Riif-Sa 30.11.-0001, 00:00 Uhr 38 132

Nein, ich habe dich nicht vergewaltigt

Das Sequel. Anschließende private Gedanken zu Dominanz, Devotsein und wahrer Liebe.

Da die Kommentare zu meiner Geschichte über mein erstes fastsexuelles Grenzerlebnis mit dir immer noch nicht abebben, komme ich nicht umhin mir Gedanken darüber zu machen, ob es richtig war, was ich tat. Dich da einfach so liegen zu lassen und zu gehen, wo du mir doch das deiner Meinung nach Wertvollste schenken wolltest, was du besitzt. Deinen Körper. Heute bin ich sexuell erfahren und ausgebildet und das gibt mir einen völlig neuen Blickpunkt auf das Geschehene. Auf halber Strecke von damals bis heute dachte ich, dein Verhalten hätte irgendwas mit Submission zu tun, doch heute weiß ich was Submission wirklich bedeutet und dass das, was du getan hast, mit „Anbiederung“ eigentlich besser umschrieben ist. Wie ein Bonoboweibchen, das nur eine Möglichkeit kennt, anderen ihre Zuneigung zu zeigen: Sex. Dabei war Sex für dich schon damals nicht das, was es eigentlich sein sollte. Ein Akt von Nähe, Vergnügen und Leidenschaft. Sex war für dich etwas, was man über sich ergehen lassen muss und damit kam und komme ich immer noch nicht klar. Ein einfaches „ich mag dich“ hätte mir auch gereicht.

Doch mal anders gefragt: Was bin ich für ein Mensch geworden? Ich bin ein sehr devoter Mensch. Im Leben wie in der Liebe. Wie gesagt. Nicht devot wie du beim Sex. Du bist nicht devot, du bist einfach nur passiv. Devotsein heißt nicht, alles mit sich machen zu lassen. Devotsein heißt völliges und absolutes Vertrauen. Ich habe grenzenloses Vertrauen in das Leben und in meine Liebe. Ich hoffe darum, dass beide wissen, was gut für mich ist. Das kann man für naiv halten, aber bis jetzt haben weder das Leben noch meine Liebe dieses Vertrauen ausgenutzt und mir Schaden zugefügt. Bei Letzterem liegt es daran, dass dieses Vertrauen erwidert wird. Beim Sex bin ich dominant, ich bestimme, was gut für sie ist und was ihr gefällt. Ich nehme sie hart, nenne sie Schlampe und Fotze… denn sie mag es. Devote Dominanz, ich bestimme über sie, weil sie das so will. Das magst du für verwirrend halten, vielleicht verstehst du es nicht. Möglicherweise fragst du dich, ob du Schuld an dieser Situation bist. Dazu kann ich nur sagen: Ich hab keine Ahnung.

Dir und deinem Freund habe ich in jedem Fall die Erkenntnis zu verdanken, dass man Frauen nicht wie Dreck behandelt. In unserer aufgeklärten Zeit sollte das zwar selbstverständlich sein, doch wir beide wissen genau, dass dem nicht so ist. Da ihr beide mir das so derart deutlich gezeigt habt, dass ich auch heute dabei noch einen Stich ins Herz bekomme, habe ich mich in dieser Hinsicht überentwickelt. Fast bis ins Selbstzerstörerische. Ich trage meine Liebe auf Händen, würde alles für sie tun, um sie glücklich zu machen. Ich stelle mich hinten an, hinter sie und ihre Wünsche. Sie ist das wir in unserer Beziehung. Vertrauen, Unterwerfung… eine Göttin zu lieben. Es ist alles das Selbe. Das ist möglicherweise deine Schuld, aber mach dir deswegen keine Gedanken! Eigentlich ist es wie in jeder Liebesbeziehung, nur eben ein bisschen extremer. Ich weiß nicht, ob du das heute verstehst. Ich hoffe es für dich. Ich will nicht gehässig sein oder behaupten, du hättest nicht besseres verdient. Jeder hat etwas Besseres verdient als von einem guten Freund liegengelassen zu werden oder von seinem ersten festen Freund wie Dreck behandelt zu werden.

