Ihr Leben ist kein Tango
Sandra ist die unangenehme Stille, die den Raum erfüllt und die Fahrstuhlmusik, die viele Menschen nicht wahrnehmen.
Das Leben von Sandra ist kein Tango, sondern ein langsamer Stehblues auf der Geburtstagsfeier ihres Großvaters. Sie ist der vergilbte Vorhang, der am Fenster der alten Dame hängt, die sich im Bus über die Musik eines kleinen Jungen beschwert. Sie ist kein gewaltiger Schneesturm, sondern die erdrückende Hitze an einem Sommertag, die behäbig und müde macht.
Ihr Leben ist eine langsame Kaffeefahrt auf der Donau und sie ist die Frau, die unter Deck sitzt, weil sie Angst hat, dass der Wind ihren Hut davonträgt. Sandra verliert niemals die Kontrolle, sie ist eine Marionette, die ihre eigenen Fäden zieht. Ihr Leben ist ein Flötenkreis in Altötting, der sich nachmittags trifft, um Kirchenlieder anzustimmen und kein dreistündiges Rockkonzert in München.
Wenn Sandra läuft, dann im Takt ihres Herzschlages und wenn sie tanzt, dann mit dem Gedanken, dass sie es nicht kann. Niemals ist sie am Limit, sondern immer im grünen Bereich. Aufgaben erledigt sie sorgfältig und langsam, weil sie weiß, dass davon in Zukunft noch genug auf sie warten.
Sandra joggt durch den Stadtpark mit der Angst einen Herzinfarkt zu bekommen und Alkohol trinkt sie nur so viel, wie sie verträgt. Sie ist der Goldfisch, der in einem kleinen Aquarium seine Runden zieht und nicht der Panther, der in der Steppe mit 60 Kmh ein Zebra jagt. Sie ist die Fledermaus, die im Speicher hängt und die Nacht verschläft.
Sandras Leben ist keine aufregende Rucksacktour durch Australien, sondern der zweiwöchige all-inclusive Urlaub mit der Mutter an der türkische Riviera. Im Strandcafe ist sie nicht der bunte Cocktail, der auf der Zunge kribbelt, sondern das stille Wasser, das langweilig und abgestanden schmeckt.
Von vielen Worten wird Sandra oftmals müde und nach zu vielen Berührungen auf ihrer Haut, fällt sie in sich zusammen und liegt erschöpft auf dem Boden. Sie ist die unangenehme Stille, die den Raum erfüllt und die Fahrstuhlmusik, die viele Menschen nicht wahrnehmen. Wenn Sandra spricht legt sie den sanften Schleier der Ruhe auf ihren Gesprächspartner. Eine Ruhe, die nicht einmal mit einem fünfwöchigen Kuraufenthalt zu erreichen ist.
Einen gemütlichen Abend daheim zieht Sandra einem Tanz im Vollrausch auf einer Party vor. Die Hummeln im Hintern anderer Menschen, schwirren in ihrem Kopf und summen unaufhörlich. Sandra muss deshalb sehr sorgfältig in ihren Kopf hineinhören, weil es dort so laut ist, dass sie nicht jedes Wort versteht. Ihre Gedanken haben die Geschwindigkeit einer Weinbergschnecke und sie schläft tagsüber manchmal ein, wenn sie ihnen zuhört.
Vor dem Einschlafen packt Sandra manchmal die Angst am nächsten morgen nicht aufzuwachen und dann fragt sie sich, ob sie jetzt auf einer Party trinken und tanzen sollte, bis ihre Gedanken betrunken und müde sind und sie in einem fremden Bett einschlafen lassen. Und dann hört sie sich ein Hörbuch der drei ??? an und die Stimmen der Sprecher tragen sie in einen sanften Schlaf.
Eines Tages schlich sie in gebückter Haltung und im Gleichschritt auf dem Bürgersteig entlang und sie fragte sich, ob sie den Kopf, der schwer an ihren Schultern hängt nicht aufrichten sollte, um mehr von ihrem Leben zu sehen. Und dann sagte sie, dass ihr Leben ein Produkt ihrer Persönlichkeit und ihres Charakters sei und das wäre eben eine langsame Sinfonie und kein krachendes Technolied.
Die Hummeln in ihrem Kopf verstummen für einen Augenblick und ihre Gedanken flüsterten, dass es irgendwann einen Menschen geben würde, der sie dafür liebt.

Kommentare
ich finds irgendwie toll, vor allem der letzte Absatz.
19.07.2011, 12:16 von -mariposa-Nur Frag ich mich, warum "Sandra"?
hat der kommentar unter einem deiner andern texte mit diesem hier zutun?
17.07.2011, 22:12 von InaCharlotte"Ich hab heute den Eindruck, du könntest vom Talent so ein Thema auch im Tango oder Breakdance oder sonstwie abhandeln, rückversicherst dich aber manchmal lieber mit einem Walzer."
@InaCharlotte ja, der kommentar hat mich dazu inspiriert :)
17.07.2011, 22:37 von PONY.@PONY. wusst ichs doch :)
18.07.2011, 00:17 von InaCharlotteich find den text im großen und ganzen echt gut. nur die letzten zwei absätze passen für mich irgendwie nicht rein. ich hätte es schöner gefunden, wenn der text mit den worten "Und dann hört sie sich ein Hörbuch der drei ??? an und die Stimmen der Sprecher tragen sie in einen sanften Schlaf. " geendet hätte.
ein leicht lesbarer und sympathischer text auch wenn er mich nicht vom hocker reisst.
