Taschina 31.05.2008, 21:00 Uhr 111 263

Du und das mit der Liebe

Du sagst du liebst mich. Nicht nur heute, sagst du, und lächelst.

Du sagst du liebst mich. Nicht nur heute, sagst du, und lächelst. Sagst, du kannst mich glücklich machen und dass ich wegen dir niemals traurige Texte schreiben müsste. Du sagst, manchmal wartet man so verzweifelt auf etwas, dass einem so viele andere geöffnete Türen unbemerkt bleiben. Und du sagst, du findest, ich hätte genug gewartet, und dass sich die Tür manchmal melden müsste. Laut und deutlich. Damit sie nicht übersehen bleibt.

Und so stehst du nun also vor mir, so laut und deutlich und lächelst, während ich still auf den Boden starre, und kleine Kieselsteine mit den Füßen hin- und herrolle. Als wäre es das einzige was es jetzt zu tun gäbe, das einzige, was jetzt wichtig wäre.

"Liebst du mich auch, wenn ich nicht gut gelaunt bin?" , frage ich, ohne den Kopf zu heben, "Wenn ich dich niemals an mich heranlasse, dich von mir stoße, an dir reiße, vor dir weglaufe. Wenn ich kalt bin, tagelang verschwinde, wenn ich auf deine Anrufe nicht reagiere und deine lieben SMS nicht beantworten würde? Würdest du mich dann immer noch lieben? Wenn ich deine Nähe nicht ertragen könnte, und ich dir niemals versprechen könnte, dass du der einzige für mich sein wirst, willst du dann immer noch bei mir sein?"

Ohne den Kopf zu heben weiß ich, dass du gerade deine Finger gegeneinander drückst, dass du auf deiner Unterlippe kaust, und dir die Haarsträhnen hinters Ohr klemmst, die dir ins Gesicht gefallen sind. "Man kann sich nicht aussuchen, wen man liebt, nicht wahr?" sagst du, und ich höre das Kratzen in deiner Stimme. Höre das Kratzen, spüre das Stechen in meiner Brust, sodass mir die Stimme versagt bleibt, und ich nur den Kopf schüttle und mit dem Fuß kleine Spuren in den Sand male. "Dann werde ich dich wohl weiterhin lieben, so wie du ihn immer noch liebst. Auch wenn du mich traurig machst, so wie er dich traurig macht", sagst du, und lächelst schon wieder.

Ich höre wie du aufstehst, möchte nicht nach oben schauen, nicht, nachdem ich das Kratzen in deiner Stimme gehört habe. Bis ich deine Hand auf meiner Schulter spüre. "Irgendwann sieht man die neuen Türen", sagst du, streichst dir die Haare hinters Ohr, küsst mich auf die Stirn und gehst zurück zu den anderen. "Irgendwann sieht man die neuen Türen und schließt die alten ab."

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111 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Oh mein Gott. Ist das traurig schön. Und so war...

    18.06.2014, 23:26 von gedankenkarussell
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    true!

    29.12.2013, 23:05 von Meeresluft
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  • 1

    Schon 20 mal gelesen und trotzdem kommen mir immer noch die Tränen.

    02.12.2013, 10:27 von Sunny2401
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  • 0

    Sehr berührend..

    05.08.2013, 15:53 von Kuestenperle
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  • 0

    Du schreibst wunderschön, finde ich.

    14.08.2011, 21:02 von Sini_Bieni
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  • 0

    so wunderschön, dass es mir die tränen in die augen treibt. ganz groß!

    04.08.2011, 14:32 von unzerbrechlich
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  • 1

    3. Teil total schön und gleichzeitig wundervoller Höhepunkt (Gänsehaut)
    -> gesagte Worte die meist ungesagt bleiben, um Problemen aus dem Weg zu gehen

    17.02.2011, 20:50 von whatsleft
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  • 4

    Offene Türen belasten die Seele.

    06.02.2011, 20:32 von topfbluemchen
    • 0

      Ein großes Herz für diese wahren Worte!

      21.11.2013, 15:17 von Jennesmee
    • 0

      nur wenn du in dessen türschwelle stehst!

      09.12.2013, 17:04 von elliflora
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  • 0

    Wunderschön.

    15.01.2011, 23:59 von Pietschie-Patsch
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