Madame_Printemps 27.03.2010, 15:17 Uhr 181 72

Als ich aufhörte, cool zu sein

Oder besser, als ich aufhörte, so zu tun, als ob.

Ich habe es satt, mich anzustrengen, um besonders cool und vor allem besonders speziell und ausergewöhnlich rüberzukommen.
Das macht keinen Sinn, weil die Leute am Ende sowieso nur enttäuscht sind, weil ich doch nicht so hyperintellektuell und absolut mainstreamgelöst bin.

Ich bin ein ganz normales Mädchen, klischee-erfüllend zickig und shoppingsüchtig.
Ich meckere über mein Gewicht und halte trotzdem keines meiner so sorgfältig ausgetüftelten Sportprogramme länger als zwei Monate durch. Ich rauche zu viel, esse liebend gerne Tiefkühlprodukte, weil ich zu ungeduldig bin, um mich an den Herd zu stellen und ich bin froh, wenn es regnet, weil ich mir dann selber einreden kann, dass es ja jetzt wirklich nicht meine Schuld ist, dass ich heute keinen Sport mache. Trotzdem oder gerade deswegen werfe ich regelmäßig mein Geld für Frauenzeitschriften raus, um mich mit den darin enthaltenen Wellnesstips bei meinem Körper zu entschuldigen. Ich weiß natürlich, dass ich nie automatisch aussehen werde, wie Gisele Bündchen, nur weil ich einmal im Monat ein Milch-Honig-Bad nehme, 5km laufen gehe und mir Gurkenscheiben auf die Augenlider klatsche - trotzdem. Ich tue das, weil mir jeder vorgaukelt, wie ausgeglichen er ist, durch gesunde Ernährung und Sport. Ich will das auch und gaukel es mir vor, aber ich bin es nicht.

Ich würde wirklich gerne die Grünen wählen, ohne schlechtes Gewissen, aber ich fahre nun mal gerne und oft Auto. Und ja, auch lächerlich kurze Strecken. Ich schalte meinen Computer nicht immer aus, wenn ich das Haus verlasse und entweder Fernseher oder Radio dudeln fast den ganzen Tag, einfach so nebenbei. Ich liebe stundenlange Schaumbäder und föhne alle zwei Tage meine Haare. Mindestens zwanzig Minuten lang. Ich spende auch nichts für das Pflanzen von Bäumen oder das Erhalten von Naturschutzgebieten, obwohl ich Blumen und Tiere wirklich mag. Aber ich bin einfach nicht wirklich umweltfreundlich.

Ich sage meinen Freunden ab, weil das Staffelfinale von Private Practise läuft und mein Zimmer versinkt unter meterhohen Taschentuchbergen, während ich mir eine Liebesschnulze nach der anderen reinziehe. Tut mir leid, auf meinem Fernseher läuft halt nur selten Arte. Mich interessiert das Schicksal fremder Familien im Brennpunkt mehr als Geschichtsdokumentationen, mit denen habe ich mich immerhin schon zur Genüge in meiner Schulzeit vergnügt.

Manchmal betrinke ich mich maßlos, bis ich zuerst auf Tischen tanzen und anschließend in Eimer kotze und bin trotzdem kein "Atze". Manchmal bin ich leicht zu haben und ich renne sowohl Männern, als auch Bussen hinterher, weil ich nun mal unpünktlich und unaufmerksam bin. Ich bin keine Emanze, nur weil das jetzt Trend ist, ich möchte sehr wohl erobert, beschützt und ein Leben lang umsorgt werden. Am besten in einem Reihenhaus, mit Garten, Festanstellung, zwei Kindern und einem Hund. Natürlich sind Weltreisen und Freiberufler aufregender, natürlich hätte ich gerne Kunst und Philosophie studiert und hätte vorher zwei Jahre Pause eingelegt, um fremde Kulturen oder mich selbst zu entdecken, aber dafür bin ich schlicht und einfach zu feige. Ich will mehr Sicherheit als Abenteuer und ich will mit meiner Familie Weihnachten feiern, auch wenn es mir nicht um Jesus geht, sondern weil ich die Lichter mag. Und die Geschenke und zwar die Geschenke, die ich bekomme, nicht nur die, die ich anderen machen darf.

Ich bin anstrengend. Aber nicht auf diese charmante, süße, aufgedrehte Indiemädchen-Art, sondern wirklich nervenaufreibend, weil ich ständig meine Meinung ändere und die von anderen nicht akzeptiere. Ich bin trotzig, wenn es nicht nach meinem Kopf geht und irgendwie auch dann, wenn sich doch jeder nach mir richtet. Ich passe mich nicht gerne an, ich will das Sagen haben, stehe aber nicht gerne im Mittelpunkt. Es kann gerne jemand anderes die Hosen anhaben, aber ich möchte entscheiden, welche. Das verwirrt die meisten und mich selbst auch manchmal, also darf es niemand wagen, mich aus meinem Konzept zu bringen, denn für den jetzigen Moment macht es meistens Sinn. Später nicht mehr.
Wenn mich niemand aus dem Konzept bringt, übernehme ich das, nur um anschließend jemand anderem die Schuld in die Schuhe zu schieben, dafür gibt es einen einfachen Grund: Ich streite, provoziere und beschimpfe gerne. Ich habe auch gerne Mitleid, aber nur mit mir selbst. Ich hasse Faschisten und bin mir durchaus bewusst, dass das wiederum auch faschistisch ist, aber entschuldigt mal, ein bisschen Hass an der richtigen Stelle wird wohl erlaubt sein.

