MissKellyMojo 30.11.-0001, 00:00 Uhr 51 77

Ich bin jetzt

Ich bin jung und zielstrebig, ich bin orientierungslos.

Ich bin jung und zielstrebig, ich bin orientierungslos. Ich hab kein Ziel vor Augen, ich hab Träume. Ich bin ein Misanthrop, ich treffe gerne spannende Menschen. Ich schaue aufs Geld und gebe es für Unsinn aus, zum Beispiel lustige Frühstücksbrettchen. Ich schreibe Gedichte, ich male, ich fühl mich unglaublich langweilig.

Ich verachte ungewollte Niveaulosigkeit und lese wöchentlich die Klatschpresse, suhle mich in Banalem auf der Suche nach dem normalen Alltag und dem Gefühl des "Alles ist gut". Liege auf dem Boden, betrinke mich und starre an die Decke, heule meine Seele raus. Sitze vor dem Fernseher, lackiere die Fußnägel in wirklich gutem Rot und denke an den Sommer, fühl mich glücklich wenn der Wind an einem heißen Tag von hinten in die Haare weht, könnte kotzen wenn er das gleiche vor der Arbeit tut.

Ich liege gern bis mittags im Bett, beneide die wachen Menschen, will die Zeit anhalten und die nervigen Vögel draußen erschießen. Ich stell mich dar und lass es dann wieder, ich schau den Menschen nach und laufe manchmal vor irgendwas vor weil ich nur auf mich konzentriert war.

Ich hör Musik ganz laut und kann den lauten Fernseher nicht leiden. Ich lass die Zeit so laufen und kann es nicht schnell genug haben. Ich lache, weine, schlafe oder schlafe nicht. Ich bin wild-euphorisch oder verstockt und desinteressiert, ich bin gelangweilt und gelassen, ich schreie und laufe laut rum, ich sitz in der Ecke und weiß nicht was ich sagen soll. Ich find mich wunderbar und scheußlich, ich hab ne große Klappe und ganz viel Schiss, ich bin total vernünftig und unendlich emotional und dankbar für Momente die sich für dramatische Gesten anbieten, ich bin absolut unromantisch und sehne mich nach Sternenhimmel und Liebesbotschaften.

Ich hab Existenzangst und Angst vor Einsamkeit, ich mag alleine sein und rumträumen, ich bin ein engstirniger Kosmopolit ohne Heiligenschein aber mit einem kleinen vielleicht. Ich trinke gerne kaltes Bier und benutze am Abend drei Gläser, ich finde Ordnung gut und bin total schlampig. Ich mag Dinge erledigen und schiebe ganz viel auf. Ich hab den Kopf voll mit Dingen und alles kommt aus einer anderen Richtung. Ich will Nähe und schiebe selber weg, ich brauch Sicherheit und Freiheit. Ich träume von neuen Dingen und mag Rituale, ich finde große Gesten gut und kleine auch.

Ich halte Momente fest und mich an ihnen, ich träume von gestern und von morgen aber alles das was ich denke ist jetzt.

Ich bin jetzt.

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51 Antworten

Kommentare

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    Mag ich sehr sehr tausend mal sehr :)

    21.01.2012, 19:38 von J.P.M2011
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    Bei so viel Zustimmung der Kommentatoren mag ich ja gar nichts negatives sagen : ) Trotzdem gibt es viel Unverständnis meinerseits angesichts der vielen Widersprüche. Für mich gibt es sehr wohl ein „entweder / oder“ bzw. die Fähigkeit, Sachen im entsprechenden Kontext zu sehen. Soll heissen, was mich in einer bestimmten Situation nervt, kann in einer anderen durchaus akzeptabel sein. Aber der Text enthält so viel Unfug aus meiner Sicht .. wenn ich beispielsweise bis Mittags im Bett liege, dann beneide ich nicht die, die das nicht tun, sondern genieße es, und wenn ich der Meinung bin dass ich was tun will, dann liege ich eben nicht mehr im Bett. Eigene kleine alltägliche Entscheidungen fällen, die unvermeidlich sind, dürfen nicht zu widersprüchlichen Empfindungen führen. Ok, zugegeben, manchmal gibt es doch diese Widersprüche (wie heisst es doch so schön in einem Lied ? „Manchmal hasst man das ,was man doch liebt“ ... auch so ein auftretender Widerspruch). Der Mensch ist nun mal keine Maschine. Meist haben sie aber ihre Ursache in der eigenen Unzulänglichkeit bzw. den eigenen Fehlern. Die es zu erkennen gilt um dann dagegen an zu gehen. Bevor man seine schlechte Laune an den Mitmenschen auslässt. Es mag allerdings manchmal dauern, bis man mit sich selber ins Reine kommt.

    11.10.2010, 13:13 von Cyro
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      @Cyro Danke für Deinen Kommentar, ich finde halt, dass gerade diese Widersprüche zu erkennen spannend ist. Und meistens liege ich bis Mittags im Bett weil ich den motiviert auf 10:00 Uhr gestellten Wecker ignoriert habe, aufgewacht bin und es sooo gut gefunden hätte schon viel früher wach zu sein! Es ist ein Zwiespalt den man (oder ich halt) in sich rumträgt. Wie wenn man es liebt wenn alles schön sauber und ordentlich ist, aber irgendwie räumt man doch nie alles sofort weg weil man zu faul ist und so trocknet der Teebeutel dann doch einen Tag in der Tasse vor sich hin. Manchmal nervt das, manchmal ist das auch ok aber warum denkst Du denn, ich lass meine Laune an anderen aus?

      11.10.2010, 13:25 von MissKellyMojo
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    Kein anderer Text spiegelt so sehr das Leben wider.

    10.10.2010, 12:47 von julia-
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    find ich gut

    04.10.2010, 18:27 von kekskrumen
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    du bist mein spielbild ,

    tolelr artikel :)

    27.09.2010, 09:25 von christianPoesie
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    Ein schöner Stil, der das ausdrücken kann, was beim Leser ankommen soll. Zumindest glaube ich das.

    26.09.2010, 21:50 von Julichen7
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    Anfangs war ich noch fasziniert, mit der Zeit wurde es mir zu langweilig.

    26.09.2010, 14:20 von liarsenic
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    super! kann mich sofort wiedererkennen;-) finde den "schreibfluss" gut, guter rhythmus; wir menschen sind so: "Der Mensch hat, im Gegensatz zum Tier, eine Fülle gegensätzlicher Triebe und Impulse in sich grosgezüchtet(..)" (nietzsche)

    25.09.2010, 18:01 von roxy87
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    Kann mir nur den positiven Kommentaren anschließen; ein wirklich guter Text, bringt die vielen Widersprüchlichkeiten und doch die große "Leiden"-schaft beim Erwachsen-Werden sehr gut zur Geltung.

    25.09.2010, 15:22 von vanilla.
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