Die Geschichte eines Augenblicks
Ich stand an unserem Fenster und schaute hinüber in den Park.
Ein schöner Park, nicht groß, aber eine kleine willkommene grüne Oase hier mitten in unserem Stadtviertel, wenn man sich einfach mal für ein Weilchen auf die Wiese setzen oder den Hund mit seinem Ball bespaßen möchte.
Zwischen unserem Fenster und dem kleinen Park ist eine große mehrspurige Straße, auf der von früh morgens bis spät abends reges Treiben herrscht. Pkws, Lastwagen, Busse und Straßenbahnen donnern tagtäglich unter unserem Fenster vorbei, viele Radfahrer und noch mehr Fußgänger, die es immer sehr eilig haben und deren Gesichter meist eine Spur zu verbissen und gestresst daher kommen.
Genau unter unserem Fenster ist auch der Fußgängerüberweg.
Man kann immer das „Klack-Klack“ der Ampeln hören, kurz bevor sie von Grün auf Rot springen, man hört das ungeduldige „Brumm-Brumm“ der Autofahrer, die nicht schnell genug wieder Gas geben können und man sieht oft die Erleichterung der Passanten, dass sie es so gerade noch über die Straße geschafft haben, bevor es wieder „Klack-Klack“ macht.
Ich stand an unserem Fenster und schaute auf die gebeugte alte Frau, die auf ihrem Stock gestützt darauf wartete, die große Straße überqueren zu können. Und ich sah die Leute um sie herum, die nicht hektisch genug die Seite wechseln konnten, wenn die Ampel wieder von Rot auf Grün sprang und ich sah auch, dass sich niemand dafür interessierte, dass die alte Frau es nun schon zum fünften oder sechsten Mal versuchte, es den anderen gleichzutun und auch gerne auf die andere Straßenseite kommen wollte.
Das „Klack-Klack“ der Ampeln war einfach immer schneller als sie. Das „Brumm-Brumm“ sowieso. Drei oder vier zögerliche Schritte und sie taperte wieder zurück, verschreckt und zurückgescheucht vom Gehupe der Autofahrer, die nicht schnell genug wieder losrasen konnten. Ich sah ihren hilflosen bittenden Blick, den niemand um sie herum beachtete und ich sah einen Jungen, vielleicht dreizehn oder vierzehn Jahre alt, der freundlich grinsend auf die alte Frau mit dem Stock zuging, sie an die Hand nahm und mit ihr langsam die Straße überquerte.
Ich hörte das „Klack-Klack“ der Ampeln, ich hörte das ungeduldige Hupen und Geschimpfe der Autofahrer und ich sah, wie der Junge ihnen den Stinkefinger zeigte.
Und ich sah das warme, herzliche Lächeln im Gesicht einer alten Frau.

Kommentare
Werte Neon-Redaktion,
11.07.2011, 15:43 von derHalbstarkewie kann es sein, dass hier noch alte Texte unter meinem früheren Nick stehen, obwohl ich die alle seinerzeit gelöscht habe?
...sehr seltsam. ^^
ja die Jugend von heute ist vielleicht doch nicht so schlimm
22.03.2011, 19:44 von missbutterfly400... auch in meinem Gesicht verzog sich mein Mund zu einem Lächeln :)
20.12.2010, 18:40 von emotion.crateEine sehr schöne Geschichte, die einen Augenblick wirklich versüßen kann.
ich habe Gaensehaut!!
10.11.2010, 18:19 von sparkleninada sieht man, dass nicht alle menschen zum negativen neigen.
01.12.2008, 17:49 von Fratellis_BabyGeiler Text! ...und irgendwie schön zu lesen, dass es auch noch einen Teil unserer Gesellschaft gibt, der nicht nur an sich denkt.
09.11.2008, 13:00 von ChAkRazu schön, less grey, more momo.
25.09.2008, 00:30 von sophietrauerdie welt kann fein sein.
mist. draußen is kalt und mir is gerade das herz aufgegangen. das zieht immer so. pfff.
23.09.2008, 23:34 von hib