Was kann das Nichts?
Manchmal ist ein Schlussstrich kein Schlussstrich. Da ging beim Zeichnen die Tinte aus und entfacht Hoffnung.
Manchmal braucht man den Schmerz immer und immer wieder, um zu begreifen. Den Stich ins Herz, weil man den davor doch immer wieder so gern verdrängt. Da möchte man so sehr verzeihen, kann nur leider nicht vergessen. Und schon ist das Verzeihen überflüssig geworden.
Manchmal ist es irreführend. Da denkt man "So, das wars jetzt! Das war zuviel!" Die Grenze - doch Grenzen sind weit, und am nächsten Morgen wacht man auf und bemerkt: "Scheiße, ich lieb ihn trotzdem immer noch". Und kaum hat man sich versehen, infiziert sich die Liebe mehr und mehr mit Wut, die steigert sich zu Hass, und man verliert die Fähigkeit zu unterscheiden: Liebe oder Rachegelüste? Aus dem Religionsunterricht weiß man noch vage, dass da ein großer Unterschied sein sollte. Auch gefühlsmäßig und so. Kann man so etwas verlernen? Oder verhält es sich wie mit dem Schwimmen oder Radfahren - einmal gekonnt, niemals verlernt. Momentan bezweifle ich das.
Da ist ein Gefühl, das man nicht deuten kann, Dinge die man plötzlich nicht mehr in Worte fassen kann, und plötzlich steht man vor seiner Liebe oder dem Objekt des Hasses und weiß nicht, ob man ihn schlagen oder küssen soll, weil die Kommunikationsfähigkeit gerade gestorben ist.
Wenn etwas gestorben ist, kommt es nicht zurück, oder?
Aber wer sagt, das kalter Kaffee nicht schmeckt, der hat noch keinen Frappé getrunken. Man kann etwas daraus machen, man braucht nur neue Zutaten, die das Ganze auffrischen und zu etwas Anderem, Ähnlichem machen. Aber was, wenn die Zutaten fehlen? Und was ist mit dem Teil, der gestorben ist, der doch nicht mehr wieder kommen kann? Wenn gekochte Nudeln erhärten, kann man sie dann nochmals in heißes Wasser werfen, und schmecken sie dann besser? Oder behalten sie einen faden Nachgeschmack?
Und was ist mit den Vertrauensprozenten? Wenn sie aufgebraucht sind, kann man sie beim nächsten Casinobesuch zurückgewinnen, obwohl man nichts einzusetzen hat und die Bank doch immer gewinnt? Da war der Einsatz einmal zu hoch, und plötzlich steht man vor den Trümmern des schmerzenden Nichts. Ratlosigkeit über und über, und immer wieder taucht dieses verletzende Wort auf: Nichts.
Aus Nichts kann man Nichts machen. Das Kapital fehlt. Beim Radfahren bauchst du auch den ersten liebevollen Schwung. Wenn dir den niemand gibt, fällst du um. Versuchst du's dann nochmal? Du weißt ja nicht, was falsch war. Du weißt ja nicht wie's geht. Ratlosigkeit. Aber immer noch dieses Gefühl - irgendwie muss das doch funktionierten. Oder geht man dann irgendwann auf Nummer sicher und bleibt bei den Stützrädern, obwohl es ohne doch viel aufregender wäre?
Aber der Mut fehlt, und die Angst ist da. Bitte nicht noch einmal hinfallen, es tat so weh, und die Narbe am Knie erinnert immer daran. Noch schmerzender sind die Worte: Nie mehr! Nie mehr geht das Gefühl, dass da etwas ist. Nie mehr verschwindet dieses Band, das dich an ihn fesselt. Nie mehr verschwindet er völlig aus deinen Gedanken. Die sich drehen und drehen und drehen....und niemals enden. Nie mehr kannst du ihn aus deinem Lebenslauf streichen, oder sollte man es Liebeslauf nennen? Nie mehr geht das Gefühl. Das Gefühl bleibt. Kann man das als nötigen Schwung oder Startkapital einsetzten, den letzten übrig gebliebenen Jeton im Gefühlscasino? Und wenn ja, will man das letzte was man hat, das einem geblieben ist vom Nichts, einsetzen? Setzt man sich dabei nicht selbst aufs Spiel?

Kommentare
Ich hab die ersten beiden Absätze gelesen und dachte so..kacke?
29.04.2011, 22:48 von ImpulsivNicht des Textes wegen, sondern aufgrund der ****situation.
meine Situation. und deine. und seine und ihre.
hach, nett geschriebener Text!
könnte grad nicht besser passen! schöne, ehrliche auseinandersetzung mit sich selbst!
04.03.2011, 22:10 von wimpernwunschwunderbar geschrieben.
22.07.2009, 12:42 von EscondidaÄhnliche Gedanken hatte ich auch schon. :)
Tip top! ;)
Super geschrieben!
22.06.2009, 19:50 von CoocoZeigt genau die Grenze zwischen Liebe und selbstaufopfernder Abhängigkeit.
Die darf man nicht aus den Augen verlieren!
"Shame on you if you fooled me once,
shame on me if you fooled me twice."
Seht toll geschrieben!
26.08.2008, 13:51 von Strange0neUnd deine Metaphorik hat es besonders schön zu lesen gemacht.
Ich persönlich nenne so etwas Hassliebe...
Beides ineinander verkettet und total Sinnlos weil man sich im Endeffekt gegenseitig kaputt macht.
Ich würde die Stützräder abreißen und wie verrückt drauf los radeln...
ja. danke.
19.08.2008, 11:19 von dasMaediso gut. so wahr. so offen und ehrlich.
tut weh und gleichzeitig gut.
wow, der text ist echt gut... ich habe 9 monate gebraucht um über IHN hinweg zu kommen, und manchmal hab ich das gefühl, ich bin es immer noch nicht, dabei macht er es mir so leicht, mit seinem verhalten!
12.08.2008, 13:27 von akroqueenes ist schwer los zu lassen, vor allem wenn man nicht weiß, ob man ihn noch liebt, oder ob es nur die sehnsucht nach der vergangenheit ist, wie es einmal war!
"Manchmal braucht man den Schmerz immer und immer wieder, um zu begreifen. Den Stich ins Herz, weil man den davor doch immer wieder so gern verdrängt."
01.08.2008, 18:39 von AngelAnniDas ist genau das, was das verletzt werden ausmacht. Man kann sich nicht vorstellen, der Stolz will nicht akzeptieren, dass man verletzt wurde und deswegen wehrt man sich dagegen und denkt, dass es nicht so war. Aber es war so und mit jedem Mal wird der schmerz doller...
Ich mag die Art, wie du schreibst, sie lässt sich total schön lesen...