Daniel_Erk 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 0

Missverständnisse: Sex mit Delfin II

Sie denkt an multiple Orgasmen, er denkt an Spielzeugscheiß. Empfinden Männer einen VIBRATOR wirklich als Konkurrenz? Oder ist er nur was zum Lachen ? oder beides?

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Text: Theresa Bäuerlein
Mit dreizehn Jahren lernte ich aus einem Versandhauskatalog, dass »Massagestäbe« nichts mit Nackenproblemen zu tun haben müssen. Laut Katalog fielen sie in eine Kategorie mit Potenzmitteln und aufblasbaren Sexpartnern. Ich dachte damals: Guter Sex, egal ob mit sich oder anderen, braucht keine Zusätze. Das wäre ja wie Austern bestellen und Ketchup draufschütten.
Dabei blieb ich, bis mir meine Freundin Inge neulich einen Vortrag über multiple Orgasmen hielt, gewürzt mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Für multiple Orgasmen, meint Inge, sei ein ordentliches Gerät hilfreich - am besten eins, das kräftig vibriert. Weil ich nicht mehr dreizehn bin, sitze ich jetzt vor meinem Computer, habe fünf Fenster von Erotikshops geöffnet und merke: Vibratoren haben das gleiche Problem wie Pornos. Sie wirken übertrieben, künstlich und billig. Ihr Design gleicht zu oft der Sorte Handys, die Barbie benutzen würde. Noch schlimmer sind nur die verstörenden Teile, bei denen ich an Gummihühner denken muss. Unzufrieden betrachte ich einen Stab in Delfinform, als Daniel hereinplatzt, Teig im Bart, und »Theresa, Hilfe!« ruft, um dann irgendwas zu Backzeiten und Kuchenrezepten zu fragen. Als sein Blick auf meinen Monitor fällt, erstarrt er. Mein erster Gedanke: »Wegklicken!« Der zweite: »Warum denn?« Normalerweise können wir über alles, was mit Sex zu tun hat, locker reden.
Daniel fängt sich, redet weiter, tut so, als wäre nichts, aber sein Blick wandert: vom Bildschirm zu meinem Gesicht, wieder zurück. Der Delfin, merke ich erstaunt, berührt bei Daniel eine Grenze. Kann es sein, dass Vibratoren Männern Angst machen? Weil sie eine Form haben, die so in der Natur nie vorkommen würde - ganz zu schweigen von der Größe? Potenzielle Konkurrenz? Die Idee kommt mir noch alberner vor als ein Stimulationsfisch. Ich sage: »Fünfzehn Minuten für den Kuchen. Sonst noch was?« Daniel setzt ein schiefes Grinsen auf, das der Miene des Delfins stark ähnelt, und entgegnet: »Gut, danke. Und dann steckt man das Ding einfach rein, ja?«

Text: Daniel Erk
Als ich aus der Küche in Theresas Zimmer rannte, gingen mir nur drei Dinge durch den Kopf: Backzutaten. Vorwärmzeit. Oberhitze. Weil das mit dem Backen nicht so klappte, wie es sollte, konnte mir nur noch Theresa helfen. Aber jetzt fühle ich nur noch eines: Oberhitze im Kopf. Vorwärmzeit: null Sekunden.
Ich bin nämlich kaum in Theresas Zimmer, als mir ins Auge springt, was sie gerade beschäftigt. Nicht zu übersehen: Auf dem Bildschirm ihres Computers prangt ein überdimensionierter, ultramarinblauer Delfin-Vibrator, offenbar im Sonderangebot. Ich stehe da und muss »Mund zu!« denken, damit ich den Mund auch wirklich zumache.
Ja verdammt, ich bin verdutzt. Und nein, Theresa sollte das auf keinen Fall merken. Ich schaue sie an: Hat sie diesen Spielzeugscheiß nötig? Wird meine Mitbewohnerin wirklich so juckig, wenn sie mal ein paar Wochen allein zu Bett gehen muss? Ein blauer Delfin? Im Ernst?
Während all diese Gedanken durch meinen Kopf rasen, balanciert mein Sprachsinn über diesen sehr dünnen Faden und versucht, mit Theresa über Kuchen zu sprechen: »Sag mal«, beginne ich, »wie lange muss ich denn vorheizen? Im Rezept steht fünfzehn Minuten, aber der Ofen spinnt doch in letzter Zeit ?«
Theresa runzelt die Stirn. Entweder ist sie extrem cool oder sie merkt gar nicht, was ich merke. Erst da fällt mir auf, wie beknackt ich eigentlich bin. Meine Güte, denke ich: Klickt sich meine Mitbewohnerin halt durch die Sexshops dieser Welt! Soll sie doch! Geht mich ja nichts an - und ist ja auch, rufe ich mir selbst zu, die natürlichste Sache der Welt! Und peinlich eigentlich nur für mich - diese verklemmte, verlogene Sexualmoral. Innerlich ächze ich über mich.
Unterdessen, merke ich, hat Theresa meine Frage beantwortet. Dummerweise ging ihre Auskunft vollkommen an mir vorbei. Und um also möglichst schnell aus diesem Zimmer und dieser Situation rauszukommen, reiße ich mich zusammen und sage: »Gut, danke. Und dann steckt man das Ding einfach rein, ja?«


Tags: Eifersucht, Fremdgehen
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