovon man nicht einmal weiß, was es überhaupt darzustellen vermag. Es gibt keine Bezeichnung für das, was wir für einander waren.
Manchmal überkommt es mich. Ich könnte einfach lossprudeln und dir einfach alles vor die Füße knallen, was mich die letzten Monate beschäftigt hat. Doch schon zwei, drei Momente später würde ich es zurücknehmen wollen, denn irgendwie wäre dann zu viel gesagt für das, was wir füreinander zu sein pflegten.
So oft ich auch versucht habe, mir Gedanken darüber zu machen, was es ist, bin ich kläglich gescheitert. Bei all den gängigen Definitionen zwischenmenschlicher Beziehungen, die der Duden zu bieten hat, gibt es dennoch keine, in die man unsere pressen kann. Du hast damals mit "Nochirgendwas" ins Schwarze getroffen.
Wir hatten von allem ein bisschen, doch von nichts viel. Jetzt ist es vorüber und ich weiß nicht wie ich mich fühlen soll, denn ich weiß nicht einmal, wie ich gefühlt habe. Du warst niemals Freund, denn dafür warst du zu egozentrisch. Eine Affäre warst du nicht, dafür waren die Umstände zu gewöhnlich und einige Gespräche zu intensiv. Für eine simple Bettgeschichte war es doch zu selten. Irgendwie hast du acht Monate meines Lebens gefüllt. Mit dir.
Etwas erleichtert bin ich. Ein wenig verletzt. Und auf eine merkwürdige Art und Weise fehlst du mir. Mir fehlt der Rotwein mit dir und die Nächte, die wir anfangs hatten. Als wir uns alle möglichen alten Schnulzen reingezogen haben und vor Lachen am Boden lagen. Vielleicht hätten wir es einfach so weiterlaufen lassen sollen. Ich weiß gar nicht mehr, wann wir aufgehört haben, das zu sein.
Über so vieles ärgere ich mich jetzt. Ich war nicht ehrlich, als ich von Gefühlen sprach. Verliebt hab ich mich nicht. Ich verliebe mich anders. Und doch habe ich dich mehr als gern. Vielleicht war es meine Einsamkeit, die aus mir sprach. Du kamst in einer ganz blöden Zeit.
Verletzt hat es mich, dass du nicht da warst, weil ich mir doch mehr Bedeutung in deinem Leben beigemessen habe. Verzeih, mein Fehler. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Und ich leide latent an großen Erwartungen.
Nun willst du etwas von mir hören, obwohl du selbst kaum etwas sagst. Wenn ich nur wüsste, was ich dir sagen soll...
Vielleicht, dass etwas fehlt.
Vielleicht, dass irgendwas nicht richtig ist.
Vielleicht, dass ich einiges bereue.
Vielleicht, dass ich gern auf Anfang spulen würde.
Vielleicht, dass es mir leid tut, denn ich war nicht fair.
Vielleicht, dass ich mir wünsche, dass du bleibst, als "Nochirgendwas"

Kommentare
"..denn irgendwie wäre dann zu viel gesagt für das, was wir füreinander zu sein pflegten."
16.08.2011, 23:43 von fakeinWie ich das kenne. Man weiß nicht was man sagen soll. Hat Angst zuviel hinein zu interpretieren und am Ende der zu sein, der bemitleidet wird, weil er zu viel gefühlt hat.
Ganz toll, Hut ab....
11.08.2011, 10:50 von hobbyprofiDiese Zwischenbeziehungen, die einfach nur "Nochirgendetwas" sind, können jemanden echt fertig machen. Nie zu wissen, was es ist, was es nicht ist... zu viele erleben es und keinem nützt es. Um sich mit dem anderen darüber klar zu werden, was es ist, ist es zu wenig. Loslassen kann man es auch nicht, da sich ja doch irgendwo irgendetwas versteckt. Gefühle sind gar nicht einfach.
26.01.2011, 00:55 von rhynadieser zustand, ich kenne ihn so gut. "schwebe " ist mein wort dafür, denn wie du treffend ausdrückst. eine affäre ist es nicht, dafür sind die gespräche zu intensiv und es rein auf das bett zu reduzieren, wäre genauso falsch.
23.11.2010, 13:00 von MsGeburtoh. wie gut es tut zu lesen dass andere gleich ratlos sind. hab mich wie ein beobachter meiner eigenen situation gefuehlt, beim lesen deines textes ..
15.03.2009, 13:15 von sinithoh mannn..oder frau...du sprichst aus meiner seele, schöner hätte ich es nicht schreiben können.
09.02.2009, 18:46 von mariciawow...awesome!
01.12.2008, 13:06 von clauseneine sehr wahre geschichte. gut.
31.10.2008, 03:12 von ciao.bellaDein Text hat mich sehr erschreckt, denn du schreibst mir aus der Seele. Auch ich bin gerade dabei, mich von einem "nochirgendwas" zu lösen. Problematisch wird es, wenn du zwar wieder jemand neuen hattest - und dich trotzdem nicht lösen kannst. Denn wenn das andere beendet ist stehst du wieder vor diesem "nochirgendwas", denn es war ja so schön einfach, so herrlich unkompliziert (was es dann wiederum richtig kompliziert macht) Zum "Glück" kommt uns ein Jahr Ausland dazwischen, die Situation zwingt uns, es zu beenden - man weiß nicht, wie lange es sonst noch weitergegangen wäre...
27.08.2008, 15:02 von absolut_herDu nimmst mir wahrlich die verschwiegenen Worte aus dem Mund...herrlich.
28.06.2008, 19:19 von Herzlosigkeit