EliasRafael 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 6

Enigma fails

Ein Blitz aus dem Äther. Ich blicke auf die Nachricht. Du? Enigma stottert, die Sache mit dem Öl, die war einfach zu viel. Oder zu schmiiiiiiierig.

Ein Blitz aus dem Äther. Ich blicke auf die Nachricht. Du? Dann wieder weg. Und hin. Ungläubig. Sinn? Nein, Worte. Eher: Buchstaben, sinnlos aneinander gereiht. Ein Geheimcode, ja vielleicht, aus alt-, äh neutestamentarischen Zeiten. Möglicherweise. Der verschollene dritte Brief an die Korinther? Kapitel 13 Vers 13 – doppeltes Unglück – „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ Irrsinn. Mein Instinkt rät mir unmittelbar den Rewind zum Saulus. Backwardation. Irrtum.

Ich drucke die mysteriöse Nachricht aus. Begebe mich damit in unseren Keller. Dort haben wir ein kleines, ja, ich sage es absichtlich so salopp, ein Miniaturtechnikmuseum. Von Allerliebstopa. Der war nämlich ein Sugar Sweet Obersturmbannführer. Und KaLeu, zwar nicht auf der U96, aber einer von den Guten. Im Schlechten. Neben seinem alten Maschinengewehr 42, mit dem bewaffnet er vor der norwegischen Küste kurz vor Kriegsende noch eisige Fotos geschossen hat, steht eine Maschine – wie du. Enigma enträtselt mir den Code. Simple Algorithmen. 1-1-0.

„Ich, ich war das nie“, stotterst du, und das gleiche flüstere dann ich, denke: Nie Paulus. Der Uniformierte guckt mich fragend an… haben sie sie noch alle … „Nein, nein, nicht alle“, lache ich zurück. Er schaut auf die Maschine. Auf dich. „Enigma schaut verbraucht aus“, sagt er, „die Walzen im Kryptograph müssen neu justiert werden“. Öl fehlt, denn die Schmierenkomödie hat alles verbraucht. Meint er. Ich gieße mit der Kanne nach. Es kommt Schwung ins Getriebe. Böse Triebe.

Opa flüchte anno 1945 nach Neuschwabenland. In der Antarktis gelegen und heute Gegenstand zahlloser Youtube-Mythen. Eine geheime Zuflucht. Wohl der einzige Ort, wo es damals noch kälter war. Vermeintlich. Denn dann folgte erst der echte Kalte Krieg. Wer-Wird-Millionär-Frage: War der davor dann heiß? Ich blicke auf Enigma. Du lächelst nur. Sphynxisch-sibyllinisch. So wie meine Mutter. Oh, wtf. Ziel war ja ein akzeptabler Zustand, ein Gleichgewicht des Schreckens. Betonung: Gleichgewicht. Balance. Fail.

Vers 13. Love Exposure. Ein unglaublicher Film. J. wächst in einem streng katholischen Elternhaus auf. Seine Mutter stirbt und sein Vater wird Pfarrer. So muss J. bald jeden Tag die Beichte ablegen, doch er hat kaum etwas zu beichten, schämt sich dafür und produziert absichtlich Sünden. So wird er Perverser und versucht mit seinen Freunden das Fotografieren unter Röcke zu perfektionieren. Yeah, well, I think this rocks.

Shit, ich schaue auf deine Fotos. Zwar Röcke, aber keine Unterwäsche. Nicht mal das. Wofür die ganze Scheiße, wenn du noch nicht mal die nuttige Lolita spielen kannst. Enigma schaut mich böse an. Wieder nur ein Code. Lolita ist eigentlich Italo ohne L-iebe, kitschige Discomusic mit einem Touch Melancholie, traurigen Texten, aber ohne Inhalt, Sinn oder Verstand. „Erklär mir das?“, brülle ich dich an. Doch du, ganz Maschine, lächelst nur kryptisch zurück und betätigst irgendwelche Tasten.

Mein HTC blinkt. Die Enigma.App, das Gegenstück zur Glücksnuss in Facebook, lässt mal wieder einen mehrdeutigen Spruch ab. Ich muss lächeln und an Opa denken, der inzwischen wohl am Südpol friedlich erfroren ist. Und an J., der am Ende des Films in der Anstalt randalierte und verhaftet wurde. Schon ein paar Minuten nach ihrem Besuch fand er jedoch plötzlich zu sich, erinnerte sich, brach aus, rannte dem Polizeiwagen hinterher, in dem sie saß. Mit dem Ellenbogen zerstörte er die Scheibe. In der letzten Einstellung reichten sie sich durch das Fenster die Hand.

Ach, blöd, nur ein Film. Rauch steigt auf. Die elektromechanische Chiffriermaschine gibt den Geist aus. E-N-I-G-M-A – die Letzte Ölung war wohl zu viel, die Nachricht nur ein Fake. Du liegst im Bett. Kaputt. Platz genug immerhin, denn C. hatte in weiser Voraussicht King Size genommen. „Damit ihr euch nicht zu nahe kommt“, hatte sie gesagt, vielleicht auch nicht ganz so selbstlos. Doch die Sache mit dem Öl, die war einfach zu viel. Oder zu schmiiiiiiierig.

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5 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Anders, aber durchaus unterhaltsam!!

    08.02.2013, 13:40 von timlink
    • 1

      Danke, ich denke der Text war die Ausgeburt recht wirrer Gedankengänge, so ganz ernst kann ich ihn  daher selbst nicht mehr nehmen, unterhaltsam freut mich aber

      08.02.2013, 15:39 von EliasRafael
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    lies mal bei gelegenheit "tarantula" von bob dylan - ich entdecke parallelen - und finds toll

    27.08.2011, 01:05 von RAZim
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    i like the way you write...

    24.08.2011, 15:18 von nnoaa
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  • 1

    Manchmal, zwar selten, aber doch manchmal hab ich das Gefühl, du bist betrunken, wenn du schreibst ^^

    24.08.2011, 01:55 von nyx_nyx
    • 0

      @nyx_nyx ;))

      24.08.2011, 09:44 von ilofi
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