Noah-Finn 26.09.2008, 00:35 Uhr 100 56

Fiona

Sie ist einfach wunderschön. Nein, sie ist nicht schön. Sie ist besonders. Sie ist unbeschreiblich.

Ich stand lässig am Tor des Seegrundstücks unserer WG und erwartete die ersten Gäste. Mein bester Freund hatte angekündigt, ein Mädchen mitzubringen. Nichts festes, er schleppte oft irgendwelche neuen Leute mit an. Manche waren 'brauchbar', aber die meisten sah man hinterher nie wieder. Ich lehnte mich gegen das Tor und nahm abwechselnd einen Schluck aus der Bierflasche in meiner rechten und einen Zug von der Zigarette in meiner linken Hand.

Nach einem Blick auf meine Armbanduhr wollte ich gerade anfangen, mich zu ärgern, weil er so lange auf sich warten ließ, als ich wieder aufschaute und mir schlichtweg die Luft wegbliebt.
Sie war einfach wunderschön. Nein, sie war nicht schön. Sie war besonders. Sie war unbeschreiblich. Ein Wesen mit einer verrutschten Strickmütze auf dem roten, langen Haar, das vom Wind immer zerzauster aussah und ihr ins Gesicht hing. Sie stolperte hinter meinem Kumpel her, auf dem einen Arm einen Sixxer Bier und auf dem anderen eine Flasche Martini und Baguette. Zwischen den Zähnen eine Tüte Chips. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen und trotzdem wirkte sie keineswegs lächerlich oder tollpatschig.
Als sie alles abgelegt hatte, drehte sie sich einmal um die eigene Achse und rief "Oh Gott, ist das toll hier!". Ich blickte mich selbst kurz um und sah den alten, verrosteten Wohnwagen mit dem mehr als schiefen und undichten Vorbau, den ungemähten Rasen, die eigens zusammengezimmerten Sitzmöglichkeiten um die Feuerstelle herum und den abgenutzen Steg, der zum See führte und fragte mich, was in aller Welt sie da von sich gab.

Das ist sie. Fiona. Ich meine nicht einfach, das ist sie, sie als Fiona. Sondern das ist sie. Das sie SIE, verdammt.

Wenn sie lacht, dann bilden sich Grübchen rechts und links auf ihren Wangen und sie beugt sich leicht nach vorn. Sie lacht irrsinnig laut und wenn sie Luft holt, macht es ein komisches Geräusch, über das sie noch mehr lachen muss. Ich liebe es, wenn sie lacht. Sie versucht nicht, dabei schön und anmutig zu wirken. Sie lacht einfach laut und ehrlich und aus vollem Herzen. Und man muss einfach mitmachen. Und deswegen ist sie schön, wenn sie lacht.

Wenn sie tanzt, schließt sie die Augen und lebt die Musik. Sie lächelt dabei oder beißt sich auf die Lippen. Ihr Haar wirbelt um sie herum und sie bewegt sich so leicht, als würde sie nie etwas anderes tun. Sie bewegt sich so, dass niemand wegsieht. Nicht nur wenn sie tanzt. Auch wenn sie geht. Wenn sie durch die Straßen läuft, sieht jeder sie an. Wenn sie einen Raum betritt, wendet jedes einzelne Augenpaar sich ihr zu und bleibt an ihr haften.

Sie trägt immer eine Strickmütze auf dem Kopf und einen Schal um den Hals. Immer. Egal, wie warm oder kalt. Sogar im Hochsommer und sie schafft auch noch, das nicht seltsam wirken zu lassen.
Bei jeder ihrer Bewegungen klimpern die vielen bunten Armreifen an ihren Handgelenken und klacken die großen, langen Ketten um ihren Hals. Sie liebt übergroße Taschen und übergroße Sonnenbrillen und trotzdem wirkt sie mit alledem nie überladen. Oder aufgesetzt. Schon gar nicht tussig oder abgehoben.

