Kathrin_Hartmann 07.07.2006, 11:12 Uhr 28 0
NEON täglich

Back to the roots

Wenn man zuhause weggezogen ist, denkt man nicht im Ernst dran, wieder zurück zu kehren. Einige tun es aber doch. Vielleicht mehr, als man denkt.

Als mir vor einiger Zeit Bekannte erzählten, sie würden jetzt aus der großen Stadt wieder zurück an ihren Heimatort ziehen, dachte ich, ich höre nicht recht.
Gut, sie hatten gerade ein Kind bekommen, da können Garten und gute Luft nicht schaden. Aber gute Luft, Gras und Bäume gibt es doch anderswo auch. Warum gleich den ganzen Schritt zurück in die Kindheit? Wenig später hörte ich ähnliches von einer Freundin. Sie studierte in Berlin und Paris, machte Praktika in Hamburg und London, bekam keinen Job und arbeitet jetzt wieder im Betrieb ihrer Eltern irgendwo auf dem Land, wo ihre Freunde von damals längst nicht mehr wohnen. All drei sind damit auch nicht unglücklich geworden. Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umhöre, kennt jeder jemanden oder jemanden, der jemanden kennt, der wieder zurück in seine Heimat gezogen ist.
Und wenn ich ehrlich bin, befällt mich, je weiter ich von meinem Heimatort weg bin und je länger meine glückliche Kindheit dort zurück liegt, melancholisch, wenn ich meine Eltern dort besuche. Wenn ich dort an einem Sommersonntag das leise Klappern von Geschirr zur Mittagszeit aus den Gärten höre oder dass unser Nachbar Holz hackt, wenn ich spazieren gehe auf den Wegen, die sich kaum verändert haben, seit ich darauf im Kinderwagen geschoben wurde, ertappe ich mich bei den sentimentalsten Gedanken. Und ich kann plötzlich gut verstehen, warum es einen wieder in die Heimat zieht, dorthin, wo man seine ersten prägenden Erfahrungen gemacht hat, wo alles vertraut ist und es eine Sicherheit und Verbindlichkeit jenseits von Globalisierung zu geben scheint.
Geht es euch ähnlich? Könntet ihr euch vorstellen, wieder zurück an den Heimatort zu ziehen? Kennt ihr auch welche, die diesen Schritt getan haben? Und was bedeutet Heimat für euch?

28 Antworten

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    Hey ho,

    ich wohne jetzt auch seit *Kalender schau* bald 5 Jahren nicht mehr bei Mutti, ist schon schön, wenn man mal wieder heim kommt, aber man darf nie vergessen: JETZT ist man ein Gast, erlebt die schönen Dinge, vergißt die Kleinigkeiten, über die man sich früher geärgert hat, sieht nur noch "das Schöne" an zu Hause...

    Ich bemerke bei einigen Leuten in meinem Umfeld, daß sie es eben noch nicht geschafft haben, sich von "zu Hause" zu lösen, eine Freundin, die ich aus ihrer Ausbildungszeit hier in Lev kenne, ist oft am WE ca 150km weit weg bei ihren Freunden von früher, ich sehe darin die Gefahr, sich in seiner neuen Gegend sozial nicht so eingliedern zu können, wie wenn man am Wochenende auch mal hier unterwegs ist und Leute kennen lernt...

    Ich würde sagen: "Weg von zu Hause" gehört zum Erwachsen-werden, aber immer dran denken, was ein paar tuckige Jungs vor ein paar Jahren gesagt haben... "Never forget where you´re coming from..." ;-)

    11.07.2006, 17:27 von neLLiTheKid
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    :-)))
    die Fürth-Witze sind gut, die sollte ich mir merken, wenn ich mal wieder versuche, durch meine freundliche Art eine total murrige Fleischereifachverkäuferin dazu zu bringen mir auch einen schönen Tag zu wünschen!
    *gg*

    10.07.2006, 22:38 von Nevia
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    Ich bin nun schon seit mehreren Jahren ausgewandert und werde oft gefragt, ob ich die "Heimat" nicht vermisse und antworte ehrlich: "NEIN". Es ist schön ab und zu mal nach Hause zu Muttern zu fahren (auch mich überkommt dann immer ein wenig Melancholie), aber lange halte ich es da nicht aus...zu Hause ist man doch irgendwie wieder Kind und ich bin kein Kind mehr! Die wenigen Freunde von früher, die da noch sind, sind immer noch die Alten, aber(tschuldigund alle zusammen!) recht langweilig geworden. Also: ich bleib im Ausland - aber einmal pro Woche wird lange mit zu Hause telefoniert!

