BillyKaplan 23.04.2010, 00:52 Uhr 70 58

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Ich bin kein Mensch, in den sich jemand wie du verlieben sollte...

Ich bin kein Mensch, in den sich jemand wie du verlieben sollte. Ich denke immerzu und über alles nach. Etwas in meinem Kopf, das aus jeder Mücke einen Elefanten macht. "Neurose" denke ich manchmal. Aber das darf man nicht mehr sagen. "Zwangsgestörter" ist das korrekte Wort. Warum eigentlich? Ist "gestört" netter als "neurotisch"? Irgendwie nicht. Du hast mir gesagt, du würdest eine Ablehnung nicht verkraften, zu oft in letzter Zeit hat man dich hängen lassen. Ja, ich hatte dich gebeten ehrlich zu sein. Aber wenn ich das sage, meine ich es nicht.

Wochenlang hab ich mich gefragt, wie ich es dir beibringe, ohne dich zu verletzen. Dass du mir egal bist. Ich wünschte, es wäre anders. Oder? Wenn ich sage, dass ich mich zu sehr hasse, um zu lieben, dann weiß ich nicht, ob es tatsächlich so ist. Eigentlich weiß ich nie genau, was ich empfinde. Mir ist immer alles so egal. Alles. Kindergenozid im Sudan? Egal. Fremdenhass? Egal. Deine Berührung an meinem Rücken? Egal.

Wenn ich jemandem von meiner Vermutung, emotional tot zu sein, erzählt habe, sagten sie mir, ich müsse etwas dagegen tun. Dabei will ich das gar nicht. Ich liebe die Zeit. Es stimmt, was man über sie sagt. "Sie heilt alle Wunden". Und wenn man keine hat, dann trägt sie einen halt einfach weiter. Es geht irgendwie immer weiter. Mein Leben ist eckig und ungeschickt, wie dieser Text. Und ich finde es nicht schlimm. Mich stört auch eigentlich nicht, dass ich dich verletzen werde. Ich habe Angst, dass du mich dann nicht mehr liebst, denn das gibt mir Bestätigung, das Einzige was ich wirklich brauche. Du könntest mich Parasit nennen. Wirst du aber nicht. Dafür magst du mich zu sehr.

Ich brauche dich nur zu berühren, und du zitterst wie ein Schneemann. Ich werde dir diese Dinge sagen und ich weiß, was du denken wirst. Dass ich theatralisch bin und mich und meine "Probleme" zu ernst nehme. Aber ausnahmsweise geht es mir dabei nicht um mich. Du bist ein wunderbarer Mensch, viel größer als alles, was ich je erhoffen kann zu werden. Du bist die Person, die den wahren Grund für ihre Ablehnung erfahren wird. Die Allererste. Ob du willst oder nicht. Ist leben um des Lebens willen so furchtbar? Ich finde nicht.

Man braucht nicht immer einen Grund, eine Motivation oder einen Menschen, dem man etwas bedeutet. Es geht auch so ziemlich gut. Ich sehe viele Menschen, denen es geht wie mir. Die meisten versuchen etwas dagegen zu tun. Manche werden depressiv oder "Emo", wie mein Bruder es gerne nennt. Ich tue keins von beidem. Mir ist bewusst, es gibt Menschen, denen es viel schlechter geht als mir. Mir geht's auch eigentlich nicht schlecht. Nur manchmal, wenn ich Angst bekomme, mein Leben allein verbringen zu müssen. Obwohl auch das vielleicht ganz nett sein könnte.

Du wirst mich fragen, wie mir alles egal sein kann, wenn ich mir doch so viele Gedanken mache. Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Es gibt Tage, an denen ich es liebe, mich in mein Selbstmitleid zu verkriechen und niemandem etwas davon abzugeben. Vielleicht möchte ich einfach nicht fühlen. Es ist wie in einem Film. Einem von den pseudo-psychologischen, in denen der Protagonist nicht empfindet, um sich zu schützen. Aber das hier ist kein Film. Es ist das große Forschen.

Ich bin dir dankbar, ohne dich und dein Drängen hätte ich nie angefangen, über all dies nachzudenken. Ich möchte dich trotzdem nicht mehr sehen. Du weißt jetzt zu viel von mir. Ich teile mich gern mit, damit Menschen mich für interessant oder mysteriös halten, aber ich glaube es nervt die meisten. Ich kann im Supermarkt nie mehr als eine Pizza kaufen. Die Kassiererin könnte denken, ich lebe ungesund. Was ich tue. Mich nervt nichts.

