retro.rhapsody 05.11.2009, 15:37 Uhr 13 12

Luft, die stillsteht.

Du kommst ja wieder, sag ich mir leise, während meine Augen und Hände deine Konturen einsammeln.

An manchen Tagen fällt es mir leicht, dich gehen zu lassen.
Du kommst ja wieder, sag ich mir leise, während meine Augen und Hände deine Konturen einsammeln, um sich an alle Höhen und Tiefen und Ecken und Kanten zu erinnern, in der Zeit, wo du überall bist, nur nicht hier bei mir.
Das ist meine Art, dich festzuhalten.
Indem ich dich einatme, deine Stimme pausenlos in meinem Kopf Schallwellen schlagen lasse und mit nichts als deinem Bild vor Augen durch die Welt stolpere.
Manchmal, während deiner körperlichen Abwesenheit, kehrt dann kurzzeitig mein Verstand zu mir zurück und sagt mir, dass es überhaupt nicht m e i n e Art ist, dich festzuhalten, sondern schlichtweg die einzige, die es für jemanden wie dich auf diesem Planeten gibt.
Dann begraben wir zusammen mein Herz, malen uns die Zukunft in schillernden Farben aus und springen vom 10-Meter-Turm in ein neues Leben ohne Warten und Erwartungen.
Und ohne Dich.
Das ist dann auch meistens der Augenblick, in dem du wieder vor meiner Tür stehst. Mit wilden Augen voller Sonne, voller Wind und voller Sterne... und vorallem - voll von mir. Ich schwimme in deinem Blick, und bisher ist es mir noch nie gelungen, meinen Verstand dabei vor dem Ertrinken zu retten.

Heute ist es wieder so weit.
Ich sehe es an der Art, wie du alles ein bisschen länger festhältst als notwendig.
Alles berührst, als ob du deine Fingerabdrücke wie ein Andenken an unserer Möbelstücke verschenken wolltest.
Wie dein Löffel in der Kaffeetasse Kreise zieht, obwohl Milch und Kaffee schon längst zu einer braunen Einheit verschwommen sind.
Wie deine Lippen stumm üben, Wörter zu Sätzen zu formen, für die es ja doch nur einen einzigen Ausdruck gibt:
Abschied.

Ich wende mich ab. Heute ist keiner von diesen Tagen, an denen ich mir sage, dass du zurückkommst.
Heute fühlt sich anders an. Wie ein Fremdkörper, neu und unvertraut.
Deshalb kann ich dir auch nicht in die Augen sehen. Wegen all der Wörter, die stumm in ihnen stehen und die ich jetzt nicht hören will.
Noch nicht. Vielleicht nie.
Du scheinst es zu spüren und schluckst sie hinunter... doch irgendwie müssen sie trotzdem einen Weg aus deinem Mund gefunden habn, denn sie scheinen wie eine schwere Regenwolke in der Luft zwischen uns zu hängen.
Ich will weinen, ganze Wasserfälle, bis alles ausgetrocknet, bis jedes einzelne Wort weggeschwemmt und die Luft wieder klar ist.
Aber sie bleibt schwer, du kannst nicht atmen und ich sehe reglos dabei zu, wie du vom Tisch aufstehst und deinen gepackten Koffer über den Boden schleifst - damit deine Füße dich irgendwohin tragen, wo die Luft deine Lungen leichter durchströmen kann. Lange genug, um es danach wieder für einige Zeit an einem Ort wie diesem hier auszuhalten.
Wo sie nicht strömt, die Luft, sondern steht.

Als du dann an der Tür stehst, das Herz schon längst irgendwo da draußen, ganz weit weg von mir, da merke ich, dass ich dir irgendwo zwischen Kaffeetasse und Türschwelle verloren gegangen bin.

Du wirst für mich nie einzig sein in der Welt, weil du unzähmbar bist. Und vielleicht kommt es allein darauf an - vielleicht genügt es, wenn man jemanden findet, den man zähmt.

Ich klammere mich nicht mehr an deiner Stimme fest.
Nicht dieses Mal.
Und da es kein nächstes Mal gibt, wirst du in meinen Erinnerungen wohl immer dieses einsame Kofferschleifen bleiben.
- Ständig auf Reisen, und nirgendwo zuhaus`."Wichtige Links zu diesem Text"
"I heard a ghost of your voice long after you had left the room..."

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13 Antworten

Kommentare

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    wundervoll.... vielen Dank...

    22.09.2011, 09:26 von MissDiNah
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    traum!

    18.08.2011, 21:14 von Die.mit.rotem.Haar
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    Ich bin beeindruckt.

    31.03.2011, 23:53 von ConneCT
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    unglaublich schön geschrieben.
    dein Stil, diese Gefühle zu erklären/beschreiben gefällt sehr gut!

    16.01.2010, 11:43 von laphz
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      @laphz Wirklich ein wunderschöner, äußerst authentischer Artikel!

      28.01.2010, 13:16 von reese-with-her-spoon
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    Ich mag diesen Text wirklich sehr. Dein Schreibstil ist besonders. Du versuchst, Gefühle mit Bildern zu erklären. Wunnabar:]

    15.01.2010, 14:53 von Blutsfraeulein12
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    wunderschön

    01.01.2010, 23:20 von wimpernwunsch
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    wunderschön

    01.01.2010, 23:19 von wimpernwunsch
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    wunderschön

    01.01.2010, 23:19 von wimpernwunsch
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    Wunderbar *
    Es zu lesen war viel schöner wie es mal selbst erlebt zu haben...

    31.12.2009, 22:27 von Mogeisha
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