Dann weißt du noch nicht mal, ob du überhaupt auf Männer stehst. Vielleicht habe ich dir den Appetit auf Männer verdorben. Ich würde mich nicht mal schlecht dabei fühlen. Männer sind eh Scheiße. Sie schlagen ihre Frauen, betrügen und unterdrücken sie. In manchen Kulturen werden sie sogar genital verstümmelt. Da sind selbstzerstörerisch devote Männer wie ich fast schon eine Wohltat, ein ausgleichender Tropfen auf den chauvinistischen Stein.

Wie dem auch sei, ich überlege schon lange, ob du Schuld an dem haben könntest, was ich geworden bin. Vielleicht hast du es gesehen, aber meine Beschreibung der Ereignisse in deiner Wohnung hat viele Kommentare nach sich gezogen. Einer der Kommentatoren warf mir vor, ich hätte mich dir gegenüber falsch verhalten. Ich hätte nicht einfach gehen dürfen, sondern dir meine Hilfe anbieten sollen für deine Probleme, hätte dir Schutz und Geborgenheit geben sollen. Alles Dinge, die ich selbst gebraucht hätte in jener Nacht. Ich frage mich immer wieder, wie das wohl ausgesehen hätte. Hättest du dich von mir in den Arm nehmen lassen? Ich weiß wie das ist, nicht mit Zärtlichkeiten umgehen zu können, sich überfordert zu fühlen und das Bedürfnis haben, irgendetwas zu tun. Eine Blockade zu haben, sich fallen zu lassen und es einfach über sich ergehen zu lassen. Heute kann ich das und damals machte ich mir keine Gedanken darüber. Es dauerte lange, bis ich besagten Bericht über die Ereignisse schreiben konnte. Ich war erstmal nur ein kleiner Junge, der die Chance hatte, mit dem Mädchen seiner feuchten Träume zu schlafen und der im entscheidenden Moment nicht konnte. Das „warum“ beschäftigte mich und die Hoffnung, du könntest es jemandem erzählen.

Egoistisch, nicht wahr?

Erst später habe ich angefangen, mir über dich Gedanken zu machen und ob ich dir einen Gefallen getan habe. Ob das meine Art war dir klar zu machen, dass Sex etwas ist, was man nicht nebenbei macht oder über sich ergehen lässt? Denn so ist es. Sex sollte ein Zeichen sein für tiefstes Vertrauen und inniger Liebe, egal ob als dominanter oder devoter Partner. Oder als gleichberechtigter Partner, wobei ich mittlerweile bezweifle, dass es so was überhaupt gibt. Ich glaube es gibt keine Gleichberechtigung beim Sex und in der Liebe. Respekt und Vertrauen, ja. Wünschenswert, aber Gleichberechtigung? Wer wahre Gleichberechtigung in der Liebe gefunden hat, kann sich vermutlich glücklich schätzen. Beim Sex hingegen könnte ich mir nichts Langweiligeres vorstellen. Wir Menschen sind nun mal so. Unterwürfig oder bestimmend. Sado oder Maso. Gott oder Diener. Dominan-Studios boomen, weil wir Menschen sind.

Doch zum Kern: Was für ein Menschen bist du, was für ein Mensch bin ich? Passten wir zusammen? Wenn ich mir über uns Gedanken mache, stelle ich mir oft zwei devote Mensch vor, die gefesselt nebeneinander im Bett liegen und sich gegenseitig anbetteln: „Peitsch mich aus!“ – „Nein peitsch du mich aus!“ – „Nein, du!“ Ein lustiges Bild, aber traurig nicht wahr? Wir brauchen einfach beide jemanden, der uns auspeitscht, damit wir vorwärts kommen. Das ist unsere Bestimmung, solche Menschen sind wir. Frag mich nicht, ob das genetisch bedingt ist oder mit den Prägungen des Lebens zusammenhängt, ich habe keinen blassen Schimmer. Ich kann mich auch vollkommen irren, denn trotz der vielen Gedanken an dich, gemeldet habe ich mich nie bei dir und ich habe das auch nicht vor. Vielleicht es ganz anderes als ich denke. Vielleicht hat dich die Erfahrung mit „Pferd“ geprägt und du bist ein selbstsicherer und vorwärtsgerichteter Mensch geworden. Vielleicht trägst du jetzt die Lederstiefel und schwingst die Peitsche…

..also, wenn ich mir das so vorstelle...