Fiona sagt, was sie denkt, auch wenn es unpassend ist. Sie hört auf ihr Herz und lebt in den Tag hinein. Sie ist mutig und spontan und bekäme sie jetzt auf der Stelle Lust darauf, am Meer zu sein, dann würde sich nicht lange warten, sondern irgendwie dort hinkommen. Sie schafft nämlich alles was sie will, irgendwie. Sie ist es gewohnt, zu kämpfen und sie ist gut darin.

Sie ist ein Mensch, der wirklich lebt. Und genießt. Im Frühling freut sie sich wie ein kleines Kind über die allererste Blüte, den ganzen Sommer über läuft sie barfuß und steckt sich Blumen ins Haar, im Herbst springt sie voller Freude in Laubhaufen und Regenpfützen und im Winter legt sie sich lachend in den eiskalten Schnee und macht Schnee-Engel.

Sie sieht in jedem etwas Gutes. Sie findet jeden Menschen schön und jedes Tier. Auf deren eigene Art und Weise. Sie sagt, kein Lebewesen ist hässlich, wertlos oder ersetzbar. Und sie gibt jedem Menschen das Gefühl, irgendwie etwas besonderes zu sein. Sie schenkt jedem ein Lächeln, auch Fremden, weil sie sagt, Lächeln sei das, was die Menschheit braucht.

Sie singt bei Liedern sogar die rein instrumentalen Stellen mit und ich kenne keinen Menschen, bei dem es so wunderschön klingt, wenn man die Töne nicht trifft, wie bei ihr. Sie liebt Konzerte und war schon auf fast jedem Festival, von dem ich gehört und nicht gehört habe. Sie kann dir nach den ersten drei Takten eines Liedes den Liednamen, ihre Lieblingstextstelle aus diesem Song, den Interpret und das Album nennen.

Fiona liebt die kleinen Dinge im Leben. Die Blumen und den Himmel, ihre Füße in den kalten See zu hängen, den Geruch von Regen und das Gefühl, wenn Sand durch ihre Finger rieselt. Wenn jemand sie zum lachen bringt, freut sie sich mehr als über ein teures Geschenk, weil sie sagt, dass sie ein herzliches Lachen viel glücklicher macht.

Ihre Wohnung ist bunt, jeder Raum hat eine andere Farbe und trotzdem harmoniert alles perfekt. Überall gibt es Blumen und bunte Kerzen, Windspiele und Fotografien von Musikern, Menschen, die ihr wichtig sind oder der Natur. Wenn man sie nach ihrer Lieblingsfarbe fragt, antwortet sie "Der Regenbogen" und wirkt dabei nichtmal albern.

Und manchmal, da wird Fiona ganz still. Dann hört sie auf zu lachen und zu reden und zu tanzen. Sie hört nicht auf, zu strahlen, doch sie kann das Licht dann nicht mehr sehn. Dann denkt sie an früher und an alles, was sie schon erlebt hat, was sie fast niemandem erzählt. Dann fühlt sie sich klein und schwach und einsam, hilflos, unbedeutend und nutzlos.

Dann tut es einem tief im Herzen weh, wenn man ihr in die Augen sieht. Dann weiß sie nicht mehr weiter und starrt stundenlang aus dem Fenster. In den Himmel. Sie raucht noch mehr als sonst und hat Angst, einfach zu verschwinden, zu zerbrechen. Einfach unterzugehn und keine Hand zu finden, die sie in letzter Sekunde herausziehen kann.

Sie sagt dann immer, sie habe das Gefühl, sie hätte sich selbst verloren und brauche jemanden, der ihr sagt, wo sie sich selbst vergessen hat und wohin sie eigentlich will und wer sie überhaupt ist. Und sie wirkt dann tatsächlich so verloren und gar nicht, wie sie selbst.

Wenn dann alles aus den Fugen zu geraten scheint, bricht irgendwann alles aus ihr heraus. Dann kommt irgendwann die erste Träne über ihre Wangen gerollt und sie weint. Sie weint und weint. Es tut einem in der Seele weh, ihr dabei zuzusehn. Sie weint und zittert und schreit und kann nichts tun, als zu warten, bis ihre Tränen leer sind.

