kerstin_kullmann 31.10.2005, 13:34 Uhr 24 0
NEON täglich

Ab wann sind wir alt?

Rente erst mit 67 oder noch später? Wie werden wir irgendwann unseren Lebensabend genießen?

In der Rentnergruppe “Spätlese” spielen sie am liebsten Rommée und “Fang den Hut”. Montagabends sind die Tische im Gemeindesaal der St. Jakobus Kirche brechend voll. Das Durchschnittsalter liegt bei 82, die Männer sind in der Unterzahl, immer charmant und von den Damen umgarnt. Manchmal gibt’s ein Glässchen Sekt. Wenn die Mutter einer Freundin von mir, sie ist selbst 67 und seit zwei Jahren in Rente, zur “Spätlese” geht, um die Stühle aufzustellen, sagt sie immer etwas spöttisch, sie gehe wieder “zu den Weißhaarigen.” Sie meint das lieb, doch sie meint auch: Ich bin keine von denen. Mindestens drei Jahre will sie sich noch die Haare blond färben, laufen kann sie locker ohne Stock, Nordic Walking ist ihr peinlich. Allesamt, die Mutter und die Weißhaarigen, sind sie Rentner.

Doch der Unterschied zwischen 65 und 85 Jahren ist nicht nur nominell so groß wie der zwischen 15 und 35. Auch Rentner trennen Lebenswelten voneinander. Hüftgelenke, wehe Knie und Altersdiabetes stehen gegen Pauschalurlaub, Skiurlaub und Wochenendurlaub. “Solange ich das alles noch machen kann”, ist der Lieblingssatz der Mutter meiner Freundin. Am liebsten sagt sie ihn auf dem Weg zum Flughafen, kurz bevor sie meine Freundin beauftragt, ihr zwei Wochen lang den Briefkasten freizuschaufeln.

Im Wahlkampf hat sich die Politik noch erfolgreich um das Thema Rente gedrückt. Doch so fest können die Volksparteien die Augen gar nicht zukneifen, als dass sie das Problem nicht doch angehen müssten. Denn einerseits werden wir steinalt. Die Lebenserwartung bei Geburt steigt bis 2050 für Mädchen auf 86,6 Jahre und für Jungen auf 81,1 Jahre. Andererseits ist auf die Rentenkasse momentan so viel Verlass wie auf das Sparkassenkonto eines Durchschnittsstudenten: Mit bisschen Dispo und viel Glück schafft man plus minus Null am Monatsende.

Darf der Staat uns die Zeit, in der wir unser Leben im Alter genießen, abkürzen? Oder sind wir dazu verpflichtet, der Mehrheit unserer Gesellschaft im Alter die Grundbedürfnisse abzusichern und, wenn nötig, länger zu arbeiten?

24 Antworten

Kommentare

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    Der menschliche Körper wurde geschaffen um durchschnittlich 120 Jahre alt zu werden. Ohne die Zivilisationskrankeiten "Zivilisatose" kann ein Mensch diese Alter erreichen. Meine Omas sind 93 und 88 und super fit. Sie kochen, backen kuchen gehen arbeiten... Alter ist die Verzehrung der Zellen. Geistlich kann man immer jung bleiben.

    08.01.2006, 23:51 von Alternativehonig
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    Selbständige müssen schon immer sehen, wo sie bleiben.

    Es geht bei der Rente lediglich um Arbeiter und Angestellte, wenn ich mich nicht irre. Oder zahlt Dein Dad in die Rentenkasse ein?

    02.11.2005, 10:43 von Wuerfel
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    also mein dad ist 60 und macht seit über 23 jahren sein restaurant, ich glaub sogar noch länger...
    da erübrigt sich das rententhema sowieso, selbständige müssen dann selber sehen, wo sie bleiben...
    kann auch ganz brenzlig werden sowas :/

    02.11.2005, 01:20 von Rossi
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    mensch tino - in welchen job arbeitest du denn, das du nicht so lange arbeiten musst? das würd mich mal interessieren, dann schul ich sofort um ;-)

    01.11.2005, 20:48 von Pipistrella
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    Bis zum 65. Lebensjahr arbeitet heute schon fast keiner mehr, also wieso eine Diskussion um die Rente mit 67 ?