15.07.2011, 13:17 von FaradunaSchön, dass Sandra sich mit sich versöhnt, und beginnt sich so zu nehmen wie sie ist. Erkenntnis ist aber auch immer der erste Schritt zur Änderung. Wenn diese denn noch gewollt ist.
15.07.2011, 12:40 von TaneaDer Vergleiche sind zwar teilweise schon recht dick aufgetragen und insgesamt sehr zahlreich, ( was aber wirklich Phantasie voraussetzt), aber ich kenne eine, die ist dieser Sandra sehr ähnlich. Von daher, denke ich mal ist nicht nur erfunden, die Geschichte.
Nicht ganz schlecht, aber auch nicht große Klasse. Würde sagen, guter Durchschnitt.
hast du gut beschrieben - die Sandra. Ist ne Heldin an der sich viele Menschen orientieren sollten.
15.07.2011, 01:48 von Rico_Stg@Rico_Stg Die is keine Heldin, die is einfach trüsch.
15.07.2011, 22:46 von Lenulitschka@Lenulitschka was isn trüsch?
16.07.2011, 20:02 von PONY.@PONY. 'Ne Transuse is trüsch.
18.07.2011, 18:31 von LenulitschkaDiese Vergleiche! Meine Güte... die Vergleiche, auserlesene Perlen von bildlich vorstellbaren Assoziationen zu jedem Charakterzug in Worte komprimiert. Am Ende gibts einen Schnitt und einen Einblick, ein Szenenwechsel zu ihr selbst. Ich habe jetzt spät abends gar keine Lust irgendwelche Fehler zu analysieren und finde ihn köstlich phantasievoll geschrieben.
14.07.2011, 23:55 von SirMCPedtaJaja, ihr Hobbypsychologen und Pseudokritikexperten, sie hat eine langweilige Persönlichkeit, davon natürlich viel zu viel, es ist vorallem zuviel Vergleich, es hinkt da, es hinkt dort, es hinkt hier, das ist falsch, das ist schlecht, das ist nicht recht.
Mein Blick gilt auf das was angenehm gut tut und das ist die Phantasie die hier eingeschleust wurde.
Jaja, das Ende, das passt nicht, der Anfang schon gar nicht, die Mitte ist zu krumm und drei Viertel sind zu schief.
Zum Glück schreibt ihr selbst keine Texte und wenn, schon gar keine besseren, denn als Zerhäcksel- Elite lasst ihr keinen einfachen Versuch zu sich auszudrücken und andere einen eigenen Text zu schreiben.
Gute Nacht allerseits.
@SirMCPedta SirMCPetda - Du sprichst mir aus der Seele. Die Geschichte von Sandra hat PONY sicher frei erfunden. Und erfinden setzt Fantasie voraus. Die hat die Schreiberin jedenfalls bewiesen. Schöner, nachdenklicher Text PONY ;-)
15.07.2011, 12:04 von limpstone"Sie ist der vergilbte Vorhang, der am Fenster der alten Dame hängt."
14.07.2011, 18:05 von Jackie_GreyDas ist ein sehr negativer Vergleich. Einen vergilbten Vorhang möchte nun wirklich niemand haben. Hier sind große Minderwertigkeitsgefühle mit ihm Spiel bei dieser Sandra. Siehe auch: "und wenn sie tanzt, dann mit dem Gedanken, dass sie es nicht kann."
Aber Sandra denkt viel: "Die Hummeln im Hintern anderer Menschen, schwirren in ihrem Kopf und summen unaufhörlich."
Auf mich wirkt die Protagonistin hochsensibel und überaus kritisch mit sich selbst. Der Vergleich ist das Ende allen Glücks, oder so ähnlich, las ich mal.
Bevor sie den Menschen findet, der sie für alle diese Wesenszüge liebt, muss Sandra erst lernen, sich selbst zu lieben.
ich find den Text - sry - misslungen. Mich stören nicht die falsch gesetzen Kommata und der dass/das-Fehler, den ich mal als Schusseln abtue, sondern der Schreibstil. Der Ansatz ist gut - die Monotonie, Einfachheit durch immer gleiche Satzstruktur auszudrücken. Aber es ist zu vielfältig, was dieser Monotonie widerspricht. Der Text gewinnt dadurch trotz der kurzen Sätze eine gewisse Dynamik. Alles wird nur kurz angerissen und für mich kommt die Dramatik nicht rüber, ganz im Gegenteil, sie wirkt - auch wenn das nicht beabsichtigt war - gekünstelt. Die Erzählerin selbst wirkt so bemitleidend, dass es wehtut.
14.07.2011, 14:18 von LaVieCurrieuxWie gesagt, die Idee ist klasse, aber die Ausführung ist so lala.
finde ich wundervoll.
14.07.2011, 13:17 von karl_kopfdie bilder. und auch die quintessenz, dass man irgendwann begreift, sich so zu akzeptieren, wie man ist - verbunden mit dem kurzen glücksmoment, dass da jemand ist, irgendwo, der einen dafür lieben wird. top!
find ich sehr gut den text, auch die vielen verschiedenen ideen sandras lebensweise zu beschreiben
14.07.2011, 12:24 von nkstrie