Und dann wischt sie sich mit dem Handrücken übers Gesicht, lächelt ihr einzigartiges Fiona-Lächeln und ruft in die Welt hinaus, dass sie ihr Leben liebt. Und sie meint es ernst. Sie liebt ihr Leben dann dafür, dass sie noch leiden kann und sich noch erinnern kann, dass sie die Gabe hat, Glück zu erkennen, zu schätzen und zu genießen. Sie liebt ihr Leben dafür, dass sie stark genug ist, immer und immer wieder aufzustehn, auch wenn es sie Millionen mal schon niederschlug.

Fiona strahlt und glitzert, sie klimpert und knallt, sie verzaubert und fasziniert. Fiona ist natürlich, kein bisschen gespielt. Sie ist ehrlich und echt. Sie versucht nicht, ihre Macken zu vertuschen, ihre Fehler zu überspielen, gibt nicht vor, besser oder klüger zu sein, als sie ist. Sie versucht nicht perfekt zu sein und genau deshalb ist sie es.

"Fiona ist so verrückt", lächelt einer unserer gemeinsamen Freunde. Und ich sage: "Sie ist nicht verrückt. Sie ist der Wahnsinn."

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    Hm, ist schön, auf der einen Seite und sehr gut geschrieben. Nur ich finde das es mittlererweile eine ausgelutschte Story ist. Das Mädchen das ihr Leben liebt, aber in der Vergangenheit viel durchgemacht hat, weint und dann wieder merkt wie schön das Leben ist.

    Aber wie gesagt, gut geschrieben ists. Muss ich sagen.

    09.08.2009, 14:18 von Exploded
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    einfach WOW.
    soo unbeschreiblich.
    der schönste text den ich je gelesen hab.
    ein richtiger gänsehaut text :)

    24.04.2009, 15:33 von sarahlovesherbaebaey
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    3 Worte:
    Viel zu kitschig.

    23.03.2009, 19:52 von Buecherdiebin
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    einfach wundervoll.
    der text, genauso wie der mensch der beschrieben worden ist.

    13.12.2008, 15:59 von frl.prusseliese
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    Für meinen Geschmack etwas kitschig und zu lang. Aber vielleicht war ich einfach auch noch nie verliebt genug, um so einen Text schätzen zu können ;-)

    21.10.2008, 11:29 von HisHiasness
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    Was habe ich gelernt:

    Fiona ist ein labiler Hippie.
    Rote Haare kommen immer gut an.
    Du brauchst kein großartiges Talent.
    Meine Freunde empfehlen alles was auf die "Seite 1" kommt.

    15.10.2008, 11:43 von Yeezabel
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      @Yeezabel Was mir ja schwer zu denken gibt ist, dass ich jede Diskussion mit meinen schlechten Kommentaren zu töten scheine. Ich mache einen Beruf draus. Für den Fall das hier jemand kein Bock auf Kommentare haben sollte, ich hau eines unter jeden Artikel und dann ist Schicht im Schacht.

      Grüße.

      17.10.2008, 14:10 von Yeezabel
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    wunderschön

    12.10.2008, 01:08 von eightiesfan
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    Ich finde den Text durchaus sehr gelungen. Natürlich ist er etwas kitschig aber das ist in Ordnung. Manche Menschen versuchen in allem Klischees zu finden, aber man lebt ja umgeben von ihnen, es ist beinahe unmöglich ihnen zu entkommen. Und nur weil ihr alle so furchtbar individuell und anti-klischee sein wollt heißt das noch lange nicht das Klischees etwas schlechtes sind. Aber ihr seid natürlich zu erwachsen für so etwas. Da stellt sich mir die Frage: "Schon mal verliebt gewesen?", denn wenn man verliebt ist, dann ist eben alles rosa voller bunter Armreifen und Klimper.
    Alles in allem ich finde das gut. Klischees hin oder her.

    11.10.2008, 02:17 von MitchY
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