Doch. Wenn ich versuche, mich wirklich zu öffnen, glaubt mir keiner. Dafür wirke ich nach außen zu hart, zu selbstbewusst. Merkwürdig, wo mich doch jede Bewegung aus der Bahn werfen kann. Ich fordere so viel von dir, ohne etwas zurückzugeben. Du würdest mich nicht lange ertragen. Wir kennen uns erst so kurz, es ist vollkommen übertrieben mich dir so außerordentlich zu öffnen. Aber das ist deine Schuld. Du hast mich dazu gebracht all dies herauszufinden. Ich hätte noch so viel mehr zu sagen, aber das mute ich dir nicht zu. Es reicht.

Alles was ich sagen will ist: Nein, ich liebe dich nicht. Und werde es nie. Dafür bin ich viel zu egozentrisch. In diesem Text habe ich 55 Mal das Wort "Ich" benutzt. Das ist viel. Und eigentlich sagt es alles. Ich werde wieder aufatmen können, wenn ich dir all dies gesagt habe. Hauptsache, mir geht es besser.

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70 Antworten

Kommentare

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    wenn es auf dich zutrifft, dann belügst du dich selber ;)

    03.06.2012, 21:21 von underclasshero
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    Jaja, ein ganz individueller Fall. Denken können, aber nix gegen sich selbst tun. Oh.

    Mein Lieblingsspruch: Borderline is just a bad excuse for misbehaviour.

    Oder auf Deutsch: Ist der Ruf erst ruiniert, lebts sich völlig ungeniert.

    Berlusconi hat das auch.

    16.03.2011, 23:35 von EliasRafael
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    asperger syndrom?
    also wenn du ernsthaft hilfe suchst, dann könntest dich darauf mal untersuchen lassen.
    und da dir ja alles egal z

    16.03.2011, 23:27 von DASkannNICHTklappen
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    Ich liebe deine Texte

    11.03.2011, 11:25 von aniuaniu
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    wundervoll!

    24.06.2010, 00:56 von pretty_odd
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  • 1

    erschreckend bekannt kommt mir der protagonist vor.

    17.06.2010, 01:23 von Maedschoen
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    Klingt toll.... und mir so vertraut...

    16.05.2010, 16:42 von little-thunder
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Als ich Deinen Text las, lief mir ein paar Mal ein kalter Schauer über den Rücken. Falls dies "ein echter" Text ist, der tatsächlich Deine Gedanken und (oft wenig vorhandenen) Gefühle ausdrückt, erinnert mich das sehr an meinen Ex-Freund, mit dem ich über 10 Jahre zusammen war.

    Manche Deiner Sätze könnten originalgetreu aus seinem Mund stammen. Bei ihm wurde (gegen Ende unserer Beziehung) das Boarderline-Syndrom diagnostiziert und ich war damals ehrlichgesagt fast erleichtert, dass es einen "guten Grund" für seine seltsamen Gedanken und oft verletzenden (Gefühls-)Äußerungen gab.

    Ich würde mir niemals anmaßen, Dich als zwangsgestört oder neurotisch zu bezeichnen, wie Du es selbst tust, aber eventuell ist etwas in dieser Richtung ja auch auf Dich zutreffend..?

    Dies ist wirlich ernst gemeint von mir und ich will mich hier nicht blöd wichtig machen oder so..
    Falls es Dich irgendwie belastet, informier Dich einfach mal über das Boarderline-Syndrom.

    01.05.2010, 21:52 von nici-maus
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      @nici-maus Das ist richtig, was du sprichst, ich kenne einige Leute mit dem Syndrom, u.a. in der eigenen Familie und auch eine Ex.

      Aber es heisst immer noch Borderline. Es sind Grenzgaenger und keine Snowboardslackliner.

      17.05.2010, 15:21 von quatzat
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      @quatzat Borderline. Pfffff...

      17.05.2010, 18:35 von Steifschulz
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    der text ist doof

    28.04.2010, 21:54 von tatyana
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      @tatyana Ja. Drum habe ich den auch nicht weiter kommentiert. Aber Deinem Kommentar will ich zustimmen.
      Warum ?
      Der Artikel widerspricht allem, was ich empfinde, was meinen Erfahrungen sind, was ich denke.
      Ich habe auch keine Lust zu versuchen den Text irgendwie zu 'knacken', soll heissen, jemand, der behauptet, das im alles egal ist, zu beweisen, dass dem nicht so ist oder aber irgendwelche Defizite herauszuarbeiten
      Andererseits, einfach so hinnehmen ist auch nicht schön.
      Zudem habe ich den Verdacht, dass der Text ganz klar ein Zweitaccount ist, auch wenn der Autor dem schon widersprochen hat.

      Alles in allem bleibt der Eindruck "irgendwie doof" zum Text. Darum schließe ich mich Deinem Kommentar einfach mal an.

      17.05.2010, 14:58 von Cyro
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