hib 30.11.-0001, 00:00 Uhr 21 36

Synonym

Es ist das was ich empfinde, wenn ich dich berühre und du dich windest unter all dem Glück, das so gar nichts bedeutet.

Wie heißt das noch.

Wenn die Welt sich einem in die Kniekehlen dreht und man zu Boden sinkt. Vom Gewicht eines pumpenden schwarzen Lochs gezogen. Hinein in die Scherben, die einmal ein vertrautes Gesicht waren. Und man sich die Finger aufschneidet beim Versuch, aus den Splittern die besten Stücke herauszulesen. Aber doch nichts weiter findet, als eine Wahrheit, die niemals wieder ohne scharfe Kanten sein wird. Und in einem Stück.

Wie nennt man das gleich.

Wenn nichts mehr richtig ist und alles in die Breite läuft. Der Horizont verdeckt ist von den abendroten Möglichkeiten und man hinter jedem Strohfeuer in den schwarzen Wolken einen neuen Morgen vermutet. Der jedoch nichts weiter ist, als ein kalter Spiegel. In dem man die Flammen sehen kann, die einem aus den Augen schießen. Die so glanzlos reflektiert aber nicht von innen wärmen, sondern kalt in die Glieder fahren. Und einen dort zu Dingen bringen, auf die man niemals stolz sein könnte.

Mir fällt das Wort nicht ein.

Wenn man eines Abends bemerkt, dass nichts mehr an seinem Platz ist. Dass man nichts mehr da findet, wo man es brauchen kann, sondern umgedreht. Wenn der Kopf in irgendwelchen Händen liegt. Wenn das Herz mit Karacho zu Boden schlägt. Wenn Fingernägel an vagen Möglichkeiten zerbrechen. Wenn Worte zu Waffen werden, die Brustkörbe zerfetzen, als hätte man die Herzen in ihnen aus Transparentpapier geschnitten.

Ich komm gleich drauf, was ich meine.

Es ist das, was man fühlt, wenn etwas Großes mit viel Schwung vorbei geht, und im selben Atemzug etwas so kleines neu entsteht, dass man es noch nicht einmal sehen kann und man einen Luftzug spürt, als wäre eine Tür aufgegangen. Es ist das was passiert, wenn zwei Körper aufeinander treffen und sich in schallender Leidenschaft zerstören immer im Glauben, sie würden etwas völlig neues schaffen mit ihrem knallenden Gliederkrieg. Es ist das was man sehen kann, wenn das Gefühl in schattigen Nächten grelle Bögen schlägt zwischen der Vergangenheit und der Zukunft und man das ganze als Augenblick verkennt, wo es doch nichts weiter ist, als die süße Geburt der Vergänglichkeit.

Gleich kann ich dir sagen, was es ist.

Es ist das was ich fühle, wenn ich dich anschaue und es dabei schade finde, nicht in jeden deiner Winkel gleichzeitig schauen zu können. Es ist das was ich spüre, wenn ich an dich denke und sich meine Gefühle zu schmerzenden Gewittern auftürmen über den Köpfen derer, die dich nicht wie ich für sich haben können. Es ist das was ich empfinde, wenn ich dich berühre und du dich windest unter all dem Glück, das so gar nichts bedeutet, wenn es erst wie eine große Welle aus den Laken geschwappt ist und nichts zurücklässt, als den unersättlichen Durst nach der nächsten Flut. Es ist das, was ich immer haben wollte, weil es das schlimmste ist, was man jemandem antun kann, ohne ihn dabei ernsthaft unglücklich zu machen. Es ist das, was sich jeder wünscht, weil man meint, dass das Leben selbst daraus bestehen würde und das obwohl jeder einzelne weiß, dass man der Welt lediglich beibringt, mehr als einmal unterzugehen.

Jetzt weiß ich es. Aber sieh dich vor, denn ich spreche nun ein Machtwort.

Liebe.

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21 Antworten

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    wunderschön ...

    25.11.2008, 21:43 von juvenile
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    beeindruckend!
    die wortwahl
    die bilder
    trifft ins herz!
    danke

    25.07.2008, 22:44 von Typhoon
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    ein machtwort. ja.
    wortgewalt.
    gefühlskarambolage.

    danke, wieder mal.

    01.04.2008, 11:39 von fuehlmal
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    mhh...wunderschoen...nee, das triffts auch nich...gibt ne empfehlung, is leichter;-)

    16.01.2008, 15:14 von paranoiderandroide
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    wunderschöner Text...gefällt mir mit jedem Lesen mehr...!

    29.12.2007, 23:01 von rosagummibaer
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      @rosagummibaer was wohl passiert, wenn du ihn jeden tag des nächsten jahres liest?

      29.12.2007, 23:06 von hib
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    oh man, jetzt weiß ich was ich verpasst habe.Ich war schon lange nicht mehr hier, aber Texte von dir muss man einfach lesen und nicht nur einmal.Die Worte die du so wundervoll zu Kunstwerken verflechtest ...bin sooooooo neidisch heul schluchz.Super schön großes Lob und außerdem noch gaaaanz schöne Weihnachten für Dich und Deine Lieben.lg Claudi

    22.12.2007, 22:22 von nashara
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      @[Benutzer gelöscht] zum glück habe ich irgendwann gelernt, dass tränen nichts schlimmes sind. ansonsten würde mich das ganz schön mitnehmen hier...

      20.12.2007, 10:52 von hib
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    Wunderbar!

    16.12.2007, 15:27 von Aloisia
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    oh wie wunderbar toll...!

    15.12.2007, 15:38 von rosaSchleim
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