Einmaleins
Das Leben ist gar nicht so spannend. Vielleicht ein wenig sexy hier und da.
Ich kann mich nicht konzentrieren.
Ich zünde mir eine weitere Zigarette an, trinke einen kurzen, was an sich viel zu früh ist. (08:33). Aber was soll man machen.
Die letzte Nacht war scheiße, und jetzt soll ich lächeln. Das geht aber nicht mit klarem Kopf. Den beschließe ich in letzter Zeit immer öfter „offline“ zu lassen.
Ich glaube langsam aber sicher durchzudrehen.
Da sind die guten Momente. Du kommst rein, ein Kuss, ein fester, liebevoller Griff, wir landen auf dem Esstisch, vögeln, es ist schön, du kommst, ich auch... später. Wir gestehen uns ein, uns gern zu haben, machen uns was zu essen. Irgendwas gesundes.
Da sind die schnellen Momente. Beim Aufwachen. Duschen. Kaffee. Raus. Irgendwann wird man dann auch mal wach.
Da sind die ratlosen Momente. Wenn wir uns angucken oder du über eine Figurverbesserung redest. Für mich unbegreiflich- du bist zauberhaft. Für dich unverständlich- warum sieht der das nicht.
Da sind die ehrlichen Momente. Wir sind zusammen. Aber was heißt zusammen? Zusammengeschweißt. Zusammen und trotzdem autark? Zusammen, im Herzen treu? Ich weiß noch nicht so richtig, wie viel Nähe ich brauche, wie viel zu viel ist. Gibt’s dafür irgendeine Regel, wann man das wissen muss? Ich mag dich. Du mich. Deine Hand in meiner. Unser Blick ins Nichts gerichtet, so wie es Hollywood meint, dass es schön ist. Ist es auch. Bis es zu kalt wird. Hier, auf dem Balkon.
Da sind die verschlafenen Momente. Wir in unseren Armen, Beinen, Körpern- verschlungen. Ich alleine, du vielleicht auch, aber auf jeden Fall deine Worte auf meinem kleinen Display. Eingeständnisse mit 160- 320 Zeichen.
Da sind die traurigen Momente. Wenn irgendwas im Busch ist. Oder mal wieder eine mehr in dein Leben tritt. Und dein Herz sich öffnet. Nicht für mich. Mein Platz ist fest, aber weniger hell beleuchtet. Wenn ich merke, man kann Menschen nicht festhalten. Wie Sand, der einem durch die Finger rinnt.
Da sind die faszinierenden Momente. Wenn du lachst. Wenn es so aussieht, als würde es in diesem Moment nur unser Universum geben. Hier, auf der Couch, der Küche, der Parkbank...
Und dann gibt es die kommenden Momente. Über die sich jeder so dermaßen das Hirn zermartert, dass es einem übel wird. Was, wenn deine akute Verliebtheit für sie bleibt? Denkst du an mich, wenn wir uns küssen? Und natürlich kann keiner die Liebe halten, geschweige denn festnageln. Niemand hat seine Gefühle unter Kontrolle.
Da waren die vorbeiziehenden Häuser, mit Garten und normalem Job. Da waren die vielen Freunde, vielleicht mal ne Affaire, aber „man“ ist stark und schafft das schon. Da waren die vielen Gespräche, ein paar gemeinsame Freunde. Zusammen gekocht, geliebt, gelacht, getanzt, musiziert, gelesen, gelungert, gelaufen und gechillt. Ganz zu schweigen vom entdecken, denn davon gab es ‘ne Menge.
Und jetzt kommen die unberechenbaren Momente. Erwartete Reaktionen, die tatsächlich auftretenden einordnen, versuchen auch mal an was anderes zu denken. Da sind fremde Familien und unbekannte Freunde die komische Dinge tun, oder die so normal sind, dass es schon weh tut.
Da sind Momente zwischen den Zeilen. Eiscreme läuft über deine Finger, Sonnenstrahlen verfangen sich in deinem Haar, du lachst über einen absolut dämlichen Witz, bis dir die Luft wegbleibt.
Und was uns bleibt. Ist nichts. Das festhalten, was der, was die Momente hergeben. In eine kleine Tasche packen, die Seele damit ausfüttern. Das bleibt.
Wir lernen schnulzige Lieder zu verstehen, merken, dass wir uns immer verändern auch zu Menschen, die wir vielleicht nie sein wollten.
Das Leben ist ein Film, ist tausend Bücher in einem, man kann Gefühle so gut wie nie verbalisieren, der Sonnenuntergang ist was für Romantiker und wenn du tanzt siehst du aus wie eine fliegende Elfe.

Kommentare
wunderschön !
13.01.2012, 00:44 von Crazyblu..und wenn du tanzt siehst du aus wie eine fliegende elfe..
03.10.2011, 09:48 von wimpernwunschsehr stark. ich finde ihn garnicht übertrieben maskulin, irgendwie eher emanzipiert. Nicht im Alica-schwarzer-sense of the word.
07.09.2011, 22:24 von BlondBlauBloedFinde ich auch! Richtig klasse, wie du ihre Bewegungen und die "kleinen Dinge", die nur wenige Menschen kennen, in Worten formulierst! ;)
13.11.2011, 15:31 von likokosnussIch lese alle deine Geschichten. Diese - mit Abstand - die Beste von dir!!!
05.07.2011, 23:13 von Kiwanuschka@Kiwanuschka Danke für die Blumen :) Freut mich, dass ich einen Genussnerv erwischt habe !
06.07.2011, 00:01 von LifeInANickIn eine kleine Tasche packen, die Seele damit ausfüttern. Das bleibt.
01.07.2011, 11:43 von Jackie_GreySchönster Satz und feine Erkenntnis in diesem etwas "abgehackten, maskulinen Text".
@Jackie_Grey Du hast maskulin gesagt. Mit Dreitagebart. :)
01.07.2011, 13:25 von LifeInANickDanke