kaktusgarten 26.08.2007, 11:08 Uhr 51 51

Du wirst mich wohl nie verstehen.

Ich sehe dich an und meine Stimmbänder versagen. Mein Kopf versagt. Mein ganzer Körper…

Hier sitzt du nun und siehst mich an, wartest darauf, dass ich etwas sage. In meinem Kopf erkläre ich dir alles was du wissen willst, alles was ich will das du weißt. Aber mein Mund öffnet sich und klappt wieder zu, ohne auch nur einen einzigen Laut herauszulassen.

Wir können nicht miteinander sprechen, hast du gesagt. Was du damit gemeint hast war, dass ich nicht mit dir sprechen kann. Das hat mich sehr verletzt. Weil es wahr ist. So sehr ich es versuche, ich schaffe es doch nicht, die vielen Wörter zu ordnen, die in meinem Kopf Achterbahn fahren. Schaffe es nicht, Sätze zu formulieren, die es dir ermöglichen würden, mich besser zu verstehen. Du wirst mich wohl nie verstehen. Wie solltest du auch, wenn ich nicht rede. Wenn ich es doch nicht kann.

Ich sehe dich an und meine Gedanken beginnen, mit der dreifachen Geschwindigkeit umherzurasen. Es ist beinahe unmöglich, sie zu fassen. Ich sehe dich an und meine Stimmbänder versagen. Mein Kopf versagt. Mein ganzer Körper…
Doch wie soll ich dir Dinge erklären, die ich selbst nicht verstehe? Wie soll ich dir die Gründe für mein Verhalten begreifbar machen, das manchmal jeder Logik entbehrt? Du wirst mich wohl nie verstehen.

Hier sitzt du nun, und dein Blick fällt auf meine nackten Brüste. Du weißt, dass ich es nicht mag wenn du meinen Körper betrachtest. Du weißt, dass ich meinen Körper nicht mag. Oder weißt du es nicht? Habe ich dir das jemals gesagt? Egal. Und ich sag es auch jetzt nicht. Ich zünde mir lieber eine Zigarette an und bringe meine Arme in eine Position, die dir den Blick auf meine Brüste verwehrt. Langsam blase ich den Rauch in deine Richtung, um deine Aufmerksamkeit wieder auf mein Gesicht zu lenken. Vielleicht schaffe ich es ja, dir nur mit den Augen alles zu erklären. Zum Beispiel, wie wichtig du für mich bist. Denn es gelingt mir nicht, dir das zu sagen, oder auf andere Weise zu zeigen.

Du wendest deinen Blick ab, betrachtest das Muster der Bettdecke und schüttelst kaum merklich den Kopf. Ich spüre wie dich der Mut verlässt. Der Mut, dich mit mir auseinanderzusetzen, mich zu verstehen, mehr über mich zu erfahren. Ohnmächtig sehe ich dir dabei zu, greife nach deiner Hand, doch du ziehst sie weg. Bitte tu das nicht! Bitte nicht. Ich liebe dich, hörst du? Ich liebe dich! Natürlich hörst du nicht. Wie solltest du auch hören was in meinem Kopf vorgeht. Die einzige Möglichkeit wäre, es auszusprechen. Doch ich schweige, und sehe dich an. “Ich bin müde“, sagst du, und wendest mir den Rücken zu. Ich bleibe sitzen, hoffe dass du dich wieder umdrehst, mit mir redest. Irgendwann werden deine Atemzüge langsamer, tiefer, regelmäßiger, und ich weiß, dass du schläfst. Ich lege meinen Arm um deinen Körper, mein Kinn auf deine Schulter, vergrabe mein Gesicht in deinen Haaren und versuche zu schlafen. Es geht nicht, ich bin noch zu unruhig, kann meinen Kopf nicht zum schweigen bringen. Doch ich genieße es, mich an dich zu schmiegen, deinen Duft einzusaugen, deine Wärme zu spüren.

Ich klammere mich an dich, jetzt, wo du schläfst und dich nicht dagegen sträuben kannst. Ich klammere mich an diesen Augenblick, denn ich spüre, dass du bald weg sein wirst. Für immer will ich ihn aufheben, diesen Augenblick. Damit ich dich niemals vergesse.

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51 Antworten

Kommentare

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    der text ist toll...die situation kenn ich nur zu gut...

    09.06.2008, 23:00 von BlackButterfly
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    beim lesen diese textes kommen mir die tränen, das kommt mir so bekannt vor

    13.04.2008, 14:24 von ana-tomie
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    wow ...wie kann ein anderer mensch genau das "aussprechen" was ich im moment denke und fühle ...schon vom ersten wort an kam mir die situation ungewohnt bekannt vor ...

    12.03.2008, 19:36 von strange.kitten
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    ich kann leider auch jedes einzelne Wort und jede Bewegung die du Beschreibst auf mich beziehen.. es ist so unsagbar schwer einen Ton rauszubekommen... Ich stecke gerade auch in der Situation wo es an der Zeit ist das Schweigen zu brechen und das erste mal im Leben für etwas zu kämpfen was mir so unglaublich wichtig ist!!!

    11.03.2008, 12:55 von diedanne
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    genau so ist es. labern ist einfach. aber reden ist schwer. es ist so, als müsste man seine meinung immer rechtfertigen.

    27.02.2008, 22:42 von miralii
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    oh, wie sehr gut ich Dich verstehe...auch wenn ich immer dachte: nur ER versteht MICh nicht

    ja wir können nicht zusehen wie er den Mut verliert...wenn Du eine Chance hast nutze sie

    aus eigener Erfahrung: sich lieben aber nciht beieinander sein aber von sehnsucht gequält werden. das ist mein leben. um ihn nciht zu sehen bleib ich heute daheim, denn wir könnten die Blicke nciht voneineder lassen aber würde aus Verzweiflung streiten

    31.12.2007, 21:44 von Frau_Purzel
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Ich kenn das auch, aber bei mir ist das ein wenig anders. Ich sage nichts, weil er es nicht versteht und weil das unsere Beziehung nur kaputt machen würde. Wenn ich ihm meine Gedanken und Gefühle mitteilen würde, würde er wieder in diese Panik verfallen. Er würde das nicht verstehen. Das sind eben die negativen Seiten. Ich finde es sehr schade ihm das alles nicht sagen zu können, aber ich möchte mir damit die schönen Momente bewahren.

    06.12.2007, 16:44 von Nea
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    Oh verdammt:( Das ist nicht gut. Ich hatte bis vor kurzen eine Beziehung die auch so ähnlich zerbrochen ist. Und wenn ich den Text lese, sehe ich SIE darin:( Und obwohl ich es wusste und obwohl ich sie verstanden habe, ging es trotzdem schief, weil sie nicht reden konnte. Egal was ich gemacht habe...

    Hoffe es geht dir heute besser!

    LG

    19.11.2007, 03:08 von Tankstellenpoet
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    weine grade, als ich deinen text lese..
    denn genauso ging es mir letzte woche mehrmals,nur dass wir geredet haben, ohne zu einem ergebniss zu kommen, und ich weiß auch nicht wie s enden soll...

    wunderschöner text...

    07.11.2007, 16:43 von Prinzssintine
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