    01.11.2005, 20:07 von Tino-Dittrich
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    ich habe einige jahre in der altenpflege gearbeitet. es ist ein aberglaube, dass dort nur leute über 70 oder wieviel auch immer leben. da gab es auch wesentlich jüngere (das jüngste, was ich erlebt habe war eine 46jährige (!) frau) dabei und da gab es auch leute, die familie haben, aber von dieser nicht betreut werden konnten oder wollten. sie alle hatten aber etwas gemeinsam: sie sind alleine nicht mehr im stande nach dem rechten zu gucken, sei es nun geistig, physisch oder beides. was ist das für ein leben frage ich mich da? tolle sache: man ist in rente und kann jetzt ... ja, was eigentlich? viele menschen glauben, dass man eine aufgabe braucht. meine generation denkt vielleicht nicht mehr so, aber die generation meiner eltern oder großeltern kann sich ein leben ohne aufgaben nicht vorstellen. einfach genießen ist nicht ihr ding. kann ich ehrlich gesagt auch nachvollziehen. vor allem, wenn es gesundheitliche probleme gibt (und die gibt es fast immer, auch wenn die auswirkungen unterschiedlich sind), der ehepartner verstorben oder krank ist. ich glaube, alte menschen wollen ruhe, ja. aber ob sie das rentenalter wirklich genießen, wage ich zu bezweifeln. mit sicherheit gibt es solche, das will ich gar nicht bestreiten, aber ich glaube, dass das die minderheit ist.

    01.11.2005, 19:25 von Justitia
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      @Justitia In der Richtung, dass Ältere ihren Ruhestand nicht genießen können gebe ich Dir recht - Justitia. Probleme mit der Gesundheit, die schlechtere Umstellung oder Anpassung an veränderte Lebensumstände sind auch ein Hinderungsgrund daran. Dennoch sehe ich nicht so schwarz. Die Einstellung und Akzeptanz der eingenen Leistungsfähigkeit oder nennen wir es wirklichkeitsnah Gebrechlichkeit kann gelernt werden. Allerdings ist die auf Oberflächlichkeiten ausgerichtete Gesellschaft nicht sehr hilfreich für derartige tiefschürfende Argumente.
      Ältere Menschen möchten auf alle Fälle uneingeschränkt zu den "aktiven Alten" zählen und leider belügen sie sich oft damit auch selbst.
      Das Nachlassen der Fähigkeiten ist aber nunmal ein Prozess des Alterns. Werden Zeichen und Hinweise ungesunden Umgangs mit der eigenen Kraft und Gesundheit übersehen steht dann nur noch Resignation und Frust im Mittelpunkt.

      01.11.2005, 21:21 von uschi_fisch
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    klar, die altersgrenze wird immer höher gesetzt, weil zu wenig geld in der rentenkasse ist. man hofft ja, dass die alten leute abkratzen, bevor sie ihre rente in anspruch nehmen können. oder doch nicht? mal ehrlich: lebenserwartung hin oder her, wohin ich auch gucke: die leute sterben immer früher (viele sogar in jungen jahren bis 50 und das nicht durch unfall, sondern aus gesundheitlichen gründen). man kann bald froh sein, wenn man das rentenalter überhaupt noch erreicht. und selbst wenn man vorgesorgt hat, wird man körperlich immer weniger in der lage sein, das angesparte sinnvoll nutzen zu können. man kann es krankenhäusern / ärzten, krankenkassen, pflegeheimen /-diensten und der pharmazie in den allerwertesten schieben, um sich so noch ein paar jährchen über wasser zu halten. aber was alte leute wirklich wollen ist sterben. klingt bitter, ist aber so. die haben einfach genug. und die, die nicht genug haben, können gar nicht anders.

    alte menschen werden mit glück einen arbeitsplatz bis zur rente haben. aber schauen wir uns doch in vielen großen betrieben um: da arbeiten leute jenseits der 50. viele betriebe stellen weder ein, noch bilden sie aus (oder bilden aus, übernehmen dann aber nicht). wo bleibt der nachwuchs, der sich für diese tätigkeiten spezialisieren soll und von den alten lernen kann? und: diejenigen, die durch den sozialplan im höheren altern ihren arbeitsplatz verlieren, werden nur schwer einen anderen arbeitsplatz finden, sondern fallen dem staat auf die tasche.

    ein teufeskreis. wie man es dreht und wendet, passt es nicht. wie heißt es so schön? die ratten verlassen das sinkende schiff. sollten wir das auch tun?

