Popantje 26.10.2010, 00:20 Uhr 26 48

Was die Angst so treibt, wenn sie nicht mehr weiter weiß

Wenn Emotionen einen trinken gehen.

"Trinken wir auf die Zukunft", sprach der Wunsch.

"Nä...auf die trink ich nicht", sprach die Angst miesepetrig, "wollte mich gestern mit ihr treffen, nur auf drängen vom Optimismus, doch sie kam nicht und entschuldigte sich noch nicht einmal! War wahrscheinlich mit dem Schicksal wieder einen heben! Die Nuss."

"Richtig so!" lallte der Pessimismus, "auf die kann man sich doch nicht verlassen! Die kapiert ja doch nicht, dass das Schicksal nur mit dem Rad spielen will, was die damals von Fortuna bekommen hat. Pah, lässt sich auf der Nase rumtanzen. Dabei macht das Schicksal, was es will, und die Zukunft macht da auch noch mit...pfui!"

"Nanana?", zwitscherte der Frohsinn, "Die Zukunft wird schon einen guten Grund gehabt haben. Ach Angst, vergiss es doch einfach und trink mit uns ein Glas Euphorie! Ganz bestimmt geht's dir danach besser"

"Oh nein", antwortete jammernd die Angst. "Hab mich erst gestern flaschenweise mit Euphorie abgeschossen. Dachte mir ja schon, dass die Zukunft nicht zu unserem Treffen kommt und wollte mich anderweitig beschäftigen, als auf sie warten zu müssen. Ich war so aus der Sphäre, dass mich doch glatt die Realität wieder runter holen musste. Und die hat mir so in´s Gewissen geredet über den Missbrauch von Euphorie, dass ich gleich die Furcht angerufen hab und die mich dann nach Hause bringen musste."

"Ach, in Maßen kann das jeder genießen - du sollst es ja auch nicht gleich übertreiben" jauchzte der Frohsinn und kippte die Euphorie runter.

"Ich wollte ja auch nicht soviel davon nehmen, aber die Sucht und der Wahnsinn haben mir immer wieder einen ausgegeben!" verteidigte sich die Angst

"Auf diese Idioten hört man doch auch nicht, Angst! Die kümmern sich nur um ihren Schweinehund und sonst um niemanden! Mir scheint, du hast grade zuviel mit der Naivität zu tun", mischte sich da wieder volltrunken der Pessimismus zu Wort.

"Spinnst du? Die Naivität ruft mich zwar immer wieder an und will was unternehmen - aber ich komm nicht wirklich mit ihr klar. Deswegen hat der Optimismus mir ja auch geraten, mit der Zukunft zu reden ... weil ... weißt du ... ich hab mich n bisschen in das Leben verguckt ... aber ich weiß einfach nicht wie ich es ansprechen soll ... und die Naivität nervt mich einfach nur ... deswegen sollte mir die Zukunft ja ein paar Tipps geben, wie ich am besten das Leben ansprechen kann."

"Hmm, darf ich mich mal einmischen? Hab grade etwas gelauscht", gab die Motivation zu und beugte sich vom Nachbartisch herüber. "Also ich kenn ja die Zukunft ganz gut, wir arbeiten öfter an gemeinsamen Projekten... und eins muss ich dann doch sagen... Liebe Angst, die Zukunft kann dir auch nicht weiterhelfen, die ist sehr beschäftigt und schnelllebig. Das musst du selber rausfinden, wie du dem Leben begegnen könntest. Versuch´s doch einfach mal und packe es am Kragen und beginnen morgen noch mal neu."

"Was mischst du dich denn da ein?" fragte der Pessimismus. "Hast doch selber keine Ahnung von Nichts, willst dich überall dazwischen drängen und verschwindest jedes Mal schnell, wenn´s wichtig wird! Und die Muse ist auch nicht besser! Unstetig seid ihr, nichts anderes!"

"Wollte ja nur helfen, ich geh ja schon wieder", murmelte die Motivation und trottete Richtung Bar

"Bring doch alles nichts", nuschelte der Pessimismus, "ich hol mir mal n kräftigen schwarzen vom Humor" und schlurfte grummelnd Richtung Theke, an der grade der Humor von seinem Frühstück mit dem Clown berichtete.

"Toll, jetzt sitz ich wieder hier alleine rum und weiß immer noch nicht, wie ich das Leben ansprechen soll", dachte sich die Angst und rutschte tiefer in ihren Sitz.

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26 Antworten

Kommentare

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    Erinnert an einen alten Otto-Sketch ("Leber an Großhirn, Leber an Großhirn, wo bleibt denn der Alkohol,
    ich krieg ja überhaupt nichts zu tun hier?!"). Gefällt aber!

    05.11.2010, 11:39 von rettemeinentag
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      @rettemeinentag Ehm. Ich sollte erst mal wach werden, bevor ich poste.

      05.11.2010, 11:40 von rettemeinentag
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    erinnert mich irgendwie an den text hier: http://www.neon.de/kat/fuehlen/liebe/253710.html

    02.11.2010, 00:40 von Franni
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    Sehr schön :)

    01.11.2010, 04:33 von Iris191
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    Die Idee erinnert mich an "Es ist was es ist" vom ollen Fried. Hattest du den beim Schrieben im Sinn?

    Ich find's recht amüsant.


    31.10.2010, 23:39 von petuniaaa
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      @petuniaaa Noch nie von gehört. Aber ich werde mal danach suchen. Ist der Text wirklich so ähnlich?

      01.11.2010, 12:58 von Popantje
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      @Popantje Huch, ja. Siehe mein Kommentar unten. Otto-Text hier: http://www.magistrix.de/lyrics/Otto%20Walkes/Der-Menschliche-Koerper-200259.html

      05.11.2010, 11:39 von rettemeinentag
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    Soo so so wahr und gut!

    31.10.2010, 12:37 von julia-
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    Respekt! Tolle Idee, genial umgesetzt =) Freu mich auf die Fortsetztung!

    30.10.2010, 18:05 von Menina_de_Mel
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  • 0

    wunderbar!
    tolle geschichte.
    mein favorit hier würde ich sagen.
    ganz große klasse.

    30.10.2010, 13:51 von MsLeigh
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    finde es lustig zu lesen und die idee an sich schön, aber bin ich die einzige, die es stört, das die 'euphorie' eine 'droge' oder getränk darstellt, wohingegen alle anderen 'personen' sind? mir erschließt sich der unterschied nicht...

    30.10.2010, 13:33 von trashtunte
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      @trashtunte mich störts auch ;)

      22.06.2011, 17:39 von turtle_express
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    hat otto nicht mal sowas mit den menschlichen or..gähn!..en gemacht?

    ..schnrchch.

    29.10.2010, 23:11 von libido
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