Deine Blicke sagen mehr als deine Worte
Ich stehe vor der Tür, meine Freunde sitzen in der Bar. Ich rauche. Neuerdings. Es regnet und ich quetsche mich an die Scheibe und
hoffe nicht nass zu werden
Dann kommst du. Deine braunen Augen funkeln mich an. Wie immer, wie von einem Teddybären. Ich habe keine Lust heute deinen Blicken, den eindeutigen Blicken auszuweichen. Was ein lächerliches Spiel. Wir wissen beide was Sache ist. Beide!
Dann fragst du mich: Hey wie heißt du? Ok wir spielen ein noch viel lächerlicheres Spiel. Ich antworte, „Mel“. Nein so heiße ich nicht. Ich schweige und wünsche mir, dass er wieder geht. Aus meinem Leben verschwindet.
„Bekomme ich eine Zigarette? Ich bin übrigens Peter!“ Ich lächle und halte ihm die Packung hin. Er ist Nichtraucher. Seit drei Wochen. Vorher starker Raucher. Ja das weiß ich.
Wir stehen beide da und schweigen.
Der Rauch meiner Zigarette legt sich auf meine Lungenflügel und macht mich langsam und sicher krank. Ich stelle mir vor, wie kleine schwarze Tierchen sich ein Bett bauen und lachend die Wände meiner Lunge schwarz streichen.
Sein Blick lässt mich meine Phantasiereise unterbrechen und ich finde mich in der Kölner Innenstadt vor einer Kneipe mit dem Mann, mit dem Blick wieder.
Wir verfallen in einen Smalltalk in dem wir spielen. Wir spielen, dass wir uns nicht kennen.
Somit haben wir keine Nacht zusammen durchgetanzt. Wir sind dann auch nicht Händchenhaltend durch die Innenstadt im Sommer gelaufen. Betrunken, nachts. Wir haben uns keine Songtexte in der Klapsmühle in die Ohren geschrien, dabei haben unsere Lippen auch nicht die Ohren berührt.
Wir Rauchen eine weitere Lucky. Die Tiere können nun eine Party feiern, sie haben Papierhüte auf und trinken Kölsch, sie tanzen. Ich wünschte ich könnte mich auf eine Nacht mit „Peter“ einlassen. Nur eine Nacht. Einmal austesten und dann wieder zurückgeben.
Mein Typ ist Peter definitiv nicht. Ein wenig zu viel auf den Hüften und seine Kleidung mag ich auch nicht. Diese überhebliche Art finde ich absolut schrecklich und sein Lachen abstoßend. Die Art wie Peter sein Essen isst, lässt mir den Appetit verderben. Und wie er mit mir spricht. Im Büro. Es macht mich aggressiv. Wir diskutieren stundenlang über Kleinigkeiten. Nun er ist mein Chef. Ich müsste gehorchen, tu ich aber nicht. Ich bestelle was ich will und arbeite wie ich es für richtig halte. Punkt.
Aber da ist ein Klebeband zwischen uns. Ein Band das mir zittrige Beine macht, wenn ich mal wieder ins Büro muss. Ein Seil welches uns auf jedem Meeting nebeneinander setzt. Irgendwie sind auch immer wir die letzten auf Weihnachtsfeiern, Geburtstagen und Festen.
Ich bin mir ganz sicher, nach der einen Nacht wäre das Band, Seil oder was auch immer weg. Einfach weg. Es geht hier nur um was kompliziertes, was Spannendes. Etwas Verbotenes.
Denke nicht an Sommer. Und was fällt einem ein. Klaro Sonne, Sand und Plamen.
Nun denke nicht an Peter und an was denke ich. An seinen Hintern, seine braunen Augen. Seine Hände welche Hornhaut vom Renovieren aufweisen und ganz trocken sind. Ich denke an seine Hand, welche meine Hand wie selbstverständlich festhält und der Welt zeigt, dass ich zu ihm gehöre. Ich denke an die Zettel die wild auf seinem Schreibtisch liegen und ihm erzählen was zu tun ist.
Und ich denke an seine Freundin, die er mir verheimlicht. Von der ich offiziell nichts weiß. Wenn wir zusammen sind, egal ob im Meeting, auf einer Party oder beim morgendlichen Kaffeeklatsch. Sie kommt in seinen Erzählungen in meiner Gegenwart nicht vor. Die Sonntage wurden alleine verbracht, der Urlaub mit Kumpels genossen und die Wohnung gehört Peter alleine.
Meine Blicke sind auch nicht ohne, ich habe auch so Teddyaugen. Ich blicke tief in seine Augen und frage ihn ob er Lust auf eine gemeinsame Nacht hat. Mein Herz hört auf zu schlagen. Die Zeit ist stehen geblieben und die Welt dreht sich nicht mehr.
Sein Blick trifft meinen Blick. Er atmet nicht. Sekunden vergehen. Er holt Luft, will was sagen…..
Um die Ecke schießt eine kleine blonde Frau. Mit Pumps, welche ich nicht mal zu einer Sitzparty anziehen könnte, die Beine sind perfekt durchtrainiert und die Haare sitzen wie in der Werbung.
Nun gut, jetzt kenne ich auch seine Freundin.
Aber die Blicke bleiben. Täglich.

Kommentare
absolut geiles Ende! Das macht das ganze Ding echt lesenswert. Ich mag die Art, wie Du schreibst.
07.09.2011, 22:56 von Al_Soprano