    01.11.2005, 19:05 von Justitia
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      @Justitia hmm, vielleicht wiederspricht das deinen persönlichen Erfahrungen, aber wir werden alle immer älter im Durchschnitt ... das ist nun mal Fakt. Und ich kann mir vorstellen viele alte Menschen geniessen ihre Rente und wollen nicht gleich sterben ... sonst hätten wir das "Problem" ja auch nicht ...

      01.11.2005, 19:15 von Composer
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    Hallo Uschi, und ich spar mir jeglichen dummen Kommentar oder Flachwitz zu deinem Nickname.

    Ich wäre dankbar wenn du deine Aussage etwas detailierter wiederholen könntest.

    Find sonst zuviele auch unpassende Punkte um diese zu kritisieren.

    Danke

    01.11.2005, 18:04 von 3-Tage-Bart
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      @3-Tage-Bart Halt Dich mal mit Deinen Flachwitzen nicht zurück. Deine Kritik wirst schon selber schreiben müssen. Und übrigens liegt in der Kürze die ...
      Grüße zurück

      01.11.2005, 21:07 von uschi_fisch
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    Also kurz zu meinem Vor - Schreiber -> Hallo Unrasierter, wer nix reinzahlt braucht sich nicht zu wundern das die Kasse leer ist.
    .
    Selber vorsorgen für die Rente ist doch selbstverständlich. In Rente gehen mit etwas über 60zig ist doch gar nicht drin, weil arbeiten und Ziele haben viel zu spannend ist. Der Ruhestand ist was für Leute die ihre Gesundheit schonen und ihre Krankheit pflegen müssen. Denen sei es auch gegönnt.
    Natürlich macht es auch Spaß sich so einzurichten, dass die Arbeit die man gerne macht zu den Leisungsfähigkeiten im Alter passt. Also zusehen, dass der Chefsessel bequem ist ;o)

    01.11.2005, 17:16 von uschi_fisch
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      @uschi_fisch Private Versicherungen, ob nun Rente oder irgendwelche anderen Dinger sind doch nur Augenwischerei und absolut unsozial und unsolidarisch.

      Egal, wo und von wem ich später meine Rente bekomme, ich will das Geld ja ausgeben. Und das bedeutet ich beanspruche Waren von meinen Kindern.

      02.11.2005, 08:23 von Sirius
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    Rente ab 67 ist schwachsinnig.

    Auf dem heutigen Arbeitsmarkt hast du mit 45 schon beinahe keine Chance mehr, zudem warten da 5 Millionen Arbeitslose, welche auch nicht alle unterqualifiziert sind.

    Ebenso sollten die lteren Menschen doch eher gemeinnützig integriert werden, in dem Sie auf Ihre Enkel aufpassen, sich gegenseitig Unterhalten etc. pp.

    Aber schuld sind ja die leeren Sozialkassen. Schuld sind die Sozialschmarozer und das Demographieproblem (welcher schwachsinn, könnt ihr in nem Artikel von mir nachlesen). Niemand kritisiert eine Deutsche Bank die mehrmals hintereinander rießen renditen einfährt, steuerlich bevorteilt wird und dann auch noch 6000 Menschen entlassen. Niemand kritisiert mehr unsere Marktwirtschaft. Is ja Gottgegeben, da kann man nichts dran ändern, wa?

    Das schlimmste, eigentlich sollte die Politik in ner sozialen Marktwirtschaft die Wirtschaft steuern, aber genau das passiert nicht mehr. Vodafon, Deutsche Bahn, Deutsche Bank ....

    Aber, naja, die Rentner und die Sozialhilfeempfänger sind natürlich daran schuld ...

    01.11.2005, 15:33 von 3-Tage-Bart
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      @3-Tage-Bart die Marktwirtschaft wird ständig kritisiert, aber es hat halt niemand eine Alternative zur Zeit ... und ich meine eine die funktionieren würde ....

      01.11.2005, 18:53 von Composer
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