    10.07.2006, 19:07 von kleinehexe77
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    Hallo,

    für alles Geld in der Welt würde ich nicht an den Ort meiner Kindheit oder in das heutige Haus meiner Mutter zurück ziehen. Ich denke das hat viel damit zu tun, wie man die eigene Kindheit erlebt hat.

    Ich habe sehr wohl meine drei Jungs die ersten zehn Jahre weit draußen auf dem Land groß gemacht, wo es noch Kühe, Wiesen und Wälder gab, in denen die Zwerge nach Herzenslust mit ihren Freunden spielen konnten.

    Später wohnten wir am Stadtrand, wo es beides gab - Fluß, Wald und Platz, aber auch eine Straßenbahn und eine Stadt in der sich junge Leute ein bisschen austoben können.

    Heute lebe ich wieder mitten in der Stadt (zwei Städten). Wenn man sich ein bisschen bemüht, kann man auch in der Stadt hervorragende soziale Netzwerke bauen, die einen auch dann tragen, wenn es mal zäh wird.

    Heimat und "zu Hause" ist für mich da wo mein Herz ist, nicht da wo ich groß gewirden bin.

    Liebe Grüße

    Sven


    10.07.2006, 09:58 von slap882
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    Zitat Hartmann:
    "Als mir vor einiger Zeit Bekannte erzählten, sie würden jetzt aus der großen Stadt wieder zurück an ihren Heimatort ziehen, dachte ich, ich höre nicht recht."

    Warum regst du dich denn immer darüber auf, was andere machen?

    Gibt denn dein Leben nicht mehr her oder was?

    10.07.2006, 08:08 von stern_blitzer
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    Ich bin vor knapp 5 Monaten ca. 500km von meinem Heimatort weg nach Bayern gezogen.
    Vorgestern waren meine Eltern für ein paar Stunden zu Besuch da.
    Als sie weg waren und ich den immer noch gedeckten Kaffeetisch, die verrückten Stühle und den vollen Aschenbecher gesehen hatte, wusste ich dass ich hier nicht glücklich bin und in spätestens in zwei Jahren nach Hause will - dahin wo alles ist, was ich liebe und meinen Alltag ausmacht. Dort, wo ich zur Schule ging, dort, wo Leute wohnen die mich kennen - kurzum: dort, wo ich eine Vergangenheit habe und nicht plötzlich vom Himmel gefallen bin.
    Hier brauche ich mich nicht nach Autos umzudrehen weil ich ein schlechtes Gewissen habe jemanden nicht gegrüßt zu haben, hier kann ich mich mit niemandem verplaudern den ich zufällig getroffen habe. Hier ist Fürth in Bayern. Und hier sind die Menschen sehr sehr abweisend.

    09.07.2006, 21:06 von Nevia
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      @Nevia "besser fünfter als fürther"
      (da wir gerade beim thema fürth-witze sind *g*)

      ich war auch mal beruflich für zwei monate da und der aufenthalt hat leider so gut wie alle vorurteile gegen franken/bayern bestätigt...

      naja, zumindest der h&m in fürth ist gut: sehr groß und immer leer ;)

      10.07.2006, 09:26 von girasole
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    Das verhalten ist denke ich normal, denn das erste zuhause vergisst man nicht, und wenn die eltern dort noch leben, gibt es einem eine gewisse Sicherheit!

    09.07.2006, 18:09 von contact
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    Ich wohne noch zu Hause, will zwar auch weg, aber nicht dringend.
    Nur bin ich mir sehr unsicher, ob ich, wenn ich dann weg bin, jemals wieder hier lande. Warum auch?
    Grüße.

    09.07.2006, 13:08 von Gigigolo
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