Ich lese lieber Feuchtgebiete als Faust, sage aus Faulheit lieber von vorneherein, dass ich etwas nicht kann, damit ich mir den Versuch sparen kann, trage Klamotten, die alle tragen und bin mir dessen sehr deutlich bewusst, weil ich eingesehen habe, dass es sich mit dem Strom halt doch ab und zu einfacher schwimmt, als dagegen.
Ich bin die Königin des "Wenn du dich nicht meldest, melde ich mich auch nicht"-Spiels und genau so gut darin, mir einzureden, dass ein Kerl auf mich steht und nur deshalb nicht anruft, weil er blöderweise ins Koma gefallen ist.

Was ich sage ist nie das, was ich meine, auch wenn ich es trotzdem denke, aber nicht zugeben will. Was ich aber weiß, ist, dass ich einfach nicht so abgebrüht bin, wie alle tun und wie alle sich selbst gerne vorlügen. Ich bin nicht so cool, intellektuell, selbstsicher und emanzipiert. Ich bin auch leider nicht so fair, offen und sozial engagiert. Ich habe Angst vor unnötigen Dingen und manchmal weine ich ohne Grund. Manchmal idolisiere ich Menschen und versuche, zu sein wie sie. Manchmal lüge ich, weil ich jemandem gefallen will, dem ich nicht gefallen würde, wenn er wüsste, wie ich wirklich bin.

Aber ich möchte ab jetzt immer ehrlich sein, damit ich nur den Menschen gefalle, denen ich gefalle, wie ich bin, weil es anstrengend ist, sich selbst vorzulügen, jemand anderes zu sein, als man eigentlich ist und weil man sich dabei selbst verliert, es aber nicht merkt oder weil man gerade darauf hinaus will, weil ja sich selbst verlieren und im Ausland wiederfinden gerade so modern ist. Es macht doch müde, immer angesagten Clubs hinterherzujagen, nur um nicht an einem Samstagabend alleine zu Hause sitzen zu müsen und somit nicht "Geilste Party des Jahres, bin noch immer hacke wie Sau" in sein Facebookstatus schreiben zu können.

Und nun werde ich mich auf mein Sofa legen, den ganzen Abend Kreuzworträtsel lösen, nebenbei zwischen Comedy und Liebesschnulzen hin- und herzappen und vor Mitternacht ins Bett gehen. Ich bin halt einfach nicht so cool.

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181 Antworten

Kommentare

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    Ich empfehle den Text, weil er so ehrlich ist.
    Nicht, weil ich alles darin gut finde.

    09.10.2011, 12:53 von Jackie_Grey
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    Der Text könnte von mir stammen, hab mich oft darin wiedergefunen! :)

    09.10.2011, 11:34 von June_Carter
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    Ich bin anstrengend. Aber nicht auf diese charmante, süße, aufgedrehte Indiemädchen-Art, sondern wirklich nervenaufreibend, weil ich ständig meine Meinung ändere und die von anderen nicht akzeptiere. Ich bin trotzig, wenn es nicht nach meinem Kopf geht und irgendwie auch dann, wenn sich doch jeder nach mir richtet (...)
    diese und andere Passagen sind eindeutig von Sarah Kuttners "Mängelexemplar! Schäm dich! Schreib lieber deinen eigenen Text anstatt von einer zweitklassigen Autorin abzukupfern.

    27.07.2011, 13:50 von Kleingeldprinzessin2
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      @Kleingeldprinzessin2 Plagiat-Alarm auf NEON! :-D Ich kann mir gut vorstellen, dann man sich hier zu Tode suchen kann auf der Jagd nach immer neuen kopierten Textstellen... gut, dass du sowas ansprichst. Was für ein Armutszeugnis für die sogenannte "Autorin".

      Geheimtipp: Googlet man den Absatz, entdeckt man einen noch schlimmeren Fund namens "Daniela Nicole"...

      27.07.2011, 14:06 von justanotherpicture
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    Ich bin anstrengend. Aber nicht auf diese charmante, süße, aufgedrehte Indiemädchen-Art, sondern wirklich nervenaufreibend, weil ich ständig meine Meinung ändere und die von anderen nicht akzeptiere. Ich bin trotzig, wenn es nicht nach meinem Kopf geht und irgendwie auch dann, wenn sich doch jeder nach mir richtet. ...

    also dieser absatz ist eindeutig und nachweisbar aus "Mängelexemplar" geklaut. Schäm dich! Schreib lieber selber Texte anstatt von anderen abzukupfern.

    27.07.2011, 13:48 von Kleingeldprinzessin2
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    sehr schön (und) ehrlich :)

    01.07.2011, 00:36 von PLD
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    Gut, mach dir nichts draus, ich bin auch nicht cool.

    25.05.2011, 18:42 von nilialu
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    Ich bin die Königin des "Wenn du dich nicht meldest, melde ich mich auch nicht"-Spiels
    Nein, das bin schon ich ;) Aber du sprichst mir wirklich aus der Seele.

    21.02.2011, 13:37 von schmackofatzin
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    einfach toll geschrieben. eine interessante reise in dein inneres.

    05.12.2010, 02:36 von lucid_moonlight
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      @lucid_moonlight Nun, ich steht auf innere Werte, aber nach diesem Artikel kann ich meine Geschlechtsgenossen verstehen, wenn sie nur auf ein schöneres Äußeres schauen und mit dem Rest nichts zu tun haben wollen :)

      27.07.2011, 14:06 von Cyro
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    Ich hab mich sehr oft wiedererkannt. :D Gefällt mir richtig gut der Text.

    30.11.2010, 21:32 von k.kolumna
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    08.09.2010, 15:40 von amina196
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