Bunter_Kunt 15.08.2011, 02:08 Uhr 24 36

Solo-Romantik

Es gibt Zeiten im Leben in denen musst du lernen alleine zu sein, dich selber zu ordnen und ein Stück zu dir zurück zu finden.

Es ist Sonntagmorgen, du liegst in deinem Bett in dem du dich fest in deine warme Decke eingerollt hast.
Draußen regnet es wie schon am Tag zuvor und still und heimlich zieht eine frische Brise durch das auf Kipp gestellte Fenster.
Es hält den bereits begonnen Tag nur noch durch die zugezogenen Vorhänge zurück, die mit den einzelnen Lichtstrahlen spielen.

Du tastest suchend und einwenig zittrig nach deinem Wecker um zu gucken, wie spät es eigentlich schon ist.
7:30, viel zu früh.

Das grelle Displaylicht lässt dich blinzeln und du glaubst, dein Kopf könnte auf der Stelle hart explodieren, denn gestern Abend hattest du mindestens zwei Sambuca und drei Bier zu viel.

Schwerfällig versuchst du dich an den gestrigen Abend zu erinnern.
Da war jemand.
Ein gut aussehender junger Mann, vielleicht Mitte Zwanzig.
Brauner Wuschelkopf mit süßen Wangengrübchen.
Sein kantiges Kinn und der Dreitagebart gefielen dir sofort.

Ein oder zwei Küsse gab es auf dem Weg nach Hause.
Erst wollte er dich gar nicht gehen lassen, er hielt deine Hand, zog sich fest an sich. Himmlisch.

Ein flüchtiger vielleicht kontrollierender Blick zur Seite in die Kissen links neben dir und es bestätigt sich, du bist eindeutig alleine in dein Bett gefallen.

Warum eigentlich? Du bist frei, glaubst du.
Aber die alten Lasten hast du noch lange nicht von dir geschüttelt.
Wie ein nasses Laken kleben sie an dir.
Sie saugen sich fest mit einem Durchhaltevermögen, wie es ein Spitzensportler zu seinen besten Zeiten an den Tag legt.

Nun liegst immer noch da wie ein Stein und denkst Sonntag ist ein furchtbarer Tag.
Die ganze romantische Zweisamkeit, die an diesem Tag in der Luft liegt findest du zum Schreien.
Alles was diesen Tag für Pärchen wertvoll und erstrebenswert macht erduldest du und füllst ihn mit völlig Gegensätzlichem.

Andererseits träumst du, wie schön es wäre den ganzen Tag mit diesem fremden Jungspund im Bett zu verbringen um zuzusehen, wie die Zeit davon segelt, deine Seele in den Urlaub fliegt und diesen neu gewonnenen Freiraum mit Zärtlichkeit und Nähe ausfüllt.

Im nächsten Moment begreifst du wieder, dass es besser ist, wie es ist.
Verdammt! Du musst doch auch mal alleine sein!
Die Selbstständigkeit erlernen, die Einsamkeit überlisten und dir neue Ziele stecken.
Es gibt einen Grund warum du dich sträubst, gegen all das.

An solchen Tagen fühlst du dich matt und einsam, wie eine leere Tintenfeder, die nur nach einem neuen Lebensspender ächzt.
Sobald aber ein volles Glas in Reichweite ist, bist du es schnell wieder satt.
Komisch und irgendwie paradox, wenn man sich doch gleich so sehr nach etwas sehnt.

Zerknittert stehst du auf.
Der Weg in die Küche ist dunkel, die Handgriffe sind gekonnt.
Den Kaffee musst du dir schon selber kochen.
Toast statt Brötchen und essen im stehen statt im Bett.
Solo-Romantik.

Es gibt Zeiten im Leben, in denen musst du lernen alleine zu sein, dich selber zu ordnen und ein Stück zu dir zurück zu finden. Um irgendwann, irgendwie mit jemanden etwas Ganzes sein zu können. Auch wenn es am Anfang hart erscheint.

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24 Antworten

Kommentare

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    Sehr gerne gelesen.
    In dem text steckt sehr viel ehrliche Wahrheit.
    Gefällt mir.

    12.09.2011, 11:42 von TimeDrop
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    auf den punkt gebracht ;)

    23.08.2011, 21:18 von Sehrdabei
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    Gefällt mir gut, bis auf den letzten Absatz.

    22.08.2011, 16:54 von FrauKopf
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    Um irgendwann, irgendwie mit jemanden etwas Ganzes sein zu können.

    wahr...

    18.08.2011, 23:35 von nic.is.listen
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    Ein schöner Text und so wahr.... Bevor ich vor 1,5 Jahren meinen Freund kennen gelernt habe, war ich auch lange Single und es gab Zeiten, da habe ich sehr verzweifelt gesucht, was natürlich immer daneben ging. Jetzt weiß ich, ich war einfach noch nicht bereit dafür und es sollte genau so kommen, wie es kam.

    17.08.2011, 23:16 von DieKleine
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    Dochdoch, so ist es. Gefällt! Allerdings.. ob so ein Spaß ist, verkatert den Tag aktiv im Bett zu verbringen...

    17.08.2011, 11:47 von zeraphinchen
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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      @Blackend "Die Notwendigkeit eine Rolle zu spielen und ein innerer Widerwillen dagegen, machen mir beinah jede Gesellschaft lästig."
      [Heinrich von Kleist]

      17.08.2011, 11:06 von schauby
  • 0

    dieses alltogethernow-gemache macht aus menschen eine agglutinierte masse aus kompromisen, die sie alleine und nach reiflicher überlegung niemals eingegangen wären. Zitat von lavish: empfinde ich genau so :-) Hab das beste Beispiel an meiner Mitbewohnerin: sie war 5 Jahre (da kannte ich sie noch nicht) mit einem Kiffer zusammen, obwohl sie es scheisse fand. Dann hat sie sich wohl endlich überwunden und mit ihm Schluss gemacht. Jetzt ist sie mit einem spiessigen, loserigem Mammasöhnchen zusammen, der von ihr Honig um den Mund geschmiert kriegt und wer weiss was sonst noch alles... Er ist IMMER in der WG, wenn sie auch da ist. Lustig ist, wie viel entspannter und netter sie ohne ihn ist, weil sie sich mal Zeit für sich nimmt. Allerdings denke ich eben auch, sie könnte nicht mit sich alleine sein, ich würde mich auch nicht ertragen wenn ich so scheisse wie sie wär... *sorry*
    Und an Bunter_Kunt: finde den Text stilistisch jetzt kein Meisterwerk, aber sehr gut beschrieben wie Single Sonntage sich anfühlen. Echt mies! Ich will ne Single Sunday Selbsthilfegruppe ;D

    17.08.2011, 08:22 von missweiss
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    Hmmm keine fließende Schriftsprache, meiner Meinung nach und einige weitere stilistische Defizite... Das Rad wurde zwar nicht neu erfunden, aber ein Thema zu dem viele was sagen und sich damit identifizieren koennten:-)

    17.08.2011, 01:30 von Lovemarket
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