darkgob 01.07.2010, 17:11 Uhr 54 42

Tausche Studienabschluss gegen Brüste

Und zwar sofort.

Tatsache ist, dass ich schon wieder abschweife, obwohl Konzentration dringend gefordert wäre. Abschlussarbeit. Noch genau 15 Tage bis zur Abgabe. Allseits bekanntes Szenario. Zu spät angefangen, zu wenig gelesen, zu wenig geschrieben. Anspruchsvolles Thema, anspruchsvoller Dozent. Druck, Zweifel, Stress, Angst. Und eigentlich will ich bereits in 14 Tagen den Flieger nach Madrid bestiegen haben, um mit Rucksack und rudimentärem Spanisch endlich mal ein paar Wochen die Seele baumeln zu lassen. Soweit zur Realität.

Mein Kopf hingegen kennt neben intensiven Momenten seelischer Tiefstände eigentlich nur eine Wahrheit: Frauen. Überall hübsche Gesichter und Brüste. Permanent. Kreuzt ein ansehnliches Exemplar den Weg, verreckt die Konzentration noch auf der Kreuzung. Am schlimmsten ist es in der Bibliothek. Wie immer lassen sich eine Reihe wichtiger Bücher weder ausleihen noch in Gänze kopieren. Zu Hause eingraben fällt also flach und es bleibt nichts anderes übrig, als vor Ort zu schreiben. Gefangen zwischen kurzen Tops und Kurven, serienmäßig ausgestattet mit intelligenter Steuerung und Zukunftsplänen. Der Wahnsinn dreht bereits leise am Rad.

Nachvollziehbarerweise hört an diesem Punkt das Verständnis auf. "Du jammerst tagelang, fragst nach Hilfe, belagerst uns, brauchst schon Schlaftabletten und bekommst es dann DESHALB nicht auf die Reihe, wenigstens ein paar Seiten pro Tag zu schreiben?!" Bingo. Ihr könnt mich auslachen, bemitleiden, verurteilen oder steinigen, aber so ist es. Tausche Studienabschluss gegen Brüste. Umfang der Lieferung verhandelbar, solange sie möglichst zeitnah erfolgt.

Männer verstehen es vielleicht eher, denn es geht dabei nicht ausschließlich um Triebbefriedigung. Normalerweise lässt sich nicht-onanierbarer Restdruck eigentlich ohne Einschränkungen verkraften. Kennt jeder, kommt vor, gehört halt dazu. Der Kern ist ein anderer. Augenaufschlag und Lächeln, wenn sie Sympathie hegt. Modulation und Klang der Stimme, wenn die Sympathie sich verstärkt. Das sanfte Gefühl, während man ihre Haare aus dem Gesicht streicht, die Überraschung, dabei ein Ohr mit genau der richtigen Anzahl von Piercings zu finden. Ihre dezente Fusskette und der erste Kuss. Der unergründliche Blick, nachdem sie für sich entschieden hat, dass an dieser Stelle noch nicht Schluss ist. Der Geruch, während man ihren Nacken streift. Und natürlich: irgendwann die Brüste. Gefolgt von Ekstase und Vergessen.

Nüchtern betrachtet also eine stufenweise, sich steigernde Stimulation des Belohnungszentrums im Gehirn, gekrönt von einer massiven Endorphinausschüttung. Es ist die Sucht nach exakt diesem Gefühl und ein wenig Nähe; nicht nur nehmen, sondern auch geben. Ob das Triebe im Sinne der Definition sind, weiß ich nicht. Substituierbar sind sie jedenfalls nicht. Oder wollt ihr mir ernsthaft erzählen, dass eure Hände das leisten können? Ich weiß, mit rationalen Argumenten und schlechtem Gewissen am besten unterdrücken, wegschieben und weitermachen. Selbstdisziplin als Brot für den Verdurstenden.

Das allerschlimmste an diesem Zustand ist die Moral. Man will ja erobern und nicht manipulieren. Eloquenz und Charisma öffnen die Tür durchaus recht schnell, radikale Ehrlichkeit im Ansinnen schließt sie aber ebenso rasch wieder, sofern das Intelligenzgefälle keinen allzu hohen Grad aufweist. Herzen brechen ist wiederum en genera nicht tragbar und entfällt als Option ebenso wie Beziehungskisten. Gesucht wird also die Nadel im Nadelhaufen, übrig bleibt die Verzweiflung: Prinzipien stechen Sucht, Sucht sticht Abschlussarbeit, Abschlussarbeit legt sich neben der Konzentration auf die Kreuzung.

Glücklicherweise sind die hübschen Augen mir gegenüber exakt in diesem Moment durch den Haupteingang verschwunden. Obwohl der Affe weiter am Käfig rüttelt, entfällt damit wenigstens erstmal die visuelle Ablenkung. Zumindest für ein paar Minuten. Scheiß Sommer.


Tags: Studium
42

Diesen Text mochten auch

54 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    interessant mal hinter die kulissen sehen zu dürfen...
    titten auf dem präsentierteller ist ein männliches hochsommerproblem hab ich festgestellt...
    nun ja jungs.... da müsst ihr wohl durch

    19.03.2011, 21:47 von Faraduna
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Um es mit Heinz Strunk zu sagen:
    […] Uns blieb nichts weiter übrig, als den Umgang mit dem anderen Geschlecht auf ein Minimum zu reduzieren, regelmäßig zu entsaften und ansonsten auf ein blaues Wunder zu warten. Ende der Debatte.

    22.07.2010, 15:02 von mixtapeape
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Und plötzlich waren alle Empfehlungen futsch... Hmm... Naja, den Zuspruch gabs ja trotzdem, genug Zucker für das eitle Ego :-D

    12.07.2010, 13:57 von darkgob
    • 0

      @darkgob Die Empfehlungen sind alle noch da. Leer mal den Cache, dann sollten sie wieder auftauchen!

      12.07.2010, 14:04 von sophie_servaes
    • Kommentar schreiben
  • 0

    bin ich dabei

    11.07.2010, 14:29 von LeS_CactUES
    • Kommentar schreiben
  • 0

    haha mir gefällts. muss sagen Wortwahl erinnert fast ein wenig an Juli Zeh. auf jeden Fall ein Pluspunkt.

    11.07.2010, 12:27 von eine.laura
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Unglaublich! Ich bin begeistert. Jetzt kann ich mich viel besser in die ganzen schönen Männer in der Bibliothek hineinversetzen... ;-)







    08.07.2010, 00:17 von lily_rose
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Schön das auch mal DAS hinter dem Trieb beschrieben wird! Das macht mir Hoffnung!! :-)

    05.07.2010, 13:55 von Hintersee
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2 3 4 5 ... 6