…sieht sehr sexy aus."Wichtige Links zu diesem Text"
"Warum ich dich nicht vergewaltigen wollte" - Der Ursprungsartikel

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38 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ich kann die teils negativen Komentare gut verstehen. Dennoch denke ich...,und du schreibst es ja selbst: "Denn so ist es. Sex sollte ein Zeichen sein für tiefstes Vertrauen und inniger Liebe, egal ob als dominanter oder devoter Partner.".
    Ich denke wenn man(n) mit diesem Bewusstsein durch die Welt läuft, geht der Rest schon in Ordnung.

    17.09.2016, 16:31 von Sexsymbol
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  • 0

    Ich mag die beiden Texte nicht, auch finde ich die darin beschriebene "Dame" nicht sympathisch. 

    25.12.2015, 11:40 von EC_Lino
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  • 4

    Ich lese diese geschichte nun um 4. Mal. Immer wieder in verschiedenen Lebensphasen, wenn es mir nach dem Sex schlecht geht und ich mich frage, wieso. Und immer wieder denke ich, dass deine Worte, deine Beschreibung, welche Rolle Sex für deine.. Geliebte? spielt, mir helfen, mich besser zu verstehen. Sie helfen mir aus der Sackgasse. Danke!

    18.01.2015, 01:36 von tofupraline
    • 0

      *zum :)

      18.01.2015, 01:36 von tofupraline
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  • 1

    Hey vielen Dank für diese tolle Geschichte. Der erste Teil ist echt wunderschön.

    03.06.2014, 18:23 von kettenschaerfgeraet
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  • 2

    Habe das Gefühl, dass ich die Einzige bin, die nicht an Devot gedacht hat. 

    es war sehr schön, bewegend, traurig. 
    verliebt auf die grausamste art und weise.

    07.02.2014, 14:37 von KirbyDiamond
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  • 0

    Ich hätte in deiner Situation nicht anders gehandelt, denn manchmal muss man einfach gehen auch wen der Moment einem nie richtig los lässt!

    05.02.2014, 15:57 von Syrey
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  • 4

    Devotsein heißt nicht, alles mit sich machen zu lassen. Devotsein heißt
    völliges und absolutes Vertrauen. Ich habe grenzenloses Vertrauen in
    das Leben und in meine Liebe. Ich hoffe darum, dass beide wissen, was
    gut für mich ist. Das kann man für naiv halten, aber bis jetzt haben
    weder das Leben noch meine Liebe dieses Vertrauen ausgenutzt und mir
    Schaden zugefügt.

    Lieblingssätze! Ich meine, das absolut nachvollziehen zu können.
    Lieben und Leben, devote Dominanz, Geben und Nehmen. Vielleicht eine seltsame Art, dass zu lernen, zu begreifen, aber es könnten mehr Menschen so empfinden.

    19.01.2014, 15:43 von SkaPunk
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  • 2

    Beim Lesen des ersten Teils, vor etlichen Jahren, hatte ich eine Vorstellung von dir als "devot Dominantem". Witzig, welche Bilder die Lektüre ausgelöst hat. Umso interessanter, dies nun hier bestätigt zu lesen. Und wenn ich von "dir" spreche, weiß ich noch nicht einmal, ob es um "dich" als Person oder um "dich" als Figur in einer Geschichte geht. Aber das ist auch nur nebensächlich. Das Wesentliche ist meines Erachtens gesagt: Sex ist nichts Beiläufiges. Sex ist nicht die einzige Art zu kommunizieren. Und sich mit Sex anzubiedern sollte man tunlichst vermeiden.

    Wer weiß, was sie daraus gelernt hat. In welche Richtung ihre Selbstfindung ging. Ob sie Beziehungen hat oder Sex. Oder beides.

    Und in welche Richtung bist du gegangen? Hast du dich gefunden in der Devotion der Liebe und der Dominanz des Sex? Bist du Gentleman geblieben, weil sie eher devot sind? Oder nimmst du dir die Weiber, weil der Sex dich zum Dominus macht? Oder hast du vielleicht sogar die allumfassende Liebe gefunden, bei der all die Begriffe plötzlich verschwimmen und jeder mal oben, mal unten, mal Herr und mal Diener ist?

    27.08.2013, 14:52 von Isistra
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  • 1

    Like both.
    Liebe dein Leben und deine Liebe mit der gleichen Hingabe die in diesem Text steckt.
    Rock on \m/

    11.08.2013, 23:44 von Ace-in-the-Hole
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  • 2

    Ehrlicher und mutiger Text. Respekt!

    24.04.2013, 16:49 von